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Schottland - Kirkcudbright : Dorothy L. Sayers: „Fünf falsche Fährten“

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Dorothy L. Sayers: „Fünf falsche Fährten” Bild: Verlag

Die Schwierigkeiten, sich nach Kirkcudbright durchzufragen, beginnen mit der Aussprache. Der alte Name von Kirk Cudbergt ist ein Zungenbrecher, der sich zudem dem optischen Eindruck widersetzt. Niemand käme wohl von selbst auf Kör-kúu-bri.

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          Die Schwierigkeiten, sich nach Kirkcudbright durchzufragen, beginnen bereits mit der Aussprache. Der alte Name von Kirk Cudbergt, „Kirche von Sankt Cuthbert“, ist ein Zungenbrecher, der sich zudem dem optischen Eindruck widersetzt. Niemand käme wohl von selbst auf Kör-kúu-bri.

          Kirkcudbright ist ein hübscher Markt und Hafen in der Grafschaft Galloway im schottischen Südwesten, dort, wo der River Dee in den Atlantik mündet. Die falschen Fährten kennt man hier seit 1931; denn Kirkcudbright ist der Schauplatz des Romans „The Five Red Herrings“ von Dorothy L. Sayers“ - auf deutsch als „Fünf falsche Fährten“ aufgelegt. Schon auf dessen dritter Seite gilt als ausgemacht, daß die Engländer an sich nicht in der Lage seien, „to pronounce their own bloody language“.

          Fischerboote auf grauem Schlick

          Mit einem roten, also toten Hering legt der Jäger bei der Schleppjagd für die Füchse eine delikate Spur: gut zu riechen, gut auch zu verfolgen, aber leider falsch. Genauso macht das auch der Detektivroman, damit er seinem obersten Gesetz gehorchen kann: Am Anfang tappt alles im dunkeln, und erst zum Schluß wird alles klar. Besonders schief liegt dabei stets die Polizei, auch das gehört zur Tradition. Hier sind das nacheinander: ein Polizeipräsident, ein Polizeiinspektor, ein Polizeisergeant und zwei Konstabler, Schotten alle miteinander. Nur einer selbstverständlich nicht: Lord Peter Wimsey, Engländer und Meisterdetektiv der englischen Autorin, die „Bonnie Galloway“ von Urlaubsreisen kannte und ihrer Sommerfrische dieses Denkmal setzte.

          Wer heute nach Kirkcudbright kommt, der liest das Buch wie einen Baedeker und glaubt ihm gleich den ersten Satz: „Wer in Galloway wohnt, der fischt oder malt.“ Wir kamen an bei trübem Wetter, feuchtem Nebel auf den nahen Hängen und in jenem feinen Regen, der hier „drizzle“ heißt. Die Flut war abgeflossen, und nichts sprach für den Ehrentitel eines „schottischen Venedigs“, den der Reisende Lord Cockburn in seinen „Circuit Journeys“ dem Örtchen um 1840 zugeschrieben hatte. Die Männer auf der Straße hatten ihre Hände tief vergraben in den Jackentaschen, die Frauen trugen ihre Mantelkragen hochgeklappt und ihre Dauerwellen unter Folie. Als wir vor dem hohen Schloßgemäuer aus dem Wagen stiegen, standen wir am Hafen. Hier brannten am Tage die Laternen, ein paar Fischerboote lagen auf dem grauen Schlick der Mündung, und das erste Cottage, das wir sahen, war die „Harbour Cottage Gallery“.

          Was noch fehlte: der Fall mit der Leiche

          „Alle Orte sind wirkliche Orte und alle Eisenbahnen wirkliche Eisenbahnen, alle Landschaften sind echt, nur daß ich da und dort ein paar neue Häuser habe entstehen lassen“, räumte die Autorin ihrem Freund Joe Dignam gegenüber ein. Und auch der war, selbstverständlich nicht erfunden: Er war, von 1908 bis 1935, der Wirt im selben Anwoth-Hotel im nahen Gatehouse-of-leet, in dem Lord Peter Wimsey gierig, wie es heißt, die gleichen Kartoffelplätzchen verschlingt, deren die Autorin in der Widmung voller Appetit gedenkt. Treue Leser kommen manchmal heute noch nach Gatehouse, um ihr Zimmer zu besichtigen: damals Nummer 10, nach einigen Erneuerungen heute Nummer 6. Dort war sie mehr als einmal abgestiegen mit ihrem Ehemann Oswald „Mac“ Atherton Fleming, der sich hier als Maler wie als Angler umtat, bis die beiden dann im Juli 1929 im benachbarten Kirkcudbright ein kleines Atelier für den kommenden Sommer fanden.

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