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Mit vierzehn Jahren besaß der englische Schriftsteller und Entertainer Stephen Fry schon vierzig Krawatten. Bild: AFP

Schriftsteller und Mode : Das Buch zur Krawatte und andere letzte Hemden

Erst bracht der japanische Bestseller-Autor Haruki Murakami ein Buch über seine T-Shirts heraus, jetzt zieht der Engländer Stephen Fry mit einem Buch über Krawatten nach. Offenbar brauchen die beiden das. Aber wer braucht das sonst?

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          Mit vierzehn Jahren besaß der englische Schriftsteller Stephen Fry vierzig Krawatten. Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami besitzt heute so viele T-Shirts, dass er an jedem Tag des Jahres ein anderes tragen könnte. Beide Männer haben aus ihren Klamotten jetzt Bücher gemacht. Das eine, „Murakami T“ (Dumont, 24 Euro), begann als Artikelserie, die Murakami für das japanische Modemagazin „Popeye“ geschrieben hat.

          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das andere, „Fry’s Ties“ (Penguin, 14 Pfund), im ersten Corona-Lockdown, als Fry seine Krawattensammlung (aus den vierzig müssen Hunderte geworden sein) auf Instagram inventarisierte: Wenn er zwischen März und Juni 2020 nicht täglich Fotos seiner Krawatten postete, dann von selbst gebackenen Broten.

          Man muss diesen Schriftsteller, Komiker, Schauspieler, Moderator und Harry-Potter-Vorleser sehr lieben (und kann das auch), um dieses Projekt nicht maximal monomanisch zu finden. Fry tut ja sogar selbst so, als würde er es tun.

          Aber, wie Murakami auf der zweiten Seite seines T-Shirt-Buchs festhält: „Offenbar braucht man eine Sache nur über längere Zeit zu betreiben, und schon lässt sich ein Buch daraus machen. Ganz erstaunlich.“ Das ist der Murakami-Ton ausgehärteter Naivität, und auch hier hilft es wahrscheinlich, Fan zu sein, um sich an den Surfer-Shirts aus Murakamis Lager (er hat ein T-Shirt-Lager) zu erfreuen, den Shirts von Bands, Tieren, Firmen oder Plattenläden – wie jenes, das Murakami auf dem Foto auf dieser Seite trägt.

          Fragen Sie aber jetzt bitte nicht, was es mit all den Symbolen und Tieren auf sich hat, denn Murakami fragt sich das auch. Ständig fragt er sich was. Wie es dem Surfer Dick Brewer wohl heute geht? Ob die Leute von Hanalei immer noch bei Sonnenuntergang am Strand Ukulele spielen? Wie alt Bruce Springsteen ist?

          „T-Shirt 64 stellt, glaube ich, Iron Man dar. Ganz sicher bin ich mir nicht, denn das Gesicht ist grafisch verformt. Auf dem Etikett steht ‚Marvel Comics‘, also handelt es sich wahrscheinlich um eine Figur dieser Firma. Sollte jemand etwas wissen, bitte ich um Aufklärung.“

          Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami hat ein ganzes Lager für seine T-Shirts.
          Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami hat ein ganzes Lager für seine T-Shirts. : Bild: AKG

          Erst will man Murakami einen Internetzugang schenken, dann merkt man, dass es eine Technik zur Selbstüberhöhung ist: Eine verwehte Frage ins Nirgendwo zu stellen, die umso gewichtiger wirkt, je berühmter der Schriftsteller ist, der sie stellt – als würde automatisch eine Sinnfrage daraus, Ewigkeit und letzte Dinge, als müsste man mit darüber nachsinnen, wie alt Bruce Springsteen ist, statt es zu googeln.

          Wie berühmt Haruki Murakami (geboren 1949) ist, merkt man an dieser Pose, aber auch daran, dass es T-Shirts gibt, auf die sein Name gedruckt ist. Murakami hat eines davon mit ins Buch aufgenommen. Auch wenn er es, behauptet er, gar nicht trägt.

          Stephen Fry trägt manche seiner Krawatten auch nicht. Und redet genauso gern über sich, diesen Stephen Fry, es sind sogar die letzten beiden Worte seines Krawattenbuchs. Fry stellt keine Fragen, im Gegenteil erzählt er davon, wie er mit Googeln bei der Modemarke Blazer auch nicht weiterkam, sein Krawattenbuch kommt etwas ambitionierter daher, inklusive Anleitung zum Binden.

          Vielleicht ist das aber auch nur Restscham, sublimiert durch Recherche. Anderthalb Erkenntnisse gibt es: dass es sich bei Krawatten (Fry hat herrliche von Lacroix und hässliche von Paul Smith) um „Miniaturtheater“ handelt – und sie zu den wenigen Kleidungsstücken gehören, die man nicht anprobieren muss. Weswegen sie auch gut altern. Aber Alter, was für Bücher.

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