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SS-Vergangenheit : Erwin Strittmatters unbekannter Krieg

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Als es im Mai 1959 um Strittmatters „Einsatz als 1. Sekretär des Schriftstellerverbandes“ geht, hat sie nachgefragt und ein Dossier für das Sekretariat des ZK der SED erstellt. Politisch haben der Kulturbeauftragte des Politbüros, Alfred Kurella, die Abteilungen Kultur und Kaderfragen des ZK, keine Bedenken. Einen anderen Punkt hat für sie ein Fragebogenzusatz geklärt: „Zur Frage seiner Militärdienstzeit hat er einen Nachtrag geschrieben. Wir sind der Meinung, dass damit die Unklarheiten in den fraglichen Punkten beseitigt wurden und seiner Bestätigung als 1. Sekretär des Schriftstellerverbandes nichts mehr im Wege steht.“

Strittmatter hat eine Militärbiographie geschrieben, die an die Seite der „Sieger der Geschichte“ führt. In einem solchen Fall möchte sie die Einzelheiten oft nicht allzu genau kennen.

Den Fragebogen beginnt Strittmatter mit einer kleinen, aber wichtigen Manipulation. Er ist im April 1941 zur „Schutzpolizei“ und nicht, wie in Wirklichkeit, zur „Ordnungspolizei“ einberufen worden. Nach seinen Angaben: Spätherbst 1941 Objektbewachung in „Oberkrain“. Ausbildung in Reutte (Tirol) zum Polizei-Gebirgsjäger. 1942 Hinterland der Karelischen Front. Sommer 1943 nach Griechenland. „Wir hatten die Cykladen-Inseln, die bisher von kleinen italienischen Einheiten besetzt waren, zu besetzen.“ Der Soldat ist auf Naxos. „Im Hochsommer 1944 wurden wir von der Cykladen-Insel abgezogen und sollten zum Hochgebirgseinsatz auf den Peloponnes.“ „Stets“ Schreiber im Bataillonsstab. Später wegen „guter“ Kriegstagebuchführung bei der Film- und Bildstelle der Ordnungspolizei. „Ich habe trotz meiner Zugehörigkeit zur Schutzpolizei, außer bei der Ausbildung auf dem Schießstand, nie eine Gewehr- oder Pistolenkugel abgeschossen. Das gehörte zu meinem individualistischen Programm, wenn ich so sagen darf. Es gelang mir auch, es einzuhalten.“ Den Vorstellungen der Partei ist Genüge getan. Der Tatsache, dass gegen die Übermacht des Krieges keine Ideologie hilft, weniger. Davon reden die weißen Stellen in der Militärbiographie und die verschwiegene Einsatzgeschichte des Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18.

Die Ordnungspolizei, zu der Strittmatter in seinem wirklichen Krieg einberufen wurde, gehörte, seit Hitler 1936 das Amt des „Reichsführers SS“ mit dem neu geschaffenen des „Chefs der Deutschen Polizei“ vereint hatte, zum Machtbereich Himmlers. Himmler betrieb im Krieg die zunehmende Verschmelzung von SS und „OrPo“. Die oberen Dienstgrade der „OrPo2“ erklommen SS-Ränge. Den Rekruten des Bataillons 325 der Ordnungspolizei, Strittmatter, erfasste am 15. April 1941 ein SS-Untersturmführer auf zwei Karteikarten nach „rassischen“ Gesichtspunkten wie „Hautfarbe, Schädelform, Mongolenfalte, Nasenform, Schlitzaugen, vorspringende Backenknochen“. Auf das Bataillon 325 wartete Anfang 1942 eine besondere Aufgabe.

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