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Frankreich - Paris : Dan Brown: „Sakrileg“

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Für die Satanisten hat Brown sieben Glasscheiben der Pyramide unterschlagen Bild: AP

Wer sich auf den Spuren des „Da Vinci Code“ durch Paris bewegt, wird dauernd darauf stoßen, dass Dan Brown sich die Wahrheit zurechtgebogen oder mutwillig verfälscht hat. Eine Vor-Ort-Recherche.

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          Die Mona Lisa also. Ein wahnsinniger Rummel um eine Frau, die nicht halb so schön ist, wie alle tun. Die berühmt ist um ihrer Berühmtheit willen. Etwa so wie Paris Hilton. In der Mitte eines Saals mit beigefarbenem Velours an den Wänden. Hinter Panzerglas. Von einem kleinen Spot angestrahlt, um dem Bild mehr Leuchtkraft zu verleihen - und mehr Geheimnis, als es aus der Entfernung der Absperrungen entwickeln kann. Wenn man da dann so steht, läßt sich gar nicht mehr erkennen, ob nicht vielleicht einfach nur ein Poster im Rahmen hängt. Fürs bloße Auge ist der Unterschied nicht auszumachen. Die Aura muß man schon glauben, aber das ist in der Welt der Reichen und Berühmten schließlich immer so. Die Mona Lisa ist also nichts weiter als ein Superstar unter den Gemälden, der gefangen ist im goldenen Käfig seines Ruhms.

          Und auch wenn die Mona Lisa in Dan Browns Bestseller „Da Vinci Code“, zu deutsch „Sakrileg“, keine so große Rolle spielt, so geht es doch genau darum: wie der Blick des Reisenden konditioniert wird und wie Sehenswürdigkeiten durch den Roman ihre eigene Geschichte bekommen, für die allemal gilt, daß eine schöne Lüge besser ist als die bloße Wahrheit. Wer sich auf den Spuren des „Da Vinci Code“ durch Paris bewegt, wird dauernd darauf stoßen, daß Dan Brown sich die Wahrheit zurechtgebogen oder mutwillig verfälscht hat. Den Spaß am Buch mindert das aber natürlich nicht, und auf den Führungen bilden gerade die Hinweise auf Browns Irrtümer den größten Reiz. Es wäre geradezu langweilig, wenn sich herausstellte, daß alles an der Geschichte der Wirklichkeit entspricht.

          Von der Polizei aus dem Schlaf geklingelt

          Die Führung von Classic Walks etwa beginnt um zehn Uhr vormittag auf der Place Vendôme vor dem Hotel Ritz, sie dauert gut zwei Stunden und kostet zwanzig Euro. Die Führerin heißt Mary Beth, kommt aus Texas und ist mit einem Franzosen verheiratet. Ein Dutzend Leute sind da, ein paar Paare aus England und Schottland, der Rest aus Amerika und dazu immerhin vier Journalisten, eine Kollegin von „Le Parisien“ und zwei sogar aus Hongkong. So kurz vor dem Start der Verfilmung von „Da Vinci Code“ ist das Thema naheliegend, und so ist es kein Wunder, daß Mary Beth auch schon in der Londoner „Times“ mit ihrer Führung auftauchte. Sie macht das auch sehr pfiffig, erzählt vom Plot des Romans gerade so viel, wie man wissen muß, um die Bedeutung der Schauplätze einordnen zu können, und hat im übrigen eine große Freude daran, aus den Ungereimtheiten des Buchs ihre Pointen zu basteln.

          Beginn der Führung: Vor dem Hotel Ritz auf der Place Vendôme
          Beginn der Führung: Vor dem Hotel Ritz auf der Place Vendôme : Bild: AP

          Das Ritz selbst ist als Schauplatz fürs Buch nicht wirklich wichtig, und Besuche von Touristengruppen sind wahrscheinlich auch nicht richtig erwünscht, deshalb wird nur kurz erzählt, was man übers Hotel und Hemingways Besuche dort wissen muß. Der Romanheld Robert Langdon nächtigt dort in „einem herrlichen Renaissance-Schlafzimmer mit den antiken Möbeln, einem mächtigen Mahagoni-Himmelbett und einem handgemalten Fresko an der Wand“. Klingt komfortabel und kostet von sechshundert Euro an aufwärts. Daß sich ein Harvard-Dozent für religiöse Symbologie wie Langdon so etwas leisten können soll, meint Mary Beth vergnügt, sei doch eher unwahrscheinlich. Falls aber einer der Teilnehmer an der Tour zufällig hier wohne, käme die Gruppe hinterher gerne auf einen Drink vorbei. Langdon hat im übrigen nicht viel von seinem luxuriösen Nachtasyl, weil er um halb zwei in der Früh von der Polizei aus dem Schlaf geklingelt und in den Louvre bestellt wird, von wo er so schnell nicht wieder ins Hotel zurückkehren wird.

          An der Stelle des Parks war einst eine Lehmgrube

          Wie es von dort weitergeht, hat sich Dan Brown wohl eher erträumt als auf dem Stadtplan oder in der Wirklichkeit überprüft. „In südlicher Richtung“, heißt es, werde Langdon „am Opernhaus vorbei“ über die Place Vendôme gefahren - die Oper liegt jedoch zwei Blocks nördlich und schon gar nicht auf dem kürzesten Weg Richtung Louvre, auch dann nicht, wenn man wie einst Dodi Al-Fayed und Prinzessin Diana die rückwärtige Garagenausfahrt nimmt.

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