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Suhrkamp-Spekulationen : Fit for Phantasie

Spekulation, Spekulation: Will der Verleger Hubert Burda, ein Freund des Dichters Peter Handke, nun bei Suhrkamp investieren? Bild: dpa

Die Spekulationen um Suhrkamp blühen prächtiger als der Flieder. Nun wollen Kommentatoren Hubert Burda als künftigen Investor des Verlags erkannt haben. Dabei erfüllen noch mehr hiesige Millionäre die offensichtlichen Kriterien.

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          April im Mai, wetterwenderischer könnte es kaum mehr zugehen. „Spiegel online“ beruft sich auf die „Welt“, wenn es darauf spekuliert, bald könnte Hubert Burda als Investor bei Suhrkamp einsteigen, doch die „Welt“ hatte diesen Namen genauso mit einem Fragezeichen versehen wie die Verlagsgruppe Random House, also den Bertelsmann-Konzern. Das ist die beste publizistische Taktik: In Frage stellen wird man ja wohl dürfen. Und wenn dann die Phantasie Kapriolen schlägt, vollzieht der schöne Schwung des Fragezeichens am Satzende diese Bewegung kongenial nach. Also machen wir mit: Ein etwas größeres Sümmchen wird für den Einstieg bei Suhrkamp schon vonnöten sein. In Deutschland gibt es derzeit – was für ein Zufall – fast eine Million Millionäre.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Gut, bei der Ermittlung dieser Zahl hat der World Wealth Report als Währung den Dollar zugrundegelegt, also sind die Millionäre in Euro etwas ärmer dran. Aber keiner von ihnen ist als Suhrkamp-Investor weniger plausibel als Hubert Burda. Er verlegt die „Bunte“ statt der Edition Suhrkamp, hat „Fit for Fun“ im Programm statt stw und betreibt Rundfunk- und Fernsehstationen statt Klassiker- und Jüdischem Verlag. Deshalb muss die Freundschaft zwischen Burda und dem Suhrkamp-Autor Peter Handke als Motiv herhalten, aber seit dem preußischen Finanzminister David Hansemann wissen wir: Bei Geld hört die Freundschaft auf.

          Nennen wir also ein paar Millionäre, die nicht mit Peter Handke befreundet sind. Dieter Schwarz. Fragezeichen. Karl-Erivan Haub. Fragezeichen. Karl Albrecht. Fragezeichen. Sie alle sind mit Handelsketten reich geworden, in denen Bücher keine Rolle spielen. Wie für Burda. Aber eben ohne Handke. Beste Voraussetzungen für den Einstieg bei Suhrkamp. Fragezeichen.

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