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Amerikanische Stimmen zu Suhrkamp : Abschied vom Regenbogen?

Bild: dpa

Die Strahlkraft des Suhrkamp Verlags ist auch im Ausland immer noch groß. Entsprechend besorgt klingen erste amerikanische Stellungnahmen zur sich zuspitzenden Krise.

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          Unter amerikanischen Liebhabern der deutschen Literatur wird mit Sorge beobachtet, dass sich die Krise des Suhrkamp-Verlages weiter zuspitzt. Die Philosophin Seyla Benhabib von der Yale-Universität, Trägerin des Ernst-Bloch-Preises und des Leopold-Lucas-Preises, die bei Suhrkamp Studien über Hannah Arendt und den Multikulturalismus veröffentlichte, sagte gegenüber dieser Zeitung: “Ich bin zutiefst betrübt darüber, dass dem Suhrkamp Verlag womöglich das Ende bevorsteht. Suhrkamp stand für eine Tradition des Ernstes und der Vortrefflichkeit im Denken und Schreiben, die weltweit einmalig war. Für mich wäre die deutsche Öffentlichkeit ohne Suhrkamp ein Waisenkind. Und viele von uns in vielen Teilen der Welt würden ein Verschwinden des Suhrkamp Verlags und seines Regenbogenspektrums wichtiger Bücher als tiefen Verlust empfinden.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Ross Benjamin, der amerikanische Übersetzer von Clemen J. Setz und Kevin Vennemann, der 2011 Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin war, möchte daran glauben, dass die literarische Qualität der jüngsten Programme den Verlag retten wird.

          Gegenüber dieser Zeitung sagte er: “Die Rolle, die Suhrkamp in der Anziehung, Entdeckung und erfolgreichen Förderung neuer literarischer Talente spielt, ist heute so stark wie in den besten Zeiten des Verlags. Wenn ich mit dem Haus zu tun habe, fällt mir außerdem auf, dass es auch ein Magnet für vielversprechende jüngere Lektoren ist. Suhrkamp-Autoren wie Kevin Vennemann, Clemens J. Setz, Anna Kim und Judith Schalansky gehören zu den Schriftstellern ihrer Generation, die ich am meisten bewundere. Mir kommt es absurd vor, dass ich mir eine deutschsprachige Kultur ohne Suhrkamp ausmalen soll. Und wenn es doch dazu kommt, werde ich nicht zu denen gehören, die es vorhergesagt haben: Es scheint einfach unvorstellbar. Ich vermute, dass die meisten deutschen Autoren, von denen Amerikaner schon einmal etwas gehört haben, Suhrkamp-Autoren sind. Die Backlist beginnt ja mit Bernhard, Handke, Brecht, Benjamin und Adorno und geht dann weiter und weiter. Heute hat Suhrkamp kein Monopol auf großartige deutsche Schriftsteller, die man hier in Amerika entdecken sollte, aber der Verlag steht weiter im Zentrum des literarischen Geschehens als Heimat solcher Autoren, für deren Ansehen in der Welt man in Berlin mit ungewöhnlicher Sorgfalt, Treue und Effektivität arbeitet. Im amerikanischen Verlagswesen existiert kein vergleichbares Haus. Ich wünschte, es gäbe eins.“

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