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Samuel P. Huntington : Das Gespenst der Immigration

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Sorgt sich um Amerika: Samuel P. Huntington Bild: F.A.Z.-Foto Christian Thiel

Der Kampf der Kulturen geht weiter: In seinem Buch warnt Samuel P. Huntington vor den Gefahren der stetig wachsenden Einwanderung aus Lateinamerika in die Vereinigten Staaten. Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler.

          6 Min.

          Seit seiner These vom „Clash of Civilizations“ gilt Samuel P. Huntington als Kassandra der Politikwissenschaft. Auch mit seinem Buch „Who Are We? Die Krise der amerikanischen Identität“ beweist der 78jährige Professor aus Harvard sein Talent für die Dramatisierung offensichtlicher Probleme. Der Kampf der Kulturen hat darin einen neuen Schauplatz gefunden, das amerikanische homeland, und die Gefahr kommt gleich aus dem Nachbarland: Das enorme Ausmaß der hispanischen Einwanderung, so Huntington, gefährde die amerikanische Identität.

          Spätestens 2010, so die Prognose, wird jeder zweite Einwohner von Los Angeles lateinamerikanischer Herkunft sein, 2050 werden die weißen US-Bürger nicht mehr die Mehrheit bilden. Kann man den amerikanischen Traum nur auf englisch träumen? Und muß auch Europa Angst vor einer neuen Art von Kulturkampf haben, einer Zersetzung seiner Identität von innen? Wir trafen den Nachfahren von Simon und Margaret Huntington, die 1633, dreizehn Jahre nach der „Mayflower“, nach Amerika kamen, am Rande eines Vortrags der Stiftung Neuhardenberg.

          In Ihrem neuen Buch „Who Are We?“ sehen Sie die amerikanische Identität in Gefahr, vor allem durch die starke Einwanderungswelle aus Lateinamerika. Bisher galten die Vereinigten Staaten immer als Vorbild, wenn es um die Eingliederung von Migranten in die Gesellschaft ging. Warum trauen Sie den integrativen Kräften nicht mehr?

          Weil sich die amerikanische Gesellschaft und die Werte verändert haben. All diese multikulturellen Ideen propagieren eher Vielfalt als Einheit. Wir legen keinen Wert mehr auf die Integration von Einwanderern. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es überall Einwandererbehörden. Sie hießen sogar „Americanization Bureaus“. Es gab sorgfältig ausgearbeitete Programme, manchmal mit Zwangscharakter, in denen man die Immigranten in amerikanischen Werten und Kultur unterrichtete. Heute gibt es so etwas kaum noch. Außerdem ist es eine andere Art der Einwanderung. Zum ersten Mal kommen riesige Mengen von Einwanderern aus einem Nachbarland über einen flachen Fluß zu uns.

          Wieviel Integration - Sie reden sogar von Assimilierung - halten Sie denn für notwendig?

          Das läßt sich sicherlich nicht messen. Aber das Ausmaß, die starke hispanische Prägung, die Konzentration in den Staaten des Südwestens - all das macht die Assimilierung schwierig. Es birgt das Risiko einer populistischen Gegenreaktion, vor allem wegen der Gefahr, daß Spanisch die zweite Landessprache der Vereinigten Staaten wird. Wir hatten noch nie zwei Landessprachen. Das bedeutet, daß Arbeitgeber zweisprachige Bewerber bevorzugen werden - aber wer wird zweisprachig sein? Natürlich die Immigranten und ihre Kinder. Die nichthispanischen Weißen sagen sich dann natürlich: Warum sollten wir uns ihrer Kultur anpassen und Spanisch lernen, um gleiche Chancen auf einen Job oder eine Beförderung zu haben?

          Waren nicht all die Ängste, die Sie ansprechen, schon immer eine Begleiterscheinung von Immigration?

          Ja, sicher. In den beiden großen Einwanderungswellen der Vergangenheit hatten die Menschen vor allem wirtschaftliche Bedenken. Aber die erste Einwanderungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts wurde infolge des Bürgerkriegs sehr plötzlich gestoppt - genauso wie die zweite Welle infolge des Ersten Weltkriegs. Ein Ende der aktuellen Welle ist nicht in Sicht.

          Sprache ist nur einer der Bestandteile des, wie Sie es nennen, „anglo-protestantischen Kerns“ der amerikanischen Identität. Dazu gehören auch das Christentum und die protestantische Arbeitsethik. Welche dieser Werte sind denn von der hispanischen Einwanderung noch bedroht?

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