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Simenon-Staffel 3 : Das Haus am Kanal

Bild: Verlag

Außer seinen 75 Maigret-Romanen hat Georges Simenon auch 140 andere geschrieben, in denen der Kommissar keine Rolle spielt. 50 von ihnen erscheinen nun in revidierter Übersetzung. Tilman Spreckelsen liest mit.

          „She was a rare thing / fine as a bee's wing / So fine, that I might crush her where she lay“, erinnert sich Richard Thompson in seinem Sommerstück „Beeswing“ an eine verlorene Geliebte. Georges Simenons Roman „Das Haus am Kanal“ spielt vorwiegend im Winter, jedenfalls sind die kalten und nebligen Momente die, an die man sich erinnert. Fein aber und sehr fremd ist auch hier das Mädchen, das in die Bauernwirtschaft ihrer Verwandten so plötzlich hereingeschneit kommt und inmitten der allgemeinen Erosion das ihre tut, um die Dinge zu verwirren. Das Ende des Romans trägt dann auch völlig andere Farben als Thompsons sanft melancholische Reminiszenz.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Geschrieben: 1932, in Marsilly bei La Rochelle (auf dem Gut La Richardière).

          Die Handlung in einem Satz: Das sechzehnjährige Waisenmädchen Edmée kommt aus Brüssel zu ihren Verwandten in die Limburger Provinz, verbringt viel Zeit mit dem einen Bruder, heiratet den anderen und wird nicht alt.

          Spielt in: Neeroeteren, einem Dorf in der belgischen Provinz Limburg.

          Momente des Glücks: Beim Eichhörnchenjagen. Seltsam, aber da finden sich die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

          Familienbande: Weil man verwandt ist, wird man zusammengewürfelt, auch wenn man sich eigentlich nichts zu sagen hat. Oder aber man stirbt als dreizehntes Kind einer bedürftigen Familie, und keiner scheint einen zu vermissen.

          Konsum geistiger Getränke: Genever noch und noch. Dass der Hoferbe Fred ausbrechen will und im nahen Städtchen habituell Sherry trinkt, bekommt ihm schlecht.

          Wiesen und Wasser

          Was für ein grausiges Buch, was für eine unheimliche Atmosphäre, was für ein Schicksal, das sich wie in einem Schwarzweißfilm mit seltenen artifiziellen Farbtupfern vor uns entwickelt. Natürlich ist vieles davon sichtlich geplant - der Gegensatz zwischen der feinen Edmée und ihren groben Verwandten, das Mädchen an der Schwelle zur Frau, das seine Macht über ihre Umwelt ausspielt und dergleichen mehr -, nur dass die merkliche Absicht beim Lesen an keiner Stelle verstimmt. Hat Simenon je derart eindringliche Bilder entworfen wie das tote Kind, das die schuldigen Schlittschuhläufer so verstört, oder das hölzerne Bauernhaus am Kanal im ewigen Nebel? Darin jedenfalls schwelgt der Roman, und wenn manche seiner Protagonisten allzu schematisch wirken, weil jeder von ihnen wiederum seine notwendige Funktion in einem fest umrissenen Zirkel ausfüllt, dann macht das Ensemble aus Himmel, Wasserstraße und Wiesen das allemal wett.

          Lieblingssatz: „Draußen überall erstarrtes Weiß, mondhaft schimmerndes Weiß, nur unterbrochen von den schwarzen Striemen der Pappeln und irgendwo unter dem Eis der rote Fleck eines Kindermützchens.“

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