https://www.faz.net/-gr0-wh6a

Island - Reykjavík : Kristof Magnusson: „Zuhause“

  • Aktualisiert am

Björks Kaffibarinn, noch ohne Menschenschlange Bild: F.A.Z. - Oliver Maria Schmitt

Island ist so dünn besiedelt wie kein anderes Land in Europa. Überall auf der Insel herrscht eine wundervolle Ruhe - nur nicht auf der Partymeile von Reykjavík. Dort tobt am Wochenende die Meute, wenn die Stadt bei der rituellen „Runtur“ ihren Durst und ihren Lebenshunger mit Bier, Schnaps und einigem mehr stillt.

          Draußen klirrt die Kälte, im Hotelzimmer mein Gepäck. Shit, der Koffer ist mir aus der Hand geflutscht, voll auf den Boden. Hoffentlich ist nichts zerbrochen. „Rom war gestern, Riga ist heute, Reykjavík ist morgen“ - so schrie es das Internet, und die Ausgehanweisungen waren eindeutig: „Bringe Alkohol mit, so viel, wie du schleppen kannst. Die Preise sind Wahnsinn, und Vorglühen ist Norm und Notwendigkeit!“ Die Norm wollte ich natürlich einhalten. Und nachdem ich das römische Partyleben unter Nero knapp verpasst habe, will ich wenigstens einmal amtlich in der Zukunft feiern. Ich verstaue die Flaschen im Hotelkleiderschrank und mixe mir als Starter einen Wodka mit Minibar-Cola. Ob so die Zukunft schmeckt?

          Die Partymeile sei einfach zu finden, erklärt mir der Hotelportier, unterbricht seine Schopenhauer-Lektüre, zieht mit dem Stift eine lange Linie auf dem Stadtplan und macht ein paar Kreuzchen. Reykjavík, raunt er, bestehe aus toten Vororten und einer langen Fußgängerzonenstraße: Laugavegur, Bankastraeti und Austurstraeti gingen ineinander über, dort und in den Nebensträßchen fänden sich fast alle Clubs, Bars und Discos. Da muss ich hin.

          Wer Kleinstädte mag, wird sich in der nördlichsten Hauptstadt der Welt sofort wie zu Hause fühlen. Kleine, bunte Hausschachteln, die schmale Hauptstraße prickelt wie Leverkusen. Die Ramblas von Reykjavík, sie liegen still und leer, es riecht nach kaltem Meer.

          Musikerin bei der Nachtarbeit

          Freitagabend, kurz nach acht. Ich klappere die angesagten Adressen ab, ist aber kein Mensch drin. Manchmal sind es nicht mal Clubs, sondern Restaurants: Im Solon wird gesessen und gegessen, ebenso im vornehmen Rex; das Pravda, eine Discobar, ist verwaist, es läuft „One Night In Bangkok“. Das legendäre Ömmukaffi geschlossen, keine Oma in Sicht, und auch im Oliver gähnende Leere. Tot die Bar 11. Und in der Q Bar kein Schwein. Das soll Europas heißeste Meile sein?

          Squaw am Plattenteller

          Im Kaffibarinn legt Nadira auf, direkt am Tresen, von ihrem Laptop. Electro-Underground, rhythmisches Geblubber. Aber „Too Drunk To Fuck“ von den Dead Kennedys ist auch auf der Playlist. Das sei der Rausschmeißer, sagt sie, das sei für den frühen Morgen. Die Bar gehört Björk, sagt Nadira. Die Superkultbar präsentiert sich als stinknormales schummriges Bar-Café, in dem sich verloren eine Discokugel dreht. Zwei Sofas sind besetzt, das Obergeschoss ist leer. Dann war das mit der Partystadt, die am Wochenende durchdreht, wohl ein Gerücht.

          Ich tapere den Laugavegur zurück und checke noch das Dillon. Ein Rough-and-ready-Rockschuppen, klein, in dunkles Holz geschlagen, mit amtlich klebriger Theke. Die DJane, eine blonde Squaw, hängt in einem winzigen Koben unter der Decke und wühlt in den größten Schweinerockhits der Siebziger und Achtziger. Hier sind immerhin Leute, sie trinken Bier und rauchen. Amerikaner auf Durchreise und britische Boys, die sich warmtrinken. Alles angenehm unhip.

