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Harry Potter V : Im Bann des Guten

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Harry pubertiert, er ist abwechselnd gereizt, ausfallend oder wütend, und er muß nicht nur Zaubersprüche meistern, sondern auch das Leben verstehen lernen: Auch im fünften "Harry Potter" macht J.K. Rowling alles richtig.

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          Die Frage, ob Literatur den Charakter prägt, stellt sich nicht nur bei Kinderbüchern, aber dort besonders. Denn zweifellos verändert Lektüre unseren Blick auf die Welt. Daß Bücher, die diese Welt größer, rätselhafter und erhaltenswerter erscheinen lassen, süchtig machen können, hat niemand nachdrücklicher bewiesen als Joanne K. Rowling. Seit dem Sommer des Jahres 1997, als ein hünenhafter Struwwelpeter namens Hagrid auf einem Motorrad aus dem Himmel plumpste und einem erstaunten Elfjährigen mitteilte, er werde künftig die Zauberschule Hogwarts besuchen, ist diese Welt nicht mehr ganz dieselbe.

          Wild, abenteuerlich und spannend

          Mehr als drei Millionen Exemplare des neuen Bands, "Harry Potter and the Order of the Phoenix", sollen am vergangenen Wochenende bereits verkauft worden sein. Seitdem sie sogar die Queen überrundet hat, ist Frau Rowlings Vermögen legendär. Doch alles Geld der Welt kann den Druck, der auf der Schriftstellerin lastet, nicht wegzaubern. Drei Jahre mußte ihr Publikum auf Band fünf warten, und wer jetzt sagt, daß Enttäuschung meist vorprogrammiert ist, wo die Erwartungen so hoch sind, ist ein Spielverderber und ein Neidhammel.

          J. K. Rowling hat ihre Leser noch nie enttäuscht. Auch in "Harry Potter and the Order of the Phoenix" gibt es keine Anzeichen einer Ermüdung der Autorin, anders als Band vier, der stellenweise ein bißchen bemüht wirkte. Das neue Buch strotzt nur so von Einfällen, von liebevoll erdachten und gewohnt geschickt plazierten Details. Fäden, die in den früheren Bänden raffiniert ausgelegt wurden, werden hier wieder aufgenommen: Diesmal spielt etwa Mrs. Figg, die schrullige, katzenhaltende Nachbarin der Dursleys, eine erstaunliche Nebenrolle.

          "Harry Potter and the Order of the Phoenix" ist so wild, abenteuerlich und spannend wie seine Vorgänger, trotz der schwerfällig anmutenden Länge. Außerdem ist es, wie zu vermuten war, das bisher dunkelste Buch der Reihe, das psychologischste, gegen Ende auch das traurigste. Doch gerade weil die Finsternis allgegenwärtig ist, finden sich in diesem Band herrlich komische Episoden und Wortwechsel, geht es ein bißchen flotter, rabiater und schlagfertiger zu. (Zumal die Weasley-Zwillinge, von Harry gesponsort, geraten völlig außer Rand und Band.) Vor allem ist dieses der erste Band, der keine Auflösung hat, auf die die Autorin hinschreiben könnte. Zwar gibt es am Schluß den obligatorischen, kinematographisch inszenierten Show-down zwischen Harry und Voldemort, doch ist schon zu Beginn klar, daß der Kampf gegen das Böse am Ende dieses Bands nicht vorüber sein wird. Er hat erst richtig angefangen.

          Harry und der Große Bruder

          Sein fünftes Jahr in Hogwarts erweist sich für Harry als Serie schwarzer Tage. Zunächst einmal müssen Ron, Hermione und er frustriert feststellen, daß nur erwachsene Zauberer in den Phönix-Orden aufgenommen werden, der sich zur Bekämpfung Lord Voldemorts gebildet hat und dessen Hauptquartier sich im Londoner Haus seines Patenonkels Sirius Black befindet. Dann entpuppt sich die neue Lehrerin seines Lieblingsfachs, Verteidigung gegen Schwarze Magie, als sadistische Spionin des Zauberministeriums. Daß Dolores Umbridge Harry mit einem lebenslangen Quidditch-Bann belegt, gehört noch zu ihren harmloseren Strafen. Bald kontrolliert sie die gesamte Schule mit einer unverhohlenen Mischung aus Überwachung, Zensur und Brutalität, die manches totalitäre Regime blaß aussehen läßt.

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