Soziologische Zeitdiagnose :
Das Ganze ist das Unvernünftige

Von Günther Nonnenmacher
Lesezeit: 4 Min.
Eine Gesellschaft im Krisenmodus: Stephan Lessenich stellt sich die Frage, warum und wie die Gesellschaft von Krisen aus ihrer „Normallage“ gekippt wird.
Es braucht halt andere Formen der Vergesellschaftung: Stephan Lessenich gibt Zeitdiagnose im Krisenmodus.

Mit der „Zeitenwende“ hat Olaf Scholz aus Anlass des Ukrainekrieges ein Wort in den politischen Diskurs eingeführt, das in den Sozialwissenschaften seit Jahren ein Thema ist. Es ist verknüpft mit der These, dass die Krisen, die wir derzeit auf vielen Gebieten erleben, miteinander verbunden und nicht Folgen des üblichen „normalen“ Wandels seien, sondern Anfänge einer tiefgreifenden Umwälzung — Vorzeichen eines neuen Zeitalters. Stephan Lessenich, Soziologe und Direktor des traditionsreichen Frankfurter Instituts für Sozialforschung, hat seine Zeitdiagnose unter den Titel „Nicht mehr normal“ gestellt. Er stellt sich die Frage, warum und wie die Gesellschaft von diesen Erschütterungen aus ihrer „Normallage“ gekippt wird. Es steht dahin, ob der Untertitel von der „Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs“ eine valide Diagnose ist — „die Gesellschaft“ ist ja kein leidendes (oder gar handelndes) Subjekt — oder doch eher auf die Unsicherheit von Sozialwissenschaftlern hindeutet, von denen mehr und besserer Rat verlangt wird, als sie geben können.

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