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Sandra Kegel : Brueghel-Szene: Vaclav Vorliceks „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

  • Aktualisiert am

Bei Vorlicek hat Aschenbrödel die Nase vorn Bild: Icestorm Entertainment

In den siebziger Jahren waren sie die Rettung: die Märchenfilme aus der Tschechoslowakei. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ verzauberte uns mit surrealer Phantasie und traumschönen Bildern einer winterlichen Brueghel-Szenerie.

          Wer in den siebziger Jahren in Deutschland Kind war, konnte sich vor dem Zeitgeist reformwütiger Jugendbücher retten mit Märchen aus dem neunzehnten Jahrhundert - oder mit „pohadkas“, den Märchenfilmen aus der Tschechoslowakei. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ aus dem Jahr 1973 ist solch ein Fernsehmärchen, das uns mit seiner surrealen Phantasie und den traumschönen Bildern einer winterlichen Brueghel-Szenerie verzauberte.

          Die Faszination des Films von Vaclav Vorlicek, der allein am vorigen Weihnachtsfest dreizehnmal in deutschen Fernsehsendern lief, läßt sich dabei nicht allein mit der Beliebtheit osteuropäischer Märchenfilme erklären. Es ist vor allem Aschenbrödel, das von Libuse Safrankova himmlisch verkörperte Renaissance-Mädchen, das dem Film seinen Glanz verleiht. Dieses Aschenbrödel ist alles andere als die tschechische Seelenverwandte des langweiligen Aschenputtels der Brüder Grimm; das einzige, was die beiden Märchenmägde teilen, ist das Schicksal einer bösen Stiefmutter.

          Dieser Prinz taugt nicht zum Erlösen

          Während Aschenputtel bloß Opfer ist, das sich selbst nicht zu helfen weiß und erst durch einen Prinzen erlöst werden kann, ist Safrankovas Aschenbrödel nicht nur anmutig, sondern zugleich selbstbewußt, geistreich und äußerst aktiv. Sie geht reiten, ist eine famose Schützin, und auch von der Erscheinung des Prinzen läßt sie sich zunächst nicht beeindrucken, sondern schießt ihm statt dessen den Vogel vor der Nase ab. Erst allmählich findet Aschenbrödel Gefallen an dem Edelmann, prüft ihn dann aber erst, um zu sehen, ob er den Herzenseinsatz wert ist.

          Zu diesem Aschenbrödel paßt freilich kein Prinz in Gala-Uniform wie bei den Grimms; hier ist er ein eigensinniger, manchmal linkischer junger Mann, der die Enge des höfischen Lebens so oft flieht wie Aschenbrödel die Stiefmama. Dieser Prinz ist keiner, der zum Erlösen taugt. Eher zum gemeinsamen Ritt durch verschneite Landschaften - aber natürlich der großen Liebe entgegen.

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