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: Zwanzig Liebeserklärungen

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Jahr für Jahr bieten die liebevoll gemachten Bände zur Retrospektive all jenen Trost, die während des Festivals keine Zeit für die filmhistorischen Reihen finden. In diesem Jahr versammelt der reichbebilderte Katalog, dem wir unsere Fotos entnehmen, zwanzig Starporträts, geschrieben von zwanzig Frauen. Bei ...

          10 Min.

          Jahr für Jahr bieten die liebevoll gemachten Bände zur Retrospektive all jenen Trost, die während des Festivals keine Zeit für die filmhistorischen Reihen finden. In diesem Jahr versammelt der reichbebilderte Katalog, dem wir unsere Fotos entnehmen, zwanzig Starporträts, geschrieben von zwanzig Frauen. Bei uns wiederum schreiben in deutlich kürzeren Stücken ausschließlich Männer (allerdings nur fünf) über die Traumfrauen der fünfziger Jahre, die Hans Helmut Prinzler ausgesucht hat. (lue.) HARRIET ANDERSSON.

          * 1932.

          "Monika . . . ist für das heutige Kino, was Birth of a Nation für das klassische Kino war", hat der junge Godard geschrieben, lange vor "Außer Atem". Und Monika war Harriett Andersson. Mit ihr fing alles an, mit ihrem Bild auf den Plakaten, der halb entblößten Brust, dem Mädchengesicht mit den wehenden Haaren, dem Versprechen von Jungsein und Lust. Einmal schaut sie in Ingmar Bergmans "Sommer mit Monika" direkt in die Kamera, ein Moment, den Truffaut später in "Sie küßten und sie schlugen ihn" zitierte, und man begreift, daß es das war, worauf das Kinopublikum der fünfziger Jahre gewartet hatte: der Blick des wirklichen Lebens, einer neuen Generation, einer neuen Zeit. Später durfte Harriet Andersson sich für Bergman, Lumet, Siodmak, Donner, von Trier noch viele Male verwandeln, aber mit Monika hat alles begonnen, der Sinn, die Sinnlichkeit, für immer.

          kil.

          AUDREY HEPBURN.

          * 1929, + 1993.

          Die Augen! Wie sie leuchten, als Spirituosen-Nachschub auf der Party eintrifft. Genau mit demselben Glanz wie wenig später bei der Ankunft des vermuteten Millionärs Rusty Trawler. Es ist eine Szene, die Truman Capotes literarische Vorlage an Lebensfreude und Seinsvergessenheit noch übertrifft, die in ihrem abstrusen Gewimmel bereits Tatis "Playtime" vorwegnimmt - und die Audrey Hepburn in nie wieder erreichter Schönheit zeigt. 1961 drehte Blake Edwards "Frühstück bei Tiffany's", die zum Weinen schöne Tragikomödie einer jungen Lebefrau in einem New York, das nur erbaut zu sein scheint, um als Kulisse zu dienen. Und mit einer Audrey Hepburn, die den tiefsttraurigen Satz aller Liebesfilme spricht: "People don't belong to people." Sie hat gelogen. Sie gehört uns, mit Haut und Haaren. Und vor allem den Augen!

          apl.

          DORIS DAY.

          * 1924.

          Doris Day? Ein Fall für den filmästhetischen Rettungsdienst. Die große amerikanische Komödiantin wird heute meist ver- statt belacht: für Klamotten wie Frank Tashlins "The Glass Bottom Boat" von 1966 etwa, das letzte Aufkreischen des alten Komödienprinzips, bevor "New Hollywood" die Macht an sich riß. Doris Day aber ist mehr als das Blondchen vom Dienst. Begonnen hatte sie als Sängerin, und nahezu in jedem Film mußte sie später zumindest die Titelmelodie trällern. Die Produzenten hatten so unrecht nicht; sie hatte wirklich eine schöne Stimme. Und ein sicheres Gespür für Pathos, selbst noch im humoristischen Fach. Ausgerechnet in "The Glass Bottom Boat" findet sich eine rührende Hommage, als sie selbst noch einmal "Qué serà" singt, das Lied aus ihrem besten Film: Hitchcocks "Man Who Knew to Much" von 1956.

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