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Afrika - Weißer Nil : Iija Trojanow: „Der Weltensammler“

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Richard Francis Burton Bild: Archiv

Ilija Trojanow erzählt von Richard Burton, einem der großen Abenteurer des 19. Jahrhunderts. Es ist unter anderem die Geschichte eines Mannes, der als erster Europäer über seine heimliche Pilgerfahrt nach Mekka und Medina schrieb.

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          Die Mail kam aus Lissabon und doch nicht aus Kapstadt, und außerdem war der Absender vorher in Bulgarien, wo er für sein neues Buch recherchiert hat. In zwei Tagen werde er von München aus wieder nach Indien fliegen, sagt Ilija Trojanow, und im übrigen sei das sein erster Winter seit fünf Jahren, weil er immer gerade dort gelebt hat, wo die Sonne schien.

          Es ist dann doch ganz praktisch, daß es heute E-Mail und Telefon gibt, wenn man mit einem reiselustigen Schriftsteller wie Trojanow Kontakt aufnehmen will, und nicht, wie zu Sir Richard Francis Burtons Zeiten, schleppenden Briefverkehr. Burton ist die Titelfigur in Trojanows Roman „Der Weltensammler“, einem wunderbaren und wundersamen Buch, das tief im 19. Jahrhundert spielt und doch so gegenwartsnah ist, wie man sich das nur wünschen kann.

          Es ist die Geschichte eines Mannes, der als erster Europäer über seine heimliche Pilgerfahrt nach Mekka und Medina im Jahr 1853 schrieb, der später in Afrika nach der Quelle des Weißen Nils suchte und seine Karriere als Offizier in Indien begonnen hatte. Ein fernes Echo von Karl May liegt über dem Roman, eine sublimierte Erinnerung an alte Abenteuerbücher, aber Ilija Trojanow hat die Welt eben nicht in Bibliotheken erkundet, er ist Burton nachgereist.

          Die Pilgerfahrt nach Mekka wird durch Protokolle und Briefwechsel der osmanischen Behörden rekonstruiert
          Die Pilgerfahrt nach Mekka wird durch Protokolle und Briefwechsel der osmanischen Behörden rekonstruiert : Bild: dpa

          Er ist Ende der neunziger Jahre nach Bombay gezogen. Er hat unter Deobandi gelebt, das sind indische Muslime, die, zu Unrecht, sagt Trojanow, unter Islamismusverdacht geraten sind. Er hat ihnen Englisch beigebracht, im Gegenzug haben sie ihn so weit im muslimischen Glauben unterwiesen, daß er ein Visum für Saudi-Arabien beantragen konnte. Er hat mit ihnen gebetet und gefastet, und so durfte er, anders als Burton, ohne Verkleidung nach Mekka und Medina reisen, worüber er auch ein Buch geschrieben hat, das „Zu den heiligen Quellen des Islam“ heißt.

          Eine Pilgerfahrt

          Burton, das ist ein Kindheitstraum. Trojanow, der 1965 in Sofia geboren wurde und in Kenia aufwuchs, hat ihn in einem Buch kennengelernt. „Explorers of Africa“ hieß es, die Eltern hatten es dem Zehnjährigen geschenkt. Und statt die wilden Tiere im Nationalpark zu beobachten, hat er an einem Wasserloch gesessen und dieses Buch verschlungen, weil sein Blick sofort von einem Mann angezogen wurde, der anders aussah, der anders gekleidet war, in ein wallendes orientalisches Gewand.

          Ein Mann, der in allen möglichen Ecken der Welt lebte und mehr als zwanzig Sprachen beherrschte, der 1890 als Konsul in Triest starb, wohin man ihn abgeschoben hatte. Nach seinem Tod verbrannte seine Frau die Notizbücher aus vierzig Jahren, die er als seinen größten Schatz mit sich führte, die er sich im Roman slapstickartig von diebischen Affen zurückerkämpft. Die Ehefrau hatte befürchtet, man könne biographische Rückschlüsse aus Burtons Interesse an bizarren sexuellen Praktiken ziehen. Es reichte ja schon, daß er das „Kamasutra“ übersetzt hatte und dazu noch die „Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“.

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