          Mein Bier kostet einige hundert Kronen, ich zahle cash und werde verstört angeschaut. Ein Mann meint, ich solle mir nichts draus machen, ich hätte nur gerade in bar bezahlt und dann auch noch Trinkgeld gegeben - beides absolut unüblich in Island. Er heißt Hilmar, hat eine Frisur wie der späte Pierre Richard und wartet auf seine Tochter, die auf ihre Kreditkarte wartet, die er, Hilmar, versehentlich eingesteckt hat. Sie werde wohl bald kommen. Hilmar ist in Plauderstimmung.

          Das Bier schmeckt wie ein angezapfter Gletscher

          Knapp dreihunderttausend Einwohner lebten auf Europas zweitgrößter Insel, und damit sei Island, das in etwa die Größe der alten DDR habe, das am dünnsten besiedelte Land Europas. Mehr als die Hälfte aller Isländer wohnten in und um Reykjavík, und damit das Leben auf der Insel am Polarkreis nicht allzu trostlos verlaufe, habe man sich mehr als hundert Golfplätze und ebenso viele Freibäder zugelegt, und das sei absoluter Weltrekord.

          Stolz grinst Hilmar und bestellt eine weitere Runde. Viking Bier ist kalt und klar, es schmeckt wie ein angezapfter Gletscher. Hilmar ist Ingenieur in einem der großen Aluminiumwerke und macht nebenher irgendwelche Internetgeschichten. Er sei mit Björk verwandt, sagt er, und der Staatspräsident sei sein Klassenkamerad gewesen. Aber das - er lacht - sei normal hier, irgendwie kenne ja jeder jeden, und wen man nicht kenne, mit dem sei man mindestens verwandt. Alle Isländer seien leidenschaftliche Ahnenforscher, und er, Hilmar, Sohn des Sigurd, habe denselben Großgroßgroßgroßvater wie Björk.

          Ja, das Leben auf Island, brüllt Hilmar in krisslige AC/DC-Klangwolken, sei insgesamt schon viel besser geworden. In den Achtzigern habe das Fernsehen nur wenige Stunden am Abend gesendet, donnerstags gar nicht, und im Juli waren Betriebsferien. Und richtiges Bier sei auch erst seit 1989 legal, vorher habe man in den wenigen Pubs der Stadt das ausgeschenkte Dünnbier mit Schnaps hochschrauben müssen.

          Walross in der Lagune

          Ob er Schnaps wolle, frage ich ihn, und deute auf die Wodkaflasche in meiner Parkatasche, aber er winkt lachend ab. Nein, Brennivín habe er genug zu Hause, einen gewürzten, bis in die Kapillaren strahlenden Aquavit, und den brauche man auch, um isländische Spezialitäten wie verfaulten Haifisch, Widderhoden oder gesengten Lammkopf runterzuspülen. Ich solle lieber mal morgen ins Thermalbad gehen, am besten ins Laugar, das sei das größte und beste in der Stadt. Die berüchtigte Blaue Lagune beim Flughafen könne ich mir ruhig schenken - auf den Souvenirpostkarten seien zwar immer hübsche, junge Damen beim Baden in blauer Brühe zu sehen, in Wahrheit tummelten sich dort aber nur weiße amerikanische Walrösser während ihres vierstündigen Island-Stopovers.

          Ein letztes Viking geht weg wie nichts, das Zeug ist eine höhere Form des Wassers. Ja, kreischt Hilmar, der Staat saniere sich durch sprudelnde Heißwasserquellen und durch nicht minder sprudelnde Alkoholsteuerquellen, die höchsten in Europa. Und deswegen brauche seine Tochter Elin auch dringend ihre Kreditkarte. Aber Elin kommt nicht. Er leiht sich mein Handy und telefoniert kurz und ziemlich unwirsch. Dann erklärt er mir, was ich morgen Abend vorhabe: Ich wolle doch das Nachtleben erkunden. Und daher würde ich mich morgen Abend mit Elin treffen. Sie könne mir alles zeigen, das sei Ehrensache, und erkennen würde ich sie an - er drückt sie mir in die Hand - dieser ihr fehlenden Kreditkarte. Um zehn Austrurstaeti, Ecke Laekjargatam, am Hotdog-Stand.

