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Suhrkamp-Verfahren : Frankfurt gegen Berlin

Bild: dpa

Neues in Sachen Suhrkamp: Hans Barlach erwirkt vor dem Frankfurter Landgericht eine einstweilige Verfügung. Dadurch wird es jedoch noch schwieriger, die Zukunft des Suhrkamp Verlages vorherzusagen.

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          Dass sich am Dienstag sogar der Vizepräsident des Frankfurter Landgerichts in der Suhrkamp-Verhandlung blicken ließ, zeigt das große Interesse an diesem selbst für Juristen außergewöhnlichen Fall, der mit immer neuen, immer überraschenderen Wendungen aufwartet. Längst haben die Spieler im Machtkampf um Suhrkamp juristisches Neuland betreten, insofern es um die Streitigkeiten von Gesellschaftern in einem laufenden Insolvenzverfahren geht.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Als neuste Volte hat das Frankfurter Landgericht gestern Nachmittag einem Antrag auf einstweilige Verfügung von Hans Barlach stattgegeben. Laut Gericht muss die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung ihren qualifizierten Rangrücktritt für die Gewinne der Jahre 2010 und 2011 erklären, so wie dies Barlach zuvor selbst bereits getan hat.

          Unverständnis seitens Suhrkamps

          Aus Sicht der Kammer zielen das Insolvenzgutachten sowie der Insolvenzplan für Suhrkamp allein darauf ab, die Rechtsstellung des Minderheitsgesellschafters Barlach auszuhöhlen. Die Familienstiftung betreibt nach Gerichtsauffassung das Insolvenzverfahren nur, um sich des unliebsamen Gesellschafters zu entledigen. Weil die Familienstiftung sich überdies den Anordnungen der einstweiligen Verfügung von Mitte Juli widersetzt und ihre Gewinnforderung gegenüber dem Verlag bisher nicht gestundet hat, wird außerdem ein Ordnungsgeld in Höhe von 250000 Euro verhängt.

          Bei Suhrkamp kann man das Urteil und die Begründung der 9. Kammer für Handelssachen nicht nachvollziehen: „Das ändert nichts am Insolvenzverfahren, das unabhängig von dieser Entscheidung in Eigenverwaltung fortgeführt wird.“ Mit Sicherheit wird man gegen das Urteil Berufung einlegen.

          Barlach gibt nicht auf

          Offenkundig wird jetzt, dass der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, dessen Medienholding 39 Prozent der Anteile an Suhrkamp hält, ungeachtet des eröffneten Insolvenzverfahrens keineswegs bereit ist aufzugeben. Stattdessen versucht er, bereits verloren geglaubtes Terrain zurückzugewinnen. Dazu passt, dass er bislang alle Angebote abgelehnt hat, seine Suhrkamp-Anteile zu veräußern, darunter das Angebot des Sammlerehepaars Sylvia und Ulrich Ströher in Höhe von rund zehn Millionen Euro.

          Die neuen Anträge der Medienholding haben nur ein Ziel: dem in der vergangenen Woche vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg für den Verlag eröffneten Insolvenzverfahren die Grundlage zu entziehen. Offenbar vertraut Barlach darauf, durch Entscheidungen an anderer Stelle, hier am Landgericht Frankfurt, seine fehlende Antragsberechtigung im Insolvenzverfahren zu kompensieren. Er hofft, dass eine Entscheidung in seinem Sinne - dass nämlich die Forderung der Familienstiftung in Höhe von mehr als fünf Millionen Euro nicht geltend gemacht werden darf - das ganze Verfahren aushebelt.

          Insolvenzgericht versus Handelskamer

          Die Konstellation zeigt überdies eindrucksvoll, wie komplex das Verhältnis verschiedener Gerichte - Insolvenzgericht versus Handelskammer - tatsächlich ist. In Frankfurt steht man nach Angaben des Gerichtssprechers Arno Hasse auf dem Standpunkt, dass die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Frankfurter Entscheidung keine Rolle spielt, da dort die Gesellschafter vor Gericht stehen, die Insolvenz aber den Verlag betrifft.

          Selbst für Juristen dürfte es schwierig sein, vorherzusagen, welche Auswirkungen die widersprüchlichen Entscheidungen am Ende auf den ganzen Prozess haben werden.

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