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Sizilien - Porto Empedocle : Andrea Camilleri: „Kommissar Montalbano“

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Erfinder Montalbanos: Andrea Camilleri Bild: picture-alliance/ dpa

Kommissar Montalbano hat unrecht: Es stinkt. Der Hafen stinkt. Romangetreu müßte es nach frischem Fisch riechen und nach Salz und vielleicht nach einem aufregenden Hauch Afrika. Aber es regnet, armselige Häuser ducken sich unter den Tropfen.

          Kommissar Montalbano hat unrecht: Es stinkt. Der Hafen stinkt. Romangetreu müßte es nach frischem Fisch riechen und nach Salz und vielleicht nach einem aufregenden Hauch Afrika. Aber es regnet, armselige Häuser ducken sich unter den Tropfen, nasse Hunde suchen Schutz in Ruinen. Und es riecht nach Moder und Abfall.

          Wir sind extra nach Porto Empedocle gefahren, weil wir an so vielen grauen deutschen Wintertagen mit Camilleri-Krimis auf dem Sofa lagen und von Sizilien träumten, mit Commissario Montalbano vor dem blauen Meer Verbrecher jagten, in einsamen Buchten schwammen und anschließend mit ihm Schwertfischrouladen verspeisten - und weil auf den Ortsschildern als Hommage an den Schauplatz der Romane Vigàta steht. Doch die deutsche Montalbano-Liebe wird plötzlich ganz klein in diesem Hafen. Das malerisches Sizilien ist hier nicht. Und ist Vigàta wirklich Porto Empedocle?

          „Ja, Vigàta ist hier und nur hier“, sagt Stefano Albanese und wischt mit dem Lappen über seinen Tresen. Er sagt es mit großem Nachdruck. Albanese ist Herr über ein Reich mit Kaffeemaschine, Ricottatörtchen, Reisbällchen, Flaschenbatterie und grüngestreiften Sonnensegeln, das früher Bar Albanese hieß und sich heute Bar Vigàta nennt. Über dem Tresen hängt ein großes Foto von Andrea Camilleri, der in Porto Empedocle geboren wurde, in einer Art Glasschrein stehen seine Bücher auf englisch, auf bulgarisch, auf deutsch, auf griechisch. Camilleri hat mit Commissario Montalbano einen italienischen Nationalhelden und einen Exportschlager dazu geschaffen.

          „Camilleri hat sich geehrt gefühlt“

          Die Krimis um den bärbeißigen Junggesellen mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der Liebe zu gutem Essen und den unkonventionellen Ermittlungsmethoden stürmen regelmäßig die Bestsellerlisten. Albanese sagt, dass mit der Verfilmung der Montalbano-Krimis durch das italienische Fernsehen eine Art Camilleri-Tourismus eingesetzt habe, aber ärgerlicherweise nicht nach Porto Empedocle, sondern an die Schauplätze der Serie in der Provinz Ragusa. Da habe man sich bei der Gemeinde gedacht, es sei an der Zeit, mit diesem Irrtum aufzuräumen, und habe die Ortsschilder neu gestaltet. „Camilleri hat sich geehrt gefühlt“, sagt Albanese und grinst zufrieden.

          Jede Stadt hat einen Ort, an dem sie schamlos ihre Seele aufblättert, an dem sie ungeschminkt ihr wahres Gesicht zeigt. In Porto Empedocle ist dieser Ort der Hafen. Mit seinen verlassenen Gebäuden, mit seinem Schweigen, mit den zerfurchten Gesichtern der Fischer erzählt er eine Geschichte von Verfall und vergangener Größe.

          Andrea Camilleris Vater war hier Inspektor und später, als die Alliierten an der sizilianischen Südküste landeten, sogar Kommandant. Der Großvater hatte noch mit Schwefel gehandelt, dem Mineral, das über lange Jahre dem Hafen Bedeutung verlieh und die Einwohner der Stadt ernährte - so auch die Pirandellos aus dem Ortsteil Kaos, entfernte Verwandte, deren Sohn Luigi ein berühmter Schriftsteller wurde. Andrea Camilleri verließ diese enge Welt, ging an die Theaterakademie nach Rom, arbeitete als Regisseur und Dehbuchautor, schrieb historische Romane über Sizilien und als Rentner-Romancier dann Krimis. In der Zwischenzeit verfielen Hafen und Stadt immer mehr, auch das Geschäft mit dem Kunstdünger kam in den achtziger Jahren zum Erliegen und hinterließ nur ein totes Fabrikgelände.

          „Für einen Sizilianer ist die Heimat immer die Heimat“

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