          Wir verlassen das Dillon, treten hinaus ins Freie - und stehen mitten im Sturm. Um uns herum tobt ein Volksfest: Eine endlose Karawane aus Jeeps, SUVs und anderen aufgepimpten Cruisern rollt im Laufbandtempo hinunter in die Stadt. Kids mit Bierdosen in den Händen johlen, lachen und schreien, fahren ein Stück mit oder nicht, das Partyvolk patrouilliert auf dem Corso, überall ist die Hölle los. Kurz vor zwölf unter oszillierender Dämmerung. Heute hätten die meisten Läden bis sechs auf, meint Hilmar. Doch meine jetlaggepowerte Müdigkeit hat sich nicht gebessert. Wir verabschieden uns, unterwegs mache ich einen Flaschensammler zum Kronenmillionär, indem ich ihm die volle Wodkapulle schenke, und gehe schlafen.

          Die beste Hummersuppe der Welt

          Leverkusen am Meer. Herrlich, diese Kleinstädte. Schnell ist man einmal durch Reykjavík, die rauchige Bucht, getigert. Irgendwann stehe ich vor der Werbetafel eines Restaurants, auf der neben den obligatorischen Lammund Hummergerichten auch ein Menu vom „Puffin in Brennivín“ angepriesen wird. Puffins! Die possierlichen Papageientaucher mit den bunten Riesenschnäbeln! Müssen die Isländer denn unbedingt die niedlichsten Seevögel der Welt aufessen? Und dann auch noch Wale jagen?

          Wenigstens finde ich am Fischereihafen die Spelunke vom alten Kjartan. Da werde die beste Hummersuppe der Welt serviert, wie Hilmar versichert hat. „Vínurmín“, knarzt Kjartan beim Eintreten und zwinkert mit seinem einen Auge, „mein Freund, ich weiß, was du brauchst“ -- und stellt mir einen Styroporpott mit einer cremigen, orangeroten Substanz hin. Hummersuppe! Sie schmeckt phantastisch, Löffel für Löffel. Und das Beste: Man kann vom Esstisch aus sogar Wale beobachten! Ganz, ganz langsam bewegt sich der in Stücke geschnittene, kolossale Meeressäuger in Form eines Minkwalfleischspießes auf meinen Tisch zu. Ich habe noch nie Walfleisch gegessen, weil man das nicht tut. Kjartan ist aber anderer Meinung. Geräucherter Wal sei köstlich, sagt er, und schiebt mir den Spieß mit den dunkelroten Fleischwürfeln hin. Sie schmecken sensationell lecker. Unglaublich! Man sollte sofort alle Wale dieser Welt schlachten und zu Spießen verarbeiten. Ob der alte Fischersmann auch Puffins im Programm hat? Wie lecker mögen die wohl erst sein?

          „101 Reykjavík“ nenne man die Gegend hier, erklärt mir später ein Buchhändler auf dem Laugavegur, das sei nämlich die Postleitzahl des Zentrums, und so heiße auch der berühmte, sogar verfilmte Roman von Hallgrímur Helgason, ein Buch über einen dreißigjährigen Nichtstuer, der das Postleitzahlengebiet 101 nie verlässt, hauptsächlich im Kaffibarinn abhängt und die lesbische Freundin der Mutter schwängert. Gutes Buch, sagt der Buchhändler, aber auf Englisch hat er es leider nicht vorrätig. Er drückt mir „Zuhause“ in die Hand, einen auf Deutsch erschienenen Roman von Kristof Magnusson.

          Ich setzte mich nebenan ins Café Prikid und lese ein bisschen in dem Debütroman des jungen Deutsch-Isländers, er erzählt lakonisch und komisch: „Auf den Parallelstraßen wäre man viel schneller vorangekommen, und doch fuhren alle den Laugavegur hinab“, schildert der Erzähler das nächtliche Treiben. „Alle halfen mit, wenigstens freitags und sonnabends einen Verkehrsstau zu erzeugen, wie er sich in Reykjavík sonst selbst im dichtesten Berufsverkehr nicht einstellen wollte. An den Wochenenden zwischen ein und sechs Uhr wirkte die Stadt so großstädtisch wie nie. Alle stürzten sich in das Nachtleben, diese kollektive Auflehnung gegen den Winter, die Dunkelheit, Langeweile, Pizzabringdienste, Chat-Rooms und Pay-TV.“ Genau - gegen die Langeweile! Gleich treffe ich Elin und bekomme alles erklärt. Zu spät fürs Thermalbad, aber es reicht noch zum Vorglühen im Hotel.

