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Tolkiens „Fall von Gondolin“ : Der Untergang der unsichtbaren Stadt

Die Entstehungsgeschichte der Orks

Diese erste Version der Gondolin-Geschichte ist die einzige fertig auserzählte – alle folgenden, von denen der Band noch fünf weitere, ganz unterschiedliche enthält, sind entweder knappe Zusammenfassungen oder weiter ausholende Gedichte oder Erzählungen, die Fragment geblieben sind. Bemerkenswert ist aber, wie sehr Tolkien in dieser frühesten Fassung Tuors Künstlertum betont. Er ist ein offenbar ausgezeichneter Musiker, und in der Idylle am Flussufer, wo ihn der Meergott trifft, betätigt er sich als ein zweiter Adam, der allem, was ihm begegnet, Namen verleiht, die er in seine Harfenlieder einflicht – in späteren Fassungen fehlt diese Dimension.

Nicht nur die Geschichte überzeugt: Das Buch enthält zahlreiche Illustrationen von Alan Lee

Wer nun im riesigen Nachlass Tolkiens, soweit publiziert, auf der Suche nach Berührungspunkten mit dem „Herrn der Ringe“ ist, der wird in diesem Text eher fündig als in manchen anderen. Nicht nur, weil vertraute Namen wie Glorfindel oder Legolas begegnen (wenn sie auch wohl andere Personen meinen als die Protagonisten im „Herrn der Ringe“), weil die Entstehungsgeschichte der Orks erzählt wird, die schrecklichen Balrogs beschrieben werden, mit denen es Gandalf und die Gefährten in den Minen von Moria zu tun bekommen, oder weil auch hier in höchster Gefahr ein rettender „König der Adler“ erscheint. Die Geschichte von Gondolin ist auch erzählerisch mitunter auf der Höhe des späteren Großromans, etwa in den Szenen der Eroberung der Stadt, ausgerechnet an einem hohen Festtag Gondolins, die eine unmittelbare visuelle Kraft besitzen und geschrieben sind, als wäre eine kommende Verfilmung schon mitgedacht: „Die Sonne ist hinter den Bergen versunken, und das Volk reiht sich emsig und freudig zum Fest auf – und blickt voll Erwartung nach Osten. Seht! Als die Sonne verschwunden und alles dunkel war, glomm plötzlich ein neues Licht auf, doch es kam von jenseits der nördlichen Höhen, und die Gondothlim waren verwundert und liefen auf den Mauern und Brustwehren zusammen.“

Das Licht wird rot und groß und entpuppt sich schließlich als Feuerschein von Melkos Metallmonster in Drachen- oder Schlangenform, die bei der Eroberung von Gondolin besonders effektiv sind, weil sie kriechend Höhenunterschiede und sogar Mauern überwinden – es wäre reizvoll, ihr Erscheinungsbild und ihre Wirkung in der Schlacht mit Tolkiens Erfahrungen im Ersten Weltkrieg zusammenzubringen. Und es sind farbige Szenen wie diese, die es nicht abwegig erscheinen lassen, dass wir Gondolins Untergang eines Tages auf der großen Leinwand sehen werden. Wer aus dem schmalen „Hobbit“ knapp acht Stunden Film macht, der sollte auch das hinbekommen.

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