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Es ist entschieden : Die Auferstehung der Suhrkamp AG

Die Frankfurter Richterin hatte in ihrer Urteilsbegründung „erhebliche Zweifel an der Plausibilität“ der vorgelegten Überschuldungsbilanz geäußert und folgerte, dass der Gesellschaft durch das Insolvenzverfahren „ein schwerer, nicht wiedergutzumachender Schaden“ drohe. Ulla Unseld-Berkéwicz habe sich gegenüber der Medienholding „grob treuwidrig“ verhalten.

Der Insolvenzplan ist rechtens

Nicht nur das Oberlandesgericht in Frankfurt mochte in der Berufung den Vorwürfen der 9.Kammer für Handelssachen in Frankfurt nicht folgen, auch das Berliner Insolvenzgericht ignorierte den Entscheid. Stattdessen kam es nach Studium des Insolvenzgutachtens zu dem Schluss, dass bei Suhrkamp Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit vorliegen und der Insolvenzplan rechtens ist, auch ohne die Fälligstellung der Gewinnausschüttungen.

Die Berliner Entscheidung ist vor allem deshalb von Belang, weil, wer dieser Tage über Suhrkamp nachdenkt, nicht vergessen darf, dass der Verlag an sich heute gut dastünde und gar nicht in die finanzielle Schieflage hätte geraten müssen - gäbe es nicht den seit Jahren andauernden, zermürbenden Streit der Gesellschafter, den Hans Barlach ein ums andere Mal befeuert hat. Dieser Konflikt hat längst zu einer Lähmung des operativen Geschäfts geführt, was dem Verlag massiv geschadet hat.

Zuletzt konnten wichtige Entscheidungen nicht mehr getroffen werden, weil Hans Barlach Autorenverträge ebenso verhinderte wie die Suche des Verlags nach einer neuen Bleibe in Berlin. Und zwar, obwohl der Berliner Senat zu solch einer Immobilie drei Millionen Euro beisteuern wollte. Wäre dem verbitterten Barlach nicht rasch Einhalt geboten worden, wäre der Verlag an die Wand gefahren.

Barlach verliert auf ganzer Linie

Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte des Suhrkamp Verlags, war sich deshalb sicher, dass Barlachs juristischer Sieg in Frankfurt in der nächsten Instanz aufgehoben werde. Vor allem aber ist der Düsseldorfer Anwalt sich sicher: „Wenn das Verfahren so grob missbräuchlich wäre, wie es der Minderheitsgesellschafter immer behauptet, wenn es also Arbeitnehmern, dem Verlag, den Autoren und den Gläubigern so sehr schaden würde, dann wäre es nur logisch, dass die angeblich so Geschädigten sich melden und beschweren würden. Aber von diesen Gruppen kommt kein Widerstand, sondern nur Bestätigung.“

Barlach verliert auf ganzer Linie. Das höchste Schweizer Gericht hat inzwischen entschieden, dass er dem Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart fünf Millionen Franken plus Zinsen aus dem Verkauf seiner Verlags-Anteile bezahlen muss. Barlach hatte die Zahlung mit dem Argument verweigert, dass er nicht ausreichend über das bestehende Konfliktpotential bei Suhrkamp informiert wurde. Das Handelsgericht sah das anders.

Die Intensität der Auseinandersetzung hat Hans Barlach gleichwohl auf die Spitze getrieben. Womöglich wird er keine Ruhe geben. Auch bei der Gläubigerversammlung nicht, bei der er, als einer unter tausend Gläubigern, zugegen sein wird. Aber die Suhrkamp AG wird jetzt nichts mehr aufhalten. Und wir können uns wieder den Büchern und Romanen zuwenden.

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