https://www.faz.net/-gqz-vz7c

Schriftsteller : Genie der Vielseitigkeit

Eigensinnig: Quim Monzó Bild: F.A.Z.-Frank Röth

Quim Monzó ist wohl der populärste „Intellektuelle“ Kataloniens. Am morgigen Dienstag eröffnet er mit seinem Vortrag die Frankfurter Buchmesse. Ein Porträt von Paul Ingendaay.

          1 Min.

          Eine seiner Geschichten handelt von einem katalanischen Dichter, der sich vom Schneider jedes Jahr den Frack neu anpassen lässt, um für den Augenblick vorbereitet zu sein, da man ihm den Nobelpreis für Literatur verleiht. Jener Dichter ist ein so zartes, ängstliches Geschöpf, dass er Menschen meidet und in mehreren Jahren nur ein einziges Gedicht zustandebringt.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Seinen Autor, den 1952 in Barcelona geborenen Schriftsteller Quim Monzó, darf man als das Gegenteil bezeichnen, nämlich als Genie der Vielseitigkeit, denn er war Grafikdesigner, Comiczeichner, Kriegsberichterstatter, Drehbuchautor, Übersetzer, Radiokommentator, und auf deutsch kann man ihn in dem furiosen Band „Hundert Geschichten“ kennenlernen, in dem die Frankfurter Verlagsanstalt seine Kurzprosa zusammenfasst.

          Eigenständige Tradition

          Monzó, der seine Bücher auf katalanisch schreibt, journalistisch aber in beiden Sprachen arbeitet, ist heute wohl der populärste „Intellektuelle“ Kataloniens - in Anführungszeichen, weil er selbst das Wort kaum benutzen würde. Fragen, was es denn mit dem katalanischen Eigensinn auf sich habe, beantwortet er gern mit Gegenfragen. Wer denn eigentlich definiere, was Nationalismus sei? In wessen Interesse? Und ob es in dieser Sache überhaupt einen objektiven Standpunkt gebe? Man darf annehmen, dass Quim Monzó darauf zurückkommt, wenn er am morgigen Dienstag mit seinem Vortrag die Frankfurter Buchmesse eröffnet.

          Nach dem großen Sprachenstreit - ob nur auf katalanisch oder nicht auch auf spanisch schreibende Autoren Kataloniens die „Gastkultur“ vertreten sollten - reißen Nachrichten zu diesem Thema nicht ab. Kürzlich wurde der Schriftstellerin Cristina Peri Rossi nach zwei Jahren Mitarbeit im Nachtprogramm von Catalunya Ràdio gekündigt, weil sie spanisch sprach, während sich ihre Gesprächspartner des Katalanischen bedienten. Zwei Jahre hat das funktioniert - plötzlich soll es anstößig, unerwünscht, verboten sein?

          Man muss die bornierten politischen Maßnahmen eines institutionalisierten Sprachnationalismus von dem trennen, worum es Quim Monzó und seinen Kollegen in Frankfurt gehen wird: um die Präsentation einer literarischen Sprache, die eine eigenständige Tradition herausgebildet hat und eine gesonderte Würdigung verdient. Schriftsteller sind keine Politiker. Die eigene Sprache ist der Kern ihrer künstlerischen Existenz. Deshalb sind viele katalanische Autoren dankbar dafür, sich auf katalanisch vorstellen zu können. Zumindest diesen Punkt müssten die Spanier, ihrerseits große Experten in der Propagierung ihrer Sprache, verstehen können.

          Weitere Themen

          Geschlossene Gesellschaft

          Roman „Ein Wintermahl“ : Geschlossene Gesellschaft

          Drei Wehrmachtssoldaten wollen der Hölle des Zweiten Weltkriegs entkommen, aber diese ist ein geschlossener Raum: In Hubert Mingarellis Roman „Ein Wintermahl“ bleibt keiner unschuldig.

          Ein Initiator der Moderne

          Maler Frédéric Bazille : Ein Initiator der Moderne

          Kaum hatte er seinen Vater von seinem Weg überzeugt, zerstörte der deutsch-französische Krieg eine vielversprechende Karriere: Vor hundertfünfzig Jahren fiel der Maler Frédéric Bazille auf dem Schlachtfeld.

          Topmeldungen

          Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

          AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

          Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.
          Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

          Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

          Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.