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Stadtbücherei Bad Dürrheim : Bad Wording

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So wie hier im Darmstädter Residenzschloss nach Auszug der Universitätsbibliothek stehen nun auch Regale in der Stadtbücherei Bad Dürrheim leer. Bild: Rainer Wohlfahrt

In Bad Dürrheim wurden fast die Hälfte der Regale in der Stadtbücherei leergeräumt. Aber nicht von gelangweilten Lesern auf der Suche nach Lektüre: Die Bücher wurden quasi aus Altersgründen entlassen.

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          Nachrichten aus Bad Dürrheim, einem bei Donaueschingen gelegenen Städtchen, schaffen es normalerweise nicht unbedingt in die überregionale Berichterstattung. Und auch diesmal nur wegen eines zeitgemäßen, ja zeittypischen Schildbürgerstreichs, den allerdings nicht die Stadt und die dortige Bücherei (denn um diese geht es) zu verantworten haben, sondern das Regierungspräsidium und genauer eine von diesem beauftragte Christina Kälberer. Dem „Südkurier“ entnehmen wir die Einzelheiten. 3200 Bände wurden aus der Bibliothek entfernt, vierzig Prozent des Gesamtbestandes. Ausgemustert wurde „nicht nach gut Dünken“ (sic!), wie Frau Kälberer dem „Südkurier“ mitteilte.

          Nun kommen wir der Sache schon näher. Im Fall der ausgesonderten Kinder- und Jugendliteratur weist Frau Kälberer darauf hin, dass einige Bücher in alter Rechtschreibung verfasst seien, „wobei die richtige Schreibweise gerade für Kinder wichtig ist“. Außerdem sei das sogenannte Wording, also die Formulierung, in einigen Büchern nicht zeitgemäß. Christina Kälberer nennt etwa das Wort „Neger“, das noch „in Klassikern“ vorkomme. Sehr richtig, hoffentlich hat man die Schriften von Immanuel Kant dabei nicht übersehen!

          Gerüchte über Bücherverbrennung

          Die Leiterin der Bücherei gibt an, die Aktion habe just an ihrem ersten Urlaubstag stattgefunden und sich von Seiten des Regierungspräsidiums nicht verschieben lassen. Sie habe die Bücherei aufgeschlossen und Hilfe angeboten, sei aber weggeschickt worden. Das Bad Dürrheimer Hauptamt, das die Aktion genehmigte, will nun doch die Einzelheiten „kritisch hinterfragen“, um die „weitere Überprüfung in Abstimmung mit der Fachberatung ohne Zeitdruck im Wesentlichen im Rahmen des laufenden Betriebs kontinuierlich durchzuführen“.

          Entschieden dementieren müssen wir aber unsererseits die durch interessierte Kreise verbreitete Greuelmeldung, die Bücher (darunter solche von Erich Kästner, die gleich mit ausgemustert wurden) seien verbrannt worden. Vielmehr ist richtig, was Markus Stein, Leiter des Hauptamtes, zu Protokoll gab: Aufklären, was aus den Büchern wurde, könne auch er nicht. Wir geben zurück ins Studio der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

          Lorenz Jäger
          Freier Autor im Feuilleton.

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