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Südostasien - Myanmar / Burma : George Orwell: „Tage in Burma“

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Vor den Toren von Mandalay: Startpunkt der Flußreise Bild: AP

Myanmar, wie die Militärmachthaber den größten Staat Südostasiens im Rückgriff auf vorkoloniale Zeiten nennen, ist ein frommes, fremdes Land, über das die übrige Welt nicht viel weiß.

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          Im vorderen Teil der Lounge der „Road To Mandalay“ stehen drei Trimmgeräte. Ein Stepper, ein Laufband und ein Fahrrad. Während man in die Pedale tritt, sieht man durch die Fenster auf den trägen Lauf des Flusses. An diesem Morgen schlagen fingerkuppendicke Regentropfen an die Scheiben. Himmel und Wasser sind zur graubraunen Masse verschmolzen, aus dem Grün des dichten Urwalds an beiden Ufern schimmert es bisweilen golden. Keine Ansicht gebe es im ganzen Land ohne Pagode, heißt es.

          Myanmar, wie die Militärmachthaber den größten Staat Südostasiens im Rückgriff auf vorkoloniale Zeiten nennen, ist ein frommes, fremdes Land, über das die übrige Welt nicht viel weiß. Jahrzehntelang wehrte Myanmar alle Einflüsse von außen ab. Dort zu reisen, hat bis heute Expeditionscharakter, das macht den Reiz aus.

          Komfortabler auf Expedition gehen als mit der „Road To Mandalay“ kann man nicht. Die Exerzitien auf den Trimmgeräten im Salon sind die einzigen Anstrengungen, die das Bordleben bereithält. Seit zehn Jahren fährt das ehemalige Rheinschiff für die amerikanische Orient-Express-Gruppe auf dem Ayeyarwady, der ewigen Lebensader Myanmars. Üblicherweise ist das Schiff zwischen Mandalay, der ehemaligen Königsstadt in der Mitte des Landes, und Bagan im Einsatz, wo sich am Ufer des Flusses ein grandioses Pagodenfeld erstreckt. Zwischen Mandalay und Bagan verläuft die Hauptroute des Myanmar-Tourismus, der immer noch ganz am Anfang steht. Die „Road To Mandalay“ ist das ideale Medium der Annäherung. Ein schwimmendes Hotel, eingerichtet mit asiatischem Geschmack und westlichem Komfort. Die Passage bietet exzellente Vollpension, geräumige Kabinen und wunderbare Ausblicke auf die Flußlandschaft vom Sonnendeck, das sogar mit einem kleinen Swimmingpool aufwartet. Auf den Landgängen werden die Gäste von mehrsprachigen Reiseleitern geführt, bei der Rückkehr aus der schwülen Hitze mit gekühlten Erfrischungstüchern empfangen.

          Hier endet die Fahrt: Bhamo (Foto von 1925)

          Ein schwimmendes Hotel

          Dreimal im Jahr bricht das Schiff aus dem selbstgesponnenen Kokon aus. Dann fährt es mit fünfzig Gästen an Bord vier Tage lang den Ayeyarwady hinauf bis in die Nähe der chinesischen Grenze - so weit, wie der Fluß für ein Schiff dieser Größe überhaupt und nur in der Regenzeit befahrbar ist. Drei Tage lang geht es zurück nach Mandalay und von dort nach Bagan. Es ist eine gemächliche Fahrt mit zahlreichen Aufenthalten unterwegs. In einem Dorf am Ufer schaut man Töpfern bei der Arbeit zu, in einem Dschungelcamp Elefanten beim Baumstämmerollen. Man schlendert über Märkte, besichtigt auf einer winzigen Insel eine erstaunlich große Klosteranlage und trinkt nach dem Aufstieg über endlose Treppenstufen eine Tasse Tee in einem Meditationszentrum.

          Bhamo, die letzte größere Siedlung vor der Grenze und Scheitelpunkt der langen Flußreise, ist eine Kleinstadt, die widerhallt vom Dröhnen kleiner Traktoren - die robusten Fahrzeuge sind dort das wichtigste Verkehrsmittel. In den Auslagen der Geschäfte stapeln sich grellbunte Plastikwaren aus China, am Rande der Stadt stehen zwei Pagoden, und an einer Kreuzung schlammiger Straßen im Zentrum ragt der Betonklotz des „Friendship Hotels“ auf, das auch Touristen beherbergen darf - eine Seltenheit im Landesinneren von Myanmar, wohin es wegen mannigfaltiger Reisevorschriften der Militärregierung nur wenige Fremde unbeaufsichtigt schaffen. Die Gäste der „Road To Mandalay“ kehren nach einem Spaziergang durch den Nieselregen lieber auf das Schiff zurück.

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