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Insolvente Verlagsgruppe : Überraschung im Suhrkamp-Kampf

Am 28. Mai beantragte Suhrkamp Gläubigerschutz. Bild: Helmut Fricke / F.A.Z.

Man dachte, nur die Suhrkamp-Geschäftsführung sei beim Streit mit dem Minderheitengesellschafter Hans Barlach finanziell in der Defensive. Nun wird bekannt, dass Barlach kürzlich in der Schweiz zu einer Millionenzahlung verurteilt worden ist.

          Als die Suhrkamp Verlagsgruppe am 28. Mai Insolvenz beantragte, um Gläubigerschutz anmelden zu können, wusste sie nicht, dass genau drei Wochen zuvor, am 7. Mai, der Suhrkamp-Minderheitengesellschafter Hans Barlach vom Handelsgericht des Kantons Zürich zur Zahlung von 5 Millionen Franken zuzüglich Zinsen und Verfahrenskosten verurteilt worden ist. Das berichtet heute die „Neue Zürcher Zeitung“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Gegenstand des Zürcher Verfahrens war Barlachs Erwerb der Suhrkamp-Minderheitenbeiligung von 39 Prozent. Bis 2006 gehörte sie dem Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart. Erfolglos hatte sich damals auch die von Ulla Unseld-Berkéwicz geleitete Unseld-Familienstiftung, die mit 61 Prozent die Mehrheit an der Verlagsgruppe hält, um diese Beteiligung bemüht, doch Reinhart verkaufte ohne Benachrichtigung des Mehrheitseigners seine Anteile je zur Hälfte an Hans Barlach und dessen Geschäftspartner Claus Grossner. Jeder der beiden Käufer musste dafür einen Preis von 5,4 Millionen Franken zahlen, den aber nur Barlach entrichtete. Grossner blieb seinen Teil der Kaufsumme schuldig und wählte Ende 2010 den Freitod. Danach schlossen Barlach und Reinhart einen neuen Vertrag ab, der auch Grossners Anteile an Barlach überschrieb, doch da der Streit mit der Familienstiftung schon entbrannt war, weigerte sich Barlach, die noch ausstehende Kaufsumme vollständig zu begleichen, weil er sich von Reinhart getäuscht sah. Daraufhin verklagte Reinhart  Barlach auf Zahlung von 5 Millionen Franken. Das Gerichtsurteil gab ihm nun recht.

          Druck auf Barlach könnte steigen

          Auf Anfrage der F.A.Z. bestätigte Hans Barlach das Urteil, teilte aber auch mit, dass er bereits Berufung dagegen eingelegt habe. Das Schweizer Gericht kann ihm dafür eine Sicherheitsleistung in Höhe der festgestellten Summe auferlegen, wofür er umgerechnet aktuell mehr als vier Millionen Euro aufbringen müsste. Dass er in den mehr als drei Wochen, die seit dem Urteilsspruch in Zürich vergangen sind, noch nicht die ihm in Frankfurt am Main gerichtlich zugesprochenen 2,2 Millionen Euro aus den Suhrkamp-Gewinnen des Jahres 2010 eingefordert hat, spricht aber dafür, dass er das Geld im Ernstfall aus anderer Quelle aufzubringen versuchen würde.

          Zugleich aber könnte das den Druck auf Barlach erhöhen, seine 39 Prozent an Suhrkamp zu Geld zu machen. Der von der Verlagsgruppe beantragte Gläubigerschutz dient strategisch auch dazu, Barlach zu zwingen, von seinen überhöhten Preisvorstellungen für seine Anteile herunterzugehen. Die Familienstiftung strebt wie schon 2006 den Kauf der 39 Prozent an – nur von welchem Geld? Dabei könnte sich der nun binnen drei Monaten zu erarbeitende Sanierungsplan als wichtig erweisen, um Kreditgeber zu gewinnen. Denkbar ist aber auch der Verkauf von Barlachs Anteil an einen Dritten. Ulla Unseld-Berkéwicz müsste dann hoffen, dass der neue Eigentümer ihr gewogen ist.

          Suhrkamp wollte auf Anfrage der F.A.Z. das Zürcher Urteil nicht kommentieren. Es könnte aber die angestrebte gütliche Einigung mit Barlach im Zuge des Sanierungsplans gefährden, wenn dieser nun doch rasch Bargeld benötigte. Gegenüber der F.A.Z. drückte er seine Verärgerung über den nun erteilten Gläubigerschutz aus und nannte das von Suhrkamp eingeleitete Verfahren „rechtsmissbräuchlich“. Da scheint schon die nächste Klage bevorzustehen.

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