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Zwei Bücher über den Krieg von Barbara Kuchler und Ian Morris : Mit den Siegern kam die Sicherheit

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Bild: Campus

Früher wollte man Kriege gewinnen, heute will man sie vermeiden: Barbara Kuchler und Ian Morris denken über die veränderte Wahrnehmung kriegerischer Gewalt von der Steinzeit bis heute nach.

          Kann Krieg zu etwas gut sein? In Deutschland gilt dies seit 1945 als eine rhetorische Frage. Ernsthaft gestellt wird sie allenfalls, wenn Entscheidungen über Interventionen in Krisenregionen auf die politische Tagesordnung kommen. Doch auch dann wird diese Frage meist mit einem Nein beantwortet - eine Reaktion, die zunehmend auch bislang eher interventionsbereite Mächte des Westens wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Frankreich zeigen.

          Umso mehr dürfte das neue Werk von Ian Morris die westliche Öffentlichkeit irritieren. Der in Stanford lehrende Historiker stellt die These auf, dass Krieg sehr wohl zu etwas gut sei. Er habe die Menschheit - auf lange Sicht - sicherer und reicher gemacht: „Krieg ist die Hölle; nur dass die Alternativen - wieder auf lange Sicht betrachtet - schlimmer gewesen wären.“ Um seine These zu belegen, unternimmt Morris einen Ritt durch die kriegerische Geschichte der Menschheit.

          Monokausale Erklärung

          Hier macht er vier Langzeitentwicklungen aus, auf denen er seine Argumentation aufbaut. Zunächst hätten Kriege zu zahlenmäßig größeren Gesellschaften höherer Ordnung geführt und diese zu einem verminderten Risiko, dass eines ihrer Mitglieder eines gewaltsamen Todes sterbe. Zum Beleg macht Morris eine einfache Rechnung auf: Schätzungen zufolge wurden in den Gesellschaften der Steinzeit zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Menschen durch ihre Mitmenschen getötet. Demgegenüber stellt er das zwanzigste Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen, einer Reihe von Völkermorden und staatlich inszenierten Hungerkatastrophen. Da 1945 rund zweieinhalb Milliarden Menschen auf der Welt lebten und am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts sechs Milliarden, machen die hundert bis zweihundert Millionen kriegsbedingten Toten „nur“ ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung in diesem Zeitraum aus.

          Damit ist nach der Gleichung von Morris die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen im zwanzigsten Jahrhundert, gewaltsam oder durch die Folgen von Gewalt ums Leben zu kommen, zehnmal geringer als in der Steinzeit. Scheint Morris von dieser Statistik selbst ein wenig überrascht, so bietet er eine Erklärung für sie an, die in der Tat „noch weit mehr überrascht“ - allerdings weniger im Sinne von Morris in seiner selbst gewählten Rolle des Advocatus Diaboli, sondern aufgrund ihrer ahistorischen Monokausalität - andere grundlegende Entwicklungen wie die Entstehung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ausblendend: „Was die Welt um so vieles sicherer gemacht hat, war nichts anderes als der Krieg.“

          Allzu schlicht

          Das sei dadurch gekommen, dass vor etwa zehntausend Jahren die Sieger von Kriegen die Besiegten größeren Gesellschaften einzuverleiben begannen, die wiederum nur funktionieren konnten, wenn ihre Herrscher stärkere Staaten entwickelten. Mit das Erste, wofür diese Staaten hätten sorgen müssen, wollten sie an der Macht bleiben, sei die Unterdrückung der Gewalt innerhalb der Gesellschaft gewesen. Die historische Nebenwirkung: der Rückgang gewaltsamer Todesfälle zwischen der Steinzeit und dem zwanzigsten Jahrhundert um neunzig Prozent.

          Allzu schlicht wirkt auch die Schlussfolgerung aus einer zweiten Beobachtung, die Morris bei der Betrachtung der Menschheitsgeschichte gemacht haben will: Krieg sei zwar die schlimmste Methode zur Schaffung größerer, friedfertigerer Gesellschaften, aber andererseits so ziemlich die einzige, auf die der Mensch gekommen sei. Auch die dritte Langzeitentwicklung, die Morris auszumachen meint, soll seine These untermauern: So wie die vom Krieg geschaffenen größeren Gesellschaften den Menschen ein sichereres Leben beschert hätten, so hätten sie „uns“ auch reicher gemacht - durch wirtschaftliches Wachstum und steigende Lebensstandards.

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