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Schutzgeschirmter Verlag : Suhrkamp sucht die saubere Lösung

Thomas Meinecke: „Für alle Beteiligten ein abenteuerlicher Prozess“ Bild: dpa

Im Streit um den Suhrkamp Verlag gibt es täglich neue Volten: Die Verlegerin ruft die Autoren nach Berlin, Hans Barlach unterliegt in Zürich vor Gericht und womöglich taucht ein Retter auf.

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          „Wo ist Kebekus?“, ruft jemand durch den vollbesetzten Salon von Ulla Unseld-Berkéwicz. „Am Klavier“, antwortet ein anderer, und es wird, wie Anwesende später berichten, kurz gelacht. Dabei ist an diesem Nachmittag gewiss nicht allen leicht ums Herz. Zumal, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt ist, was tags drauf die Situation bei Suhrkamp wieder unter ganz neue Vorzeichen stellt. Dass nämlich der zürnende Gesellschafter Barlach selbst ein Problem hat, und im Kampf um den Verlag womöglich ein Retter vor der Tür steht, auch wenn der keine weiße Rüstung trägt.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Etwa siebzig Autoren des Suhrkamp Verlags sind der Einladung ihrer Verlegerin nach Berlin gefolgt, um sich von Frank Kebekus erklären zu lassen, was es mit dem aufgespannten Schutzschirm auf sich hat. Der Jurist und neuerdings Generalbevollmächtigte im Hause Suhrkamp hatte zunächst die Mitarbeiter informiert, danach kamen die Autoren an die Reihe.

          „Er hat uns zum Beispiel erklärt, inwiefern wir als Schriftsteller jetzt auch Gläubiger sind und was das für Konsequenzen hat“, beschreibt es Thomas Meinecke, der den Juristen überzeugend findet, was nicht ganz unerheblich ist in einem Verfahren, das „für alle Beteiligten ein abenteuerlicher Prozess“ sei.

          Barlachs Selbstverpflichtung

          Der abenteuerliche Prozess, also der Schutzschirm, ist eine Vorstufe der Insolvenz, die der Verlag vorige Woche beantragt hat, auch, um sich dem Machtkampf der Gesellschafter zu entziehen. Mit dem Triumph des Augenblicks hat das Haus wohl vor allem den Minderheitsgesellschafter überrascht, der freilich im Gespräch mit dieser Zeitung ankündigte, gegen dieses „rechtsmissbräuchliche“ Verfahren mit allen Mitteln vorzugehen. Inzwischen aber wurde bekannt, dass er noch ein anderes Problem hat. Denn bereits am 7. Mai wurde der Unternehmer vom Handelsgericht Zürich zur Zahlung von fünf Millionen Franken verurteilt, zuzüglich Zinsen und Verfahrenskosten.

          Ulla Unseld-Berkéwicz: Die von ihr kontrollierte Familienstiftung hält 61 Prozent der Suhrkamp-Anteile

          In diesem Prozess geht es um Barlachs mittelbaren Erwerb der Suhrkamp Anteile von zunächst 29 Prozent Ende 2006. Zu dieser Zeit hielt der Sohn des vier Jahre zuvor verstorbenen Verlegers Siegfried Unseld noch zwanzig Prozent an Suhrkamp und die Familienstiftung 51 Prozent. Den Rest kontrollierte der Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart über eine Holding.

          Für den Kauf dieser Holding hatte Reinhart im Herbst 2006 mit Claus Grossner und Hans Barlach einen Vertrag abgeschlossen. Beide sollten die Hälfte der Aktien für insgesamt 10,8 Millionen Franken übernehmen. Barlach zahlte seinen Anteil, aber Grossner brachte das Geld für seine Hälfte nicht zusammen. Als Grossner 2010 den Freitod wählte, hatte Reinhart längst mit Barlach über dessen Anteil neu verhandelt. Der Hamburger hatte sich verpflichtet, auch Grossners Hälfte zu übernehmen und innerhalb von zwei Jahren zu bezahlen.

          Eine klassische Aporie

          Doch bis heute hat Reinhart die fünf Millionen Franken nicht erhalten. Laut der „Neuen Zürcher Zeitung“ beruft Barlach sich darauf, die Kaufsumme sei nicht mehr gerechtfertigt, weil Reinhart ihn vorab nicht ausreichend über des Konfliktpotential informiert habe. Das Zürcher Handelsgericht bezeichnet diese Vorwürfe nun als unhaltbar. Von einer Schadensersatzpflicht, wie sie Barlach anmahnt, könne keine Rede sein. Reinhart seien weder Vertragsverletzungen noch Täuschung anzulasten, weshalb die fünf Millionen Franken sofort zu zahlen seien.

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