          Nächtliche Pilgerreise durch Pubs und Clubs

          Die Straße füllt sich, alle sind gestylt. Die Jungs sehen aus, als kämen sie gerade vom Boy-group-Casting: die Haare hingepappt, dazu gerne weißes Sakko und Krawatte. Die Mädels indes zeigen Härte. Wie kalt es auch sein mag - Rock ist Pflicht, dazu verschärfte Aufbrezelung. Man lacht, winkt und trinkt Dosenbier, die Hotdog-Stände sind umlagert. Und da! Zwischen all den Marsibils und Haraldurs, den Sigurds und Björks winkt mir jemand zu.

          Elin begrüßt mich, als ob wir Verwandte wären. Die Kreditkarte, bitte. Ja, ihr Papa habe ihr alles erzählt, sie solle einem ahnungslosen Fremdling im Parka das Nightlife zeigen. Das sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, und deshalb habe sie ihre beste Freundin Sara mitgebracht. Sara fackelt nicht lange. Die „Runtur“, die nächtliche Pilgerreise durch Pubs und Clubs, sei eine ernste Angelegenheit, sagt sie. Und eine teure. Und ob mir bekannt sei, dass man unbedingt vorglühen müsse. Ich zücke eine Wodkaflasche aus meiner Parkatasche und habe sofort zwei allerbeste Freundinnen. Die Flasche geht rum, schon nach wenigen Sekunden verliert sich ihre Spur im Getümmel.

          Elfen in der Einkaufsstraße

          Wir gehen auf Inspektion. Unglaublich viele hübsche Elfen sind unterwegs, und das sei ja auch kein Wunder, sagt Elin, schließlich habe Island bislang vier Miss Universums hervorgebracht. Schon wieder hat Reykjavíks Hauptstraße die mythische Verwandlung von der Einkaufszeile zur Vergnügungsmeile durchgemacht: Im Solon wird nicht mehr gespeist. Die Tische sind weggeschoben, die Türen schwer mit Schwarzbejackten bewacht, aus der Tür quellen die fetten Beats von DJ Rikki G. Auch im Rex ist der Nachtisch verspeist, in einer Ecke wird schon getanzt. DJ Gulli Osoma steht an den Decks und zelebriert ein abgefeimtes Hardcore-Set.

          Die „Runtur“ hat ein ideales Tempo, irgendwie unangestrengt, leicht, fast schwingend; sie entspricht wohl irgendwie dem Tölt, dieser speziellen Gangart, die nur die Island-Pferde draufhaben. Freundin Ólóf kommt uns entgegen und gibt Zwischenergebnisse durch, die Girls unterhalten sich in ihrer Sprache, die sich seit tausend Jahren kaum verändert hat. Im Sirkus sei es schon sinnlos voll, im Rex mal wieder nur Snobs unterwegs, und ins Amsterdam solle man nur gehen, wenn man auf die Fresse wolle. Sie, Ólóf, gehe jetzt ins Vegamót, wir könnten ja am nächsten Tag auf der Homepage des Clubs nachschauen, wie's gewesen ist, denn die stellten die Fotos der Partycrowd gleich am nächsten Tag ins Netz. Weg ist sie.

          Vor dem Kaffibarinn eine riesige Menschentraube. Der Türsteher ist schwer damit beschäftigt, die Bierbecher der wartenden Kids auszuschütten, man darf nämlich keines mit reinnehmen. Auch vor dem Pravda hat sich inzwischen eine wabernde, tobende Traube formiert, in einer riesigen Bierlache wartet man auf Einlass. Die hier Stehenden haben ihre Bierbecher höchstwahrscheinlich aus dem Kaffibarinn oder dem Sirkus mitgebracht, rausnehmen darf man nämlich, aber am nächsten Eingang muss es wieder ausgeschüttet werden.

          Wir versuchen nochmal, ins Sirkus reinzukommen, und scheitern wieder. Ist aber nicht schlimm, meint Elin. Wie's drinnen aussieht, könne man sich ja auf Youtube anschauen, da gebe es Björks Video zu „Triumph Of A Heart“, an Ort und Stelle gedreht von Spike Jonze.

          Weil die Runturerei allmählich zu anstrengend ist und das Bier beim Laufen dauernd aus den Bechern schwappt, hat uns Sara ins NASA navigiert, den amtlichen Livemusikladen. Ein klassischer Ballsaal mit geräumiger Bühne und Bargalerie, es ist gestopft voll, tantrisch toben die Nachtagenten, heute ist „Charity night for anorexic girls“. Damit Sara und Elin nicht abmagern, muss ich ihnen Bier bringen. Benny Crespo's Gang tobt auf der Bühne und produziert Schreie, schrille Synthie-Sounds und zersägte Gitarrenbretter. Die Sängerin trägt einen buntgetupftes Kleidchen und Haarspangen und tanzt elfengleich wie Björk.

