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Romantikmuseum in Frankfurt : Eine glückliche Konstellation

2009 im Kaisersaal im Frankfurter Römer: Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, mit der Oberbürgermeisterin Petra Roth Bild: Marcus Kaufhold

Weil das Land Hessen sich finanziell nicht hatte beteiligen wollen, schien der kühne Traum, neben dem Frankfurter Goethe-Museum ein Museum der Romantik zu bauen, bereits begraben. Jetzt wird alles gut.

          Die Konstellation war glücklich, schrieb Goethe über seinen Geburtstag am 28. August 1749 im Frankfurter Großen Hirschgraben: „Die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau und kulminierte für den Tag.“ Nun ist am selben Ort abermals eine Geburtsstunde zu feiern. Der langgehegte Wunsch, an diesem besonderen Schauplatz ein Museum der Romantik zu errichten, ist jetzt nicht mehr nur Illusion, sondern politischer Wille. Stadt, Land und Bund wollen gemeinsam die Chance nutzen, hier eine der wichtigsten Epochen der deutschen und europäischen Kultur museal zu präsentieren, hieß es an diesem Freitag in einer Stellungnahme der Oberbürgermeisterin Petra Roth.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei schien das kühne Projekt, Frankfurt zum internationalen Zentrum der Romantik zu machen, bereits begraben, nachdem der hessische Ministerpräsident zunächst eine finanzielle Unterstützung abgelehnt hatte. Jetzt hat Volker Bouffier in einem Brief an Petra Roth sein Veto zurückgenommen. Er erklärt sich stattdessen bereit, Hessen mit bis zu vier Millionen Euro an den Baukosten zu beteiligen, die sich insgesamt auf sechzehn Millionen Euro belaufen sollen. Auch Kulturstaatsminister Neumann hat laut Petra Roth Zuschüsse des Bundes in Aussicht gestellt.

          Ein Luftmuseum, im Garten gezeichnet

          Tatsächlich besitzt das Freie Deutsche Hochstift in seinen Kellerräumen unter dem Goethe-Museum einen Schatz, den zu bergen sich unbedingt lohnt. Dafür wirbt die Hochstift-Direktorin Anne Bohnenkamp-Renken seit gut anderthalb Jahren mit Verve. Denn ihr Haus hat im Laufe der letzten hundert Jahre eine in Deutschland einzigartige Sammlung von Objekten der Romantik zusammengetragen. Darunter finden sich Handschriften, Bücher und Tagebücher, Alben, Gemälde und Graphik. Heraus ragen so bedeutende Konvolute wie die Handschriften des Dichterpaars Achim und Bettine Brentano sowie die von Tieck, Eichendorff, Schlegel oder die jüngst spektakulär erworbene Handschrift von Novalis.

          Wer Anne Bohnenkamp-Renken in ihrem Büro am Großen Hirschgraben besucht, um mit ihr über ihre Museumspläne zu sprechen, den führt sie sogleich in den kleinen Garten neben dem Goethe-Museum und zeichnet ihre Architekturideen mit ansteckender Begeisterung in die Luft. Denn der Wegzug des Börsenvereins aus dem Nachbargebäude lässt ihren Traum jetzt auch städtebaulich realisierbar erscheinen. Eine historische Chance: Wo sich derzeit eine marode, gesichtlose Büroarchitektur befindet, soll mit dem Museum ein ganzes Areal für Kunst, Kultur und Künstlerwohnungen angesiedelt werden. Damit würde nicht zuletzt auch der Umzug der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung von Darmstadt nach Frankfurt befördert.

          Das 1859 gegründete Hochstift fühlte sich nie ausschließlich der Wahrung von Goethes Erbe verpflichtet. Schon der frühere Hochstift-Direktor Ernst Beutler begann in den zwanziger Jahren nicht nur literarische Bestände aus der Goethezeit, sondern auch Nachlässe der Romantiker zu sammeln. Er schuf den Grundstock der jetzigen Bestände. Was bisher Forschern und Mitarbeitern des Hochstifts vorbehalten war, wird nun dem breiten Publikum zugänglich gemacht. Frankfurt mag berühmt sein für seine Museen am Fluss. Das Zentrum der Stadt aber ist von Banken und Kaufhäusern dominiert. Dass hier nun die romantische Idee Einzug halten soll, ist ganz im Sinne Goethes „eine glückliche Konstellation“.

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