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Albanien - Gjirokastër : Ismail Kadaré: „Chronik in Stein“

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Geschichte als Spielplatz: Ein Junge vor Festungsruinen in Berat Bild: F.A.Z. - Volker Mehnert

Albanien hat die besten Voraussetzungen für eine großartige touristische Karriere: unverbaute Strände, geheimnisvolle Ruinen, warmherzige Menschen. Konserviert von Raki, desinfiziert von Peperoni: Warum sich Gott in Albanien so wohl fühlt.

          Albanien hat die besten Voraussetzungen für eine großartige touristische Karriere: die letzten unverbauten Strände des Mittelmeers, die geheimnisvollsten römischen Ruinen jenseits von Pompeji, die warmherzigsten Menschen weit und breit - und doch ist der Aufschwung fern. Noch ist das ein Glück.

          Dieser Mann war durch und durch ein Extremist. Im Jahr 1967 erklärte er sein Land zum ersten atheistischen Staat der Welt. Moscheen und Kirchen ließ er in Lagerschuppen und Tennishallen umwandeln. Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika durften nicht einreisen. Privatautos waren verboten, sogar für Regierungsmitglieder. Radio Tirana ließ er rund um die Uhr in zwanzig Sprachen seine politischen Grundsätze verbreiten.

          Und als hätte er nicht schon genügend Feinde gehabt auf der Welt, legte er sich Schritt für Schritt mit seinen mächtigen Freunden an: zunächst mit dem jugoslawischen Nachbarn Tito, dann mit Chruschtschow, schließlich mit der Kommunistischen Partei Chinas. Am Ende stand er mit seinem Staat vollkommen allein da - so isoliert war in der europäischen Geschichte kein Land vorher oder nachher. Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod hat Albanien mit dem Erbe Enver Hoxhas noch immer seine Last und findet nur schleppend einen Weg hinein in die globalisierte Welt.

          Die Herren der Schöpfung zeigen sich am liebsten sitzend in der Öffentlichkeit

          Zahllose Bauruinen

          Siebenhunderttausend Betonbunker sind die dauerhafteste und sichtbarste Hinterlassenschaft des Hoxha-Regimes - siebenhunderttausend! Gebaut für einen oder zwei Mann Besatzung, in die Erde gegraben und mit einer Kuppel versehen, erinnern sie an graue, betonierte Iglus. Um eine imaginäre Invasion abzuwehren, ließ Hoxha die Bunker im ganzen Land verteilen: auf Kartoffeläckern, in Weingärten und Olivenhainen, auf Klippen und Sandstränden, auf Bergen und an Flussufern. Solide wie sie sind, lassen sie sich nur schwer zerstören, und weil die Menschen in Albanien derzeit anderes zu tun haben, bleiben sie ein skurriles Merkmal der Landschaft von Shqipëria, wie die Albaner selbst ihr Land nennen. Bauern benutzen sie gelegentlich als Heuschober, in Ferienorten an der Küste werden sie bunt bemalt, in Durrës hat jemand eine Bar daraus gemacht, und auf dem Basar in Krujë werden sie im Kleinformat schon als Souvenirs verkauft.

          Beton ist auch das Material der aktuellen Bauwut in Albanien. Sie hat inzwischen zu Tausenden von Gebäudeskeletten geführt, zwei- oder dreistöckige Betongerippe in allen Stadien des Rohbaus und der Vollendung. Wer nach dem Zusammenbruch des albanischen Sozialismus ein Stück Land sein Eigen nannte, wollte darauf auch ein Haus bauen. Die Ambitionen waren groß, die finanziellen Möglichkeiten gering, und so fing man erst einmal mit den betonierten Stützpfeilern an. Danach folgten im Erdgeschoss dann Läden oder Werkstätten, mit denen das Geld für den Rest des Hauses verdient werden sollte - eine pragmatische Vorgehensweise in Zeiten des wirtschaftlichen Aufbruchs, die nicht immer funktionierte. So blieben in Stadt und Land zahllose Bauruinen zurück. Ausgeufert ist diese Form des Bauens in den Küstenstädten Durrës und Sarandë, in denen sich zu viele Investoren einen schnellen Gewinn erhofften, der sich dann so rasch doch nicht einstellte. Dutzende halbfertiger Hotelbauten und leerstehender Apartmenthäuser sind dort an den Stränden aufgereiht und warten auf einen Aufschwung des Tourismus.

          Schreckenerregende Schluchten

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