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Türkei - Adana : Homer: „Ilias“

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Die türkische Stadt Adana Bild: AFP

Den Recherchen von Raoul Schrott zufolge war Homer kein blinder Seher, sondern ein vereidigter Schreiber der Assyrer. Er lebte in Kilikien, nahe der heutigen türkischen Stadt Adana. Was er sah, las und erlebte, ließ er in seine „Ilias“ einfließen.

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          Was aus den Studien zu Kilikien hervorstach, war die Topographie: Denn darin war all das beschrieben, was an Homers anschaulichen Landschaftsbildern nicht in die Troas passte. Fehlt es dort etwa an den saftigen Graswiesen für die troianischen Rossbändiger, war Kilikien schon seit Salomos Zeiten für seine Pferdezucht berühmt. Viel Wasser benötigen auch die von Homer geschilderten Gerstenfelder; in diesem feuchten Schwemmland wurde Gerste dem weniger ertragreichen Weizen vorgezogen - der im Epos darum nur als Pferdefutter dient.

          Die darin erwähnten Entwässerungskanäle sowie Deiche und Dämme als Schutz vor Überschwemmungen wären in der trockenen Troas ebenfalls sinnlos; dort wachsen bloß Olivenbäume gut, die in der feuchten Erde Kilikiens wiederum schwer gedeihen - weshalb Homer Olivenöl als Luxusgut darstellt.

          Ob krummhörnige und breitstirnige Zeburinder, breite Schilfgürtel, sumpfige Auen voller Pappeln, ob terrassierte Felder und mehrmalige Ernten pro Jahr, große Niederschlagsmengen im Winter, häufig auftretende Nebel oder die Schlammfluten großer Ströme - auch davon kann nicht in der Troas, wohl aber im kilikischen Tiefland die Rede sein. Und nur dort, nirgendwo sonst in Kleinasien, gibt es jenen von Homer beschriebenen Bergkamm, der eine Ebene so entzweiteilt, dass sich an ihm die vom Winterregen angeschwollenen Flüsse stauen könnten.

          Homer - Kein Seher, sondern ein Schreiber

          Homers Heimat heißt Kilikien

          Bei den Göttern der Ilias ergab sich ein ähnliches Bild. Sie wiesen für das multikulturelle Kilikien - das Mitte des neunten Jahrhunderts unter assyrische Herrschaft geriet - typische Synkretismen auf, in denen alte hethitische, luwische und hurritische Traditionen mit denen der Phönizier und Griechen verschmolzen. So konnte der einheimische Erntegott Kuruni zum sichelschwingenden Kronos werden und Zeus zu seinem Sohn, der von dortigen Gottheiten die Blitze in seiner Hand sowie sein Pferdegespann erhielt.

          Die im benachbarten Zypern verehrte Hathor wiederum verlieh Zeus' Gattin Hera ihre Kuhaugen und die Lockenfrisur; seine Tochter Athene übernahm Funktion wie Namen von der phönizischen Anat, deren enge Beziehung zu ihrem Bruder Baal sich in jener zu Ares widerspiegelt, dessen Namen sich seinerseits vom hethitischen Kriegsgott Jarri und dem akkadischen Erra ableitet.

          Für Kilikien typische Namen

          Dasselbe gilt für die iliadischen Heroen. Das von Homer beschriebene Grab Sarpedons wurde in der Antike nur an einem einzigen Ort verehrt: unweit der Mündung des Kalykadnos. Diesen alten Grenzfluß des Rauhen Kilikien überschreitet auch Bellerophontes, den es von der peloponnesischen Argolis hierher verschlagen hat; seine Kämpfe scheinen dabei die historische Ausbreitung der Griechen bis in unsere Region und weiter zu mythisieren. Seine erste Heldentat besteht etwa darin, die Chimäre zu töten. Wo dieses Monster sein Unwesen trieb, wissen wir dank Hesiod: in den Bergen nördlich des Kalykadnos.

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