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Tom Wolfe auf Hippie-Reisen : Im Samthöschen den Schlund hinunter

  • -Aktualisiert am

Zum dreißigsten Jahrestag des Summer of Love 1997 fährt der Nachbau in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland: Zwischenstopp in San Francisco Bild: AP

Mitten in den Sechzigern fuhr der legendäre Hippie Ken Kesey in einem psychedelisch-bunten Schulbus einmal durch Amerika. Tom Wolfes sehr schneller, irrer, weltverliebter Reisebericht „Electric Kool-Aid Acid Test“ ist jetzt in deutscher Neuausgabe erschienen.

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          Wo hat denn dieses Buch die ganze Zeit gesteckt? Das Buch einer Reise, so groß wie Amerika. 1964 war das, als Ken Kesey, der Autor von „Einer flog über das Kuckucksnest“, zusammen mit seinen Merry Pranksters in dem psychedelisch-bunten Schulbus, den sie „Furtherrr“ nannten, einmal durch Amerika fuhr und wieder zurück. Und Tom Wolfe im weißen Anzug zwischen all den Super-Hippies immer mit dabei, schrieb den Reisebericht dazu, ein sehr schnelles, irres, weltverliebtes Reisebuch.

          Die Aufgabe: „dieses Gefühl – hier draußen in der Nacht, frei, mit laufendem Motor, das Adrenalin am Pumpen, auf Kreuzfahrt durch die Neonpracht der Neuen Amerikanischen Nacht – es war der Himmel auf Erden, die erste Welle der außergewöhnlichsten Kinder in der Geschichte der Menschheit darzustellen“.

          Wolfes Buch erschien 1968 in Amerika unter dem Titel „The Electric Kool-Aid Acid Test“ und wurde eines der Grundlagenwerke des New Journalism, radikal subjektiv, spracherfindend, wörtersuchend, weltabbildend, ohne sich auch nur eine Sekunde um den Unterschied zwischen Journalismus und Literatur Gedanken zu machen. Mitschreiben, was ist. Die großen Geschichten des Lebens. Und dies war eine große Geschichte, obwohl es eigentlich nur der Ausflug einiger Musik- und Drogenfreunde mit dem Bus über Land war. Aber sie begriffen es als weltromantisches Projekt: „Alles würde zu einer einzigen großen Erfahrung verschmelzen, bei der alle Sinne weit offen sein müssten: Worte, Musik, Licht, Klänge, Berührungen – Blitze.“

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          Die Übersetzung: ein schlechter Witz

          In Deutschland erschien das Buch erst zwanzig Jahre später unter dem Titel „Unter Strom“ und kaum beachtet bei Eichborn. Dann bei Knaur, bis es in diesem Jahr also als Taschenbuch bei Heyne gelandet ist. Kein Wunder, dass das hier keiner liest: Die Übersetzung ist ein schlechter Witz, in all den Ausgaben ist es die gleiche, von Bernhard Schmid. Über die aktuelle Fassung heißt es vorne im Buch, es handele sich um eine vom Übersetzer durchgesehene Neuausgabe. Da wird er seinen Spaß gehabt haben beim Durchsehen, schade, dass er nicht wenigstens die allergröbsten Fehler beseitigt hat.

          Nein, Herr Schmid, „to give someone a lift“ wird man schon nach dem zweiten Jahr Schulenglisch nicht mehr mit „jemandem einen Lift spendieren“ übersetzen. Zum Beispiel weil man sich vielleicht einmal überlegt, ob es einen Sinn hat, was man da schreibt, wenn man schon nicht weiß, was es wirklich bedeutet. Das Buch ist in der deutschen Fassung – neuerdings unter dem Kombititel „Der Electric Kool-Aid Acid Test – Die legendäre Reise von Ken Kesey und den Merry Pranksters“ – nahezu unlesbar. Es wäre auch für einen sorgfältigeren Übersetzer eine Herkulesaufgabe gewesen, all die Wortgebilde, Interpunktionsideen, den ganzen Formationstanz der Grammatik des Originals ins Deutsche zu übertragen.

          Aber er hätte uns sicher einen Ken Kesey erspart, der Sätze sagt wie diesen: „Na ja, Gutster, ich weiß net, ich kann dir da wirklich net recht geben.“ Aaaaah! Slang und Dialekte sind immer heikle Übersetzungsprobleme. Aber warum muss Ken Kesey aus den Wäldern von Oregon reden wie ein alteingesessener Mannheimer? Kesey kam nicht aus Mannheim, und es scheint auch kaum lautmalerische Parallelen zwischen pfälzischem Neckargesangsdeutsch und nordwestamerikanischem Bauernslang zu geben. Im Original lautet der Satz: „Well, bub, I dunno, I cain’t exactly go along with you there.“

          Reise in den Wahn

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