          Die Bands werden stetig besser

          Der Saal fühlt sich bedrohlich, und Wolfgang, die nächste Band, legt eine härtere Gangart ein. Ob wir heute auch Drogen nehmen, frage ich Elin. Nein, Drogen seien hier viel zu teuer, schreit sie, zehn Pillen kosteten hundert Euro, ein Gramm Koks sogar hundertfünfzig, das sei doppelt so viel wie in Europa. Deshalb würden sie und Sara auf die legale Droge Skyr ausweichen, einen quarkähnlichen Frischkäse, den müsse ich mal probieren. Und während sie sich totlachen, darf ich wieder Bier anschleppen. Die Bands werden stetig besser, die tätowierten Oberarme der Drummer immer dicker

          Und nach einem halbstündigen Set kommt schon die nächste Gang. Show und Sound sind absolut perfekt, die Sugarcubes und Sigur Rós sind hier Standard, da hätte eine linkische Studentenband nichts zu melden. Stroboskope blitzen auf Leder und Strass, Jungs und Mädels tanzen wie Nordlichter am Himmel, die Atemluft hat 66 Grad nördlicher Breite - und dann kommen endlich die Headliner: Dr. Mister and Mr. Handsome, die waren in Island schon dreimal auf Nummer eins. Beatbox und Electrobass, zwei Tätowierte hüpfen, zetern, schreien, rappen in die Mikes und kopulieren auf der Bühne mit einem Clown.

          Nationalspeise: Hotdog

          Raserei am Polarkreis, durstige Mädchen fragen mich, ob sie von meinem Bier trinken dürfen, nur ganz kurz. Immer wieder kochen Applausgeysire empor, dann verschwinden die beiden Misters, und der Clown kriecht hinterher.

          „Meira, meira!“, schreit die Crowd und fordert eine Zugabe nach der anderen, doch ich kann nicht meira, muss ins Freie. Auch dort tobt der Mob, der hupende Gaudiwurm zieht weiter und weiter seine Kreise, wild und rastlos und ohne Ende partygeil. Ich schwächele. Elin findet das lächerlich. Wir stellen uns irgendwo an, kommen irgendwo rein, keine Ahnung, vielleicht war es das Apothek, das Gaukur A Stöng oder das Ömmukaffi - obwohl, nein, das Omacafé war ja immer noch geschlossen. Weil die Omas in Reykjavík ausgestorben sind, hier gibt's nur noch Partypeople. Elin hat Durst, und Sara beschimpft mich, dass ich den Wodka verschenkt habe.

          Zur Strafe gehen wir Hotdog essen, die Nationalspeise, nur gültig in der Version „Ein med öllu“, mit allem drauf: mit Remoulade und Ketchup, mit Senf und Zwiebeln, mit Kapern, Sardellen und Pfeffer und Koks, mit Viking und Walfleisch, mit Elfenhaar und Trollenschiss und Rambazamba, Meira, Meira. Ich bin am Ende. Rom war gestern, und Reykjavík ist morgen. Erst übermorgen ist alles vorbei.

          Informationen

          Iceland Express fliegt von Frankfurt, Berlin und Friedrichshafen nach Reykjavk. Touristische Auskünfte erteilt das Isländische Fremdenverkehrsamt, City Center, Frankfurter Straße 181, 63263 Neu-Isenburg, Tel.: 06102/254388, E-Mail: info@icetourist.de, www.visiticeland.com.

          Literatur

          Kristof Magnusson: „Zuhause“. Roman. Goldmann Verlag 2007. 320 S., br., 7,95 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Brite protestiert gegen den Brexit.

          FAZ Plus Artikel: Angst vor Brexit : Geht London der Blumenkohl aus?

          Viele Obst- und Gemüsehändler in der Markthalle von New Spitalfields, dem größten Umschlagplatz für frische Lebensmittel in der britischen Hauptstadt, fürchten sich vor dem Brexit. Sie bereiten sich schon jetzt auf den Mangel vor.
          Unser Sprinter-Autor: Carsten Knop

          FAZ.NET-Sprinter : Hätte, wollte, dürfte

          Eigentlich sollte am Dienstag das Brexit-Votum stattfinden. Eigentlich wollte Frankreichs Präsident Macron keine Zugeständnisse machen. Eigentlich dürfte die CDU keine politische Gestaltungsverweigerung mehr üben. Eigentlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.