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Südschweden - Småland : Astrid Lindgren: „Astrid-Lindgren-Edition“

  • Aktualisiert am

Unvergessene Kinderbuch-Autorin: Astrid Lindgren Bild: dpa

Keine hat erzählt wie sie: An diesem Mittwoch wäre Astrid Lindgren hundert Jahre alt geworden. Die Sehnsucht nach Geborgenheit, wie sie ihre Helden Pippi Langstrumpf & Co. hegen, war die unerfüllte Sehnsucht der Schriftstellerin selbst.

          Wer von Astrid Lindgren spricht, spricht von sich selbst. Und das im doppelten Sinn. Zum einen kommt niemand dabei ohne das Wort „ich“ oder seine Ableitungen aus: „Ich mochte am liebsten ,Kalle Blomquist'.“ „Ich fand Pippi besser.“ „Mir hat meine Großmutter immer ,Karlsson' vorgelesen.“ Zum anderen ist es nicht schwer, jemanden aufgrund solcher Vorlieben einzuschätzen: Hält er es eher mit den sanftmütigen Kindern aus Bullerbü, oder hat er eine Schwäche für den anarchischen Michel? Ist sie in der Familienkonstellation eher Madita oder Lisabet? Und gibt es für ihn irgendwo einen Bruder, auf den er sich im Leben wie im Tod so verlassen kann wie auf Jonathan Löwenherz?

          Im Kosmos Astrid Lindgrens bewegen wir uns so selbstverständlich wie nirgendwo sonst, wir, die Generation der Dreißig- bis Sechzigjährigen, die wir dort jeden Winkel kennen, uns in Deutungsversuchen des Kunstwortes „Spunk“ verlieren, als Berufsziel „Sachensucher“ ins Auge fassen oder ungefragt sämtliche Vornamen von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf herunterbeten. Und dieser Kosmos ist kein schlechtes Referenzsystem, um uns mit anderen über die Welt zu verständigen. Wir sind mit den Büchern aufgewachsen und mit den Filmen, wir haben um Astrid Lindgren getrauert, als sie im Januar 2002 im gesegneten Alter von 95 Jahren gestorben ist. Und waren Jahr für Jahr der Ansicht, dass das mit dem Nobelpreis zwar eine schöne Sache wäre, dass Lindgren eine solche Auszeichnung aber nun wirklich nicht nötig hätte.

          „Karlsson vom Dach“ und die Bibel

          Denn hat sie in ihren vielen Büchern nicht alles richtig gemacht? Hat sie nicht Klippe um Klippe umschifft, ist sie nicht weder auf die Verlockungen süßlicher Kinderwelten noch auf die pseudorealistischen Tendenzen des harten Jugendbuchstils der Siebziger hereingefallen, jene Schreibart also, die Otfried Preußler so treffend als die „Kindheit ist mies“­Mode einer verwirrten Zeit beschrieben hatte? Und hatte sie nicht einen derart eigenen Ton, dessen Nachhall - trotz vieler Versuche anderer Autoren - endgültig, so scheint es, mit ihr verstummt ist?

          Am 28. Februar 2002 verstarb Astrid Lindgren in Stockholm

          Astrid Lindgren, deren hundertsten Geburtstag wir an diesem Mittwoch feiern können, war keine Freundin solcher und anderer Superlative. Wenn sie die Luft aus derlei herauslassen konnte, tat sie es gern. Als man ihr einmal sagte, ihr „Karlsson vom Dach“ sei neben der Bibel das meistverbreitete Buch in der Sowjetunion, soll sie vergnügt geantwortet haben, sie habe gar nicht gewusst, dass die Bibel eine derart hohe Auflage habe.

          „Und warum bist du dann so überzeugt davon?“

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