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Sachbuch-Bestseller : Deutschland, einig Gaunerland

  • -Aktualisiert am

Ein Clan hält das Land in der Hand, meinen Jürgen Roth und Albrecht Müller Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ganz Deutschland freut sich: Die Parteien sind einig, die Nationalmannschaft bekommt kaum noch Gegentore, die Fahnen flattern. Nur auf den Sachbuch-Bestsellerlisten halten sich zwei Titel, die die Fahnen-Euphorie gehörig drosseln.

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          Von wegen alles schwarzrotgoldene Leichtigkeit: Die „Du bist Deutschland“- Kampagne, die große Koalition, die Fifa-Weltmeisterschaft alias Deutschland-Party - das war der Dreischritt zum Sommer unseres Vergnügens. Die Parteien sind einig, die Fahnen flattern, die Stimmung pendelt zwischen hedonistischem Anarchismus und fröhlicher Resignation. Die beiden rhetorischen Figuren des „Wir alle“ und „Jeder einzelne“, Plural und Singular des Deutschen, haben den öffentlichen Diskurs fest im Griff: Jeder einzelne und wir alle müssen jetzt im Glanze dieses Glückes blühen.

          Ganz Deutschland? Nein. Auf den Sachbuch-Bestsellerlisten halten sich zwei Titel, die in allen Punkten dermaßen der verschriebenen guten Laune entgegenstreben, daß es ein Wunder ist, daß sie überhaupt verlegt, geschweige denn so massenhaft gekauft werden: Jürgen Roths „Der Deutschland-Clan“ und Albrecht Müllers „Machtwahn“.

          Eine furiose Reise

          Es sind schwere Bücher mit schwarzem oder dramatisch schwarzrotgoldenem Cover, mit alarmistischem Klappentext, Bücher von viktorianischer Anmutung, eine schwarze Lektüre zur Dämmerung, die man mit einem Brandy zu sich nimmt. Der Duktus beider Bücher ist ähnlich, aber das Genre differiert leicht: Jürgen Roth ist der Kriminalist, Müller eher der hegelianische Gesamtrebell.

          Schwarze Lektüre zur Dämmerung
          Schwarze Lektüre zur Dämmerung : Bild: Verlag

          Roths „Deutschland-Clan“ verspricht in Vorwort und Klappentext, die Strukturen und Verbindungen eines real existierenden, soziologisch nachweisbaren Clans, der das Land in den Händen hält, nachzuzeichnen. Doch das vergessen Autor und Leser schnell, denn es geht auf eine furiose Reise: Wir sind in Augsburg beim Prozeß gegen den ehemaligen Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls. Schon die Sache: ein Hammer, oder? Dann aber hat sich der Richter nach dem Urteilsspruch vor Pfahls auch noch verbeugt. Roth empört das, aber es erstaunt ihn nicht, denn Müntefering hatte die Hedge-Fonds ja auch erst zugelassen, bevor er sie zu Heuschrecken ernannte.

          Der Pate von Meck-Pom

          Der Leser stockt und schluckt, aber Roth fährt fort, zur Zwick-Affäre über Werner Müller zu Laurenz Meyer. Bald sind wir in den Lüften, an Bord einer Privatmaschine der West-LB. Steuern tut die Maschine unser späterer Kronzeuge, der vielleicht, oder doch eher nicht, große Mengen Kokain vertickt hat, aber zwischendrin flog er auch Prostituierte mit „hochrangigen“ Politikern, Managern und so. Roth ringt um Fassung und dann mit der Lesbarkeit, wenn er die Details der Verfahren um die West-LB-Skandale darstellen muß. Egal, man hat ja schon kapiert: Koks und Callgirls auf Kosten des kleinen Mannes - ein dickes Ding.

          Aber wer sich darüber empört, hat die ganze Dimension des Elends nicht umrissen und wird deshalb mitgenommen nach Mecklenburg-Vorpommern, zu einem angeblich allmächtigen Unterweltspaten, der dort zwei Cafes betreibt. Roth trifft sich mit ihm, findet ihn ganz sympathisch. Später nimmt die Polizei den Paten hops. War er vielleicht doch gar nicht so allmächtig? Egal, die ganz großen Dinger werden ja eh woanders gedreht, in Bukarest beispielsweise. Bodo Hombach hat da Geschäfte gemacht. Und wo war der früher? Richtig, auf dem Balkan. Stichwort Kosovo, albanische Mafia.

          Stasi, Schröder, KGB

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