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SS-Vergangenheit : Erwin Strittmatters unbekannter Krieg

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Ungeachtet der realen militärischen Lage, wurde die Aufstellung eines „Polizei-Gebirgs-Jäger-Regiments“ für den Kaukasus mit Befehlssitz Tiflis befohlen. SS-Obersturmbannführer Franz fasste dazu das Bataillon 325 mit zwei anderen Polizei-Bataillonen im Raum Garmisch-Partenkirchen zum Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 zusammen. Strittmatters Formation stellte künftig dessen III. Bataillon. Mitte Juni 1942 war das Regiment einsatzbereit, der Kaukasus allerdings nicht in deutscher Hand. Für die „Zwischenzeit“ fand das Regiment „besondere Verwendung“. Himmler hatte befohlen: „Die Bandentätigkeit in Oberkrain und Untersteiermark wird in den nächsten Wochen grundsätzlich bereinigt“ und löste die Aktion „Enzian“ aus. Die Truppe trat in Slowenien an. Der dreimonatige Einsatz begann am 25. Juli 1942 im Raum Krainburg. Der Historiker Ralph Klein hielt in seinem Aufsatz „Das Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18: Massaker, Deportation, Traditionspflege“ (Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1/2007) fest: „Das III. Bataillon ging gemeinsam mit anderen Einheiten gegen vermeintliche oder tatsächliche Partisanen vor. Angeblich sollen lediglich ein Bandit erschossen und mehrere festgenommen worden sein. Nach jugoslawischen Angaben aber wurde der Ort Bistrica pri Kranju an diesem Tag vollständig niedergebrannt, alle männlichen Bewohner wurden erschossen. In den folgenden Wochen führte das Regiment in der Oberkrain einen grausamen ,Partisanenkrieg'.“ Der Regimentschef, SS-Obersturmbannführer Franz, hielt in seinem Erinnerungswerk „Gebirgsjäger der Polizei“ fest: „Für das Regiment bedeutete das eine willkommene Gelegenheit, seine Einsatzfähigkeit einer Bewährungsprobe zu unterziehen.“

Im Herbst 1942 marschierte die Wehrmacht in den Kessel von Stalingrad. Die Polizei-Gebirgs-Jäger kamen im Dezember 1942 statt in den Kaukasus nach Finnland. Wenige Monate später war der Einsatz in Griechenland dringlicher. Er galt der „Entwaffnung“ der 11. Italienischen Armee beim sich abzeichnenden Ausscheiden des Verbündeten aus dem Krieg und der „Befriedung des Landes“ im Kampf „gegen kommunistische Partisanenverbände“. Das Regiment brachte im August 1943 eine Auszeichnung Himmlers nach Griechenland mit. Der Reichsführer SS hatte am 24. Februar 1943 angeordnet: „Die deutschen Polizeiregimenter führen vom heutigen Tage an in Anerkennung ihres besonders tapferen und erfolgreichen Einsatzes die Bezeichnung SS-Polizeiregiment.“ Organisatorisch blieben die Polizeiregimenter bei der „Ordnungspolizei“. Das III. Bataillon nahm im September an „Säuberungsaktionen“ der Division „Brandenburg“ gegen Partisanen teil, um dann die auf der Insel Euböa und den Kykladen stationierten italienischen Truppen zu entwaffnen. Der Bataillonsschreiber des III., Strittmatter, gelangte auf die Insel Naxos über eine Zwischenstation. Die hieß Andros.

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