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Vereinigte Staaten - Los Angeles : Frank Norris: „The Octopus“

  • Aktualisiert am

Die „Walt Disney Concert Hall” in Los Angeles Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wer auf dem Flug nach Los Angeles partout etwas über Wellenreiter, Muskelmänner und Neonbabies lesen will, muß ein bestimmtes Buch einpacken. In Norris' „Der Octopus“ findet sich nichts von den gängigen Baywatch-Klischees.

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          Wer auf dem Flug nach Los Angeles oder San Francisco partout etwas über Wellenreiter, Muskelmänner und Neonbabies lesen will, muß ein bestimmtes Buch einpacken. In Frank Norris' „Der Octopus“ findet sich nichts von den gängigen Baywatch-Klischees. Und doch sagt der kolossale Roman, zuerst 1901, ein Jahr vor dem Tod des Autors, erschienen, mehr über Kalifornien als alle Fernsehserien.

          Es ist ein Epos, das etwas von der ungeheuren Weite des Landes am Pazifik ahnen läßt und von den rohen Kräften, die halfen, den Westen zu gewinnen. Der „Octopus“ ist drastisch und dramatisch, manchmal plump, geschwätzig, philosophisch anspruchslos und doch ganz ohne Frage eine große amerikanische Erzählung. Sie handelt, inspiriert von einer wahren Begebenheit, vom aussichtslosen Widerstand einiger Farmer gegen die Übermacht der „Southern Pacific Railroad“, deren Schienenstränge sich wie die Tentakeln eines Krakentieres über das Land ausbreiten.

          Ein Abgesang auf die „last frontier“

          Es ist ein Ringen von zolascher Wucht, ein blutiger Kampf zwischen Freiheit und Ordnung, zwischen Pioniergeist und Zivilisation, ein Abgesang auf die „last frontier“, die an der Pazifikküste endgültig erreicht wurde, eine wütende Abrechnung mit der brutalen Gewalt des Kapitalismus und ein Hohelied auf das moderne Kalifornien, das seit hundert Jahren Mythen und Technik verschmilzt.

          Literatur

          Frank Norris: „The Octopus“. Book Jungle 2008. 488 S., br., 20,07 Euro.

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