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Shortlist zum Deutschen Buchpreis : Drei zu drei für Suhrkamp

Auf der Shortlist: Stephan Thome, Clemens Setz, Ulf Erdmann Ziegler, Ursula Krechel, Ernst Augustin und Wolfgang Herrndorf Bild: dpa

Die Jury hat die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises bekanntgegeben: Autoren des Suhrkamp Verlags nehmen drei der sechs Plätze ein. Dass auch der bereits ausgezeichnete Wolfgang Herrndorf gewählt wurde, ist gut.

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          Gleich drei faustdicke Überraschungen sind der Jury das diesjährigen Deutschen Buchpreises bei der Nominierung ihrer Shortlist geglückt, und zwei davon resultieren daraus, dass man ihr den entsprechenden Mut nicht zugetraut hätte. In der vor vier Wochen bekanntgegebenen Longlist für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres wurde gleich ein Viertel der zwanzig Plätze von Suhrkamp-Autoren belegt - eine in der achtjährigen Geschichte der höchst erfolgreichen Auszeichnung nie zuvor dagewesene Konzentration auf einen Verlag. Und nun ist diese Quote noch übertroffen worden, denn auf den sechs Kandidatenplätzen der Shortlist findet man immer noch drei Titel des Berliner Hauses.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Da stellt sich als spannendste Frage, wer denn von Suhrkamp nicht mehr dabei ist. Bernd Cailloux mit seinem im Frühjahr erschienenen Roman „Gutgeschriebene Verluste“ fiel ebenso durchs Raster wie Rainald Goetz mit „Johann Holtrop“. In Gesellschaft so hoch gehandelter Titel wie Jenny Erpenbecks „Aller Tage Abend“ oder Bodo Kirchhoffs „Die Liebe in großen Zügen“ mag dieses Scheitern zu verschmerzen sein, und der Verlag bleibt ja mit dem Rest im Rennen: mit Stephan Thomes Roman „Fliehkräfte“, mit „Indigo“ von Clemens Setz und Ulf Erdmann Zieglers „Nichts Weißes“. Mit den ersten beiden Büchern war zu rechnen; an ihnen führt in diesem Jahr kein Weg vorbei.

          Ungeachtet taktischer Erwägungen

          Genauso wenig wie an Ursula Krechels „Landgericht“ (erschienen bei Jung und Jung), der auf der Shortlist das Favoritentrio abrundet. Ziegler dürfte ebenso wie Ernst Augustin, der mit seinem schon im Frühjahr erschienenen Roman „Robinsons blaues Haus“ (C.H. Beck) höchst überraschend dabeigeblieben ist, nur Außenseiterchancen besitzen. Beide haben in ihren jeweiligen Genres - dem spekulativ-phantastischen im Falle Augustins und dem psychologisch-realistischen bei Ziegler - mit Setz und Thome übermächtige Konkurrenz, während Ursula Krechels Buch in seiner akribischen Rekonstruktion eines deutschen jüdischen Lebens der Nachkriegszeit eine eigene Kategorie bildet.

          Was aber ist die größte Überraschung der Longlist, für die der meiste Mut nötig war, mehr als für die Suhrkamp-Dominanz und die Auswahl des Augustinschen Alterswerks? Das ist der letzte Platz der Shortlist. Er geht an Wolfgang Herrndorfs „Sand“ (Rowohlt Berlin), ein Buch, dessen Nominierung gleich doppelt unwahrscheinlich schien, weil es bereits im Herbst 2011 erschienen ist und im Frühjahr den Konkurrenzpreis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat. Die Entscheidung, es weiter im Rennen zu halten, spricht für die Kompromisslosigkeit der Jury in ihrem Anspruch, den besten Roman seit der letzten Preisverleihung auszuzeichnen - ungeachtet taktischer Erwägungen. Das tut dem Buchpreis gut.

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