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Rocko Schamoni im Gespräch : Steckt der Humor in einer Sackgasse?

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Spackigkeit ist der Schmutz, der glänzt: Rocko Schamoni Bild:

Seit 1998 feiern Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger als „Studio Braun“ große Erfolge. Im Interview spricht Schamoni über Punk in Lütjenburg, sein anarchistisches Kunstverständnis und die Mario Barths dieser Welt.

          8 Min.

          Der Entertainer und Autor Rocko Schamoni war schon ein paar Stunden in der Sonne. Er stellt sein Fahrrad ins Büro im Hamburger Schauspielhaus und setzt sich aufs Sofa. Morgen, sagt er, muss er in seinen Pudelclub, zum Zaunstreichen.

          Durch die Theater-Fassung Ihres autobiographischen Romans „Dorfpunks“, die Sie im Team mit den beiden anderen Entertainern des Ensembles „Studio Braun“Sie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg inszeniert haben, geistern zahlreiche Anspielungen auf Goethes „Faust“. Wird die Geschichte Ihrer Jugend allmählich zum Mythos?

          Natürlich misstraue ich dem Begriff „Mythos“ und möchte so ein Phänomen an meiner Person auch gar nicht wachsen sehen. Mein früheres Kinderzimmer ist längst das Arbeitszimmer meines Vaters geworden, und ich glaube, dass sich zwanzig Jahre nach meinem Tod überhaupt niemand mehr an mich erinnern wird. Auch Lütjenburg wird keinen bleibenden Platz in der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte finden, es wäre deshalb von vorn herein sinnlos, irgendwelchen Zementkitt über meine Geschichte und die Stadt zu gießen und den dann auch noch mit Marmor auszumalen. Was den „Faust“ betrifft, so bin ich allerdings inzwischen an einen Entwicklungspunkt gelangt, an dem ich an ganz ähnlichen Themen und Problemen hängen bleibe wie Goethe. Dem Versuch zum Beispiel, das sogenannte „Böse“ zu erfassen, weil das Böse ambivalent ist.

          Der Maler Daniel Richter ist wie Sie im holsteinischen Lütjenburg aufgewachsen. Hat Ihre Heimatstadt vielleicht doch ein Geheimnis?

          Alles, was man über mein wunderbares Lütjenburg sagen könnte, wäre noch zu lebendig für das, was dort wirklich los ist. Wenn ich heute mal da bin, gehe ich immer zum Riesensupermarkt und sehe mir die Produktpalette an. Wenn ich Glück habe, wartet am Hansen-Rum-Regal manchmal ein alter Freund auf mich. Als Daniel und ich jung waren, war die Stadt vergleichsweise liberal, deswegen war Punk in Lütjenburg immer ein offenes Spiel.

          Sie haben damals Hühner mit der Mistgabel geschlagen und wollten auf einem Flohmarkt die Asche von Hitler verkaufen.

          Es hat uns geflasht, dass wir so brutal sein konnten, aber ich habe schon beim Heben der Mistgabel die Schuld gespürt und es dann auch bei dem einen Huhn belassen. Das mit der Asche war ein Gag, wir hatten damals auch Helmut Kohl im Angebot. Als Punk, der ich seit meiner Konfirmation war, hatte ich enorme Gewaltphantasien, aber die waren nie darauf ausgelegt, jemanden rockermäßig fertigzumachen. Die Gewalt, die im Punkrock ausgeübt wurde, war eher eine aufmüpfige, widerborstige Form von Gewalt, und die Punks, mit denen ich damals zu tun hatte, waren nie derbe Schläger. Wir waren alle eher Spinner.

          Wer war Tobias Albrecht?

          Tobias war ein vollkommen unaufgeblühtes Wesen, die erste Ausbeulung eines neuwachsenden Astes. Er hatte aber damals schon einen eigenen Stil und ganz klare Vorstellungen, welche Klamotten man tragen und welche Musik man hören müsse. Ich habe mich mit achtzehn oder neunzehn Jahren entschieden, diesen Namen aufzugeben, denn ich wollte ja ein Selbsterfundener sein. Tobias Albrecht ist insofern heute nur noch eine Begriffsbezeichnung, die benutzt wird, wenn man mich auf die Seite des Lebens zitiert, die ich eigentlich verlassen wollte: auf die staatliche Seite also.

          Was macht den Namen „Rocko Schamoni“ so cool?

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