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Nigeria - Kainji-Stausee : Tom Coraghessan Boyle: „Wassermusik“

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Bild: F.A.Z.

Mungo Park ist eine Legende. Nicht erst seit sich T. C. Boyle von der Biographie des Abenteurers zum Erfolgsroman „Wassermusik“ inspirieren ließ. An den Ufern des Niger kennt den Bauernsohn aus dem schottischen Fowlshields noch heute jedes Kind.

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          Fünfzehn Milliarden Kubikmeter Wasser scheinen zwischen der Frage und der Antwort zu stehen. Als Mungo Park, der schottische Arzt und Entdecker, im Jahre 1805 die Gegend von Bussa in Nordnigeria erreichte, standen hier Dörfer und Paläste am Ufer des Flusses Niger. Heute liegt alles auf dem Grund des Kainji-Sees - versunken im Schlamm, unerreichbar. „Keine Angst“, sagt Garba Woru: „Wir werden es herausfinden. Bald werden Sie wissen, wie Mungo Park gestorben ist.“

          Woru, der Berater des Emirs von Bussa, wickelt seinen Turban straffer, während das Kanu in nordöstlicher Richtung über die riesige Wasserfläche schaukelt, die der Niger hinter der Staumauer bildet. Woru hat gepflegte Hände, lange, feingliedrige Finger, die an der weißen Seide zupfen wie an einem Musikinstrument. Es fällt ein wenig schwer, seinem Blick standzuhalten. Seine Augen sehen in verschiedene Richtungen.

          „Zum Dorf Bussa in der Nähe des Flusses“

          Der Emir persönlich hat Woru beauftragt, den Fremden zurück in die ruhmreiche Epoche Bussas zu geleiten, in jene Zeit, da Bussa noch Teil des Borghu-Reichs war und in einem Atemzug mit den mächtigen Zentren im Innern Afrikas genannt wurde, mit Timbuktu, Sokoto, Kano. Damals kam auch Mungo Park nach Westafrika, besessen vom Wunsch, das Rätsel um den Verlauf des Nigers zu lösen, des drittlängsten afrikanischen Flusses, von dem man damals weder wußte, wo er entsprang, noch wo er mündete. Park trieb an Timbuktu vorbei und soll in den Stromschnellen von Bussa ertrunken sein. Die genauen Umstände seines Todes zählen zu den großen Geheimnissen der afrikanischen Entdeckungsgeschichte. „Wir werden es herausfinden“, wiederholt Woru in langgezogenen Silben.

          Mungo Park ist eine Legende. Nicht erst seit sich T. C. Boyle von der Biographie des Abenteurers zum Erfolgsroman „Wassermusik“ inspirieren ließ. Und nicht nur in Europa und Amerika. Die Alten von Bussa erzählen noch immer Parks Geschichte, und an den Ufern des Niger kennt den Bauernsohn aus dem schottischen Fowlshields heute, 200 Jahre nach seinen Reisen, jedes Kind.

          Nach einer Odyssee durch halb Westafrika erreichte Park in seinem Boot die Stadt Yawuri, die heute auf der anderen Seite des Stausees liegt. Dort ließ er, einer rätselhaften Laune folgend, seinen Führer Fatouma zurück und reiste ohne ortskundige Begleitung weiter. Parks Geschenke sollen den Emir von Yawuri nicht erreicht haben, woraufhin der Herrscher dem Weißen bewaffnete Reiter nachgesandt habe. „Zum Dorf Bussa in der Nähe des Flusses“, berichtet Fatouma später. Dort sollen die Soldaten Parks Boot angegriffen haben - von einem Felsen, „der quer über die gesamte Breite des Flusses“ gelaufen sei, in der „Form eines Tores“. Fatoumas Bericht muß seither häufig als offizielle Version der Ereignisse herhalten.

          „Wir sind am Niger aufgewachsen“

          Das Kanu des Emirs läuft mit einem Knirschen auf den Strand von Malali, einem Fischernest am Ufer des Kainji-Sees. Woru begrüßt den Sarkin Gwata, den Herrn des Wassers, von Old Bussa. Bevor der Ort im Stausee untergegangen ist, war der Alte mit den Ziernarben und dem dichten weißen Haar für alle Belange des Nigers verantwortlich, für den Fischfang ebenso wie für die Verehrung der Flußgeister. „Einen solchen Felsen hat es hier nie gegeben“, kommentiert der Sarkin Gwata den historischen Bericht. Woru übersetzt ins Englische. So wie Fatouma es erzählt hat, sei es nicht gewesen.

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