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Suhrkamp-Sommer : Dann muss eben ausgeschüttet werden

  • -Aktualisiert am

Geschickt: Im Streit um den Suhrkamp-Verlag hatte Minderheitsgesellschafter Barlach vor Gericht eine Gewinnausschüttung erwirkt. Die Geschäftsführung ist dagegen zunächst in Berufung gegangen, nimmt diesen Antrag jetzt aber zurück.

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          Was die Gerichtsverfahren im Dauerbrenner Barlach gegen Suhrkamp angeht, stand es bislang gefühlte 4:3 beim Elfmeterschießen. Aber die besten Schützen Suhrkamps kommen noch. Im Streit der Gesellschafter hat die Geschäftsführung jetzt geschickt geflankt: Im Verfahren zur Gewinnausschüttung hat der Verlag seine Berufung zurückgenommen. Damit wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt rechtskräftig, wonach Forderungen der Gesellschafter gegenüber dem Verlag in Höhe von 8,2 Millionen Euro in den Bilanzen berücksichtigt werden müssen.

          Nachdem die Gesellschafter sich über die Ausschüttung nicht hatten einigen können, hatte das Gericht im März bestimmt, dass der Verlag 2,2 Millionen Euro aus dem Gewinn 2010 an den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach auszahlen muss. Unter dem Eindruck dieser Entscheidung und um die Ausschüttung zu verhindern, beantragte das von Überschuldung bedrohte Haus Ende Mai den sogenannten Schutzschirm.

          Die Ferien fallen aus

          Die von Barlach geführte Medienholding, mit 39 Prozent an Suhrkamp beteiligt, erklärte daraufhin am 20. Juni vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ihren Rangrücktritt und stellte damit ihre Gewinnansprüche 2010 hintan. Die Geschäftsführung des Verlags sieht dadurch keine Veranlassung mehr für die Weiterverfolgung der Berufung im Frankfurter Verfahren, da aus ihrer Sicht die Gefahr, sofort ausschütten zu müssen, beseitigt ist. Durch die Rücknahme der Berufung werde Rechtsklarheit in Bezug auf die Auslegung des Gesellschaftsvertrags und die Behandlung der Auszahlungsansprüche der Gesellschafter geschaffen, erklärte Suhrkamp gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dies erleichtere auch die Ausgestaltung des Insolvenzplans, den das Schutzschirmverfahren vorsieht und der von den Gläubigern genehmigt werden muss.

          Die von Ulla Unseld-Berkéwicz geführte Familienstiftung hat außerdem ihre Ansprüche aus den Gewinnen von 2010 und 2011 gegenüber dem Verlag fällig gestellt. Damit geht sie auf Barlachs Forderung, ebenfalls einen Rangrücktritt zu erklären, nicht ein. Zugleich hat sie die Bereitschaft signalisiert, im Rahmen des Schutzschirmverfahrens sicherzustellen, dass diese Gewinnforderungen den Verlag nicht belasten sollen, wenn dadurch dort eine Situation hergestellt wird, die die Zukunft des Hauses ermöglicht. In diesem Zusammenhang fordert die Familienstiftung, dass Gewinne an die Gesellschafter künftig nicht mehr ohne Mehrheitsbeschluss ausgeschüttet werden. Die Geschäftsführung gibt sich davon überzeugt, dass so die Zukunft des Verlags gesichert werden kann. Dabei wird es vor allem auf den Insolvenzplan ankommen, an dem derzeit im Haus unter Hochdruck gearbeitet wird und der spätestens am 25. August vorzulegen ist. Für Suhrkamp, soviel ist klar, fallen dieses Jahr die Ferien aus, aber vielleicht winkt am Ende ein Sommermärchen.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

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