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Zum 150. Todestag : Ein Auge auf Himmel und Erde

  • -Aktualisiert am

Alexander von Humboldt Bild: dpa

Wer war der Universalgelehrte Alexander von Humboldt? Zum 6. Mai, dem 150. Todestag, klärt eine Reihe von Büchern über seine Bedeutung auf. Henning Ritter hat sie gelesen und sich vor allem für einen Band begeistert.

          Heute gehört es zu den unzweideutigen Ruhmestiteln Alexander von Humboldts, dass er sich ohne jeden Vorbehalt gegen die Sklaverei ausgesprochen hat. Spätere Übersetzer und Bearbeiter seines Reisewerkes haben die Deutlichkeit seiner Formulierungen oft abgemildert oder diese ganz unterschlagen. Sein Blick auf die Sklaverei war bestimmt vom menschenrechtlichen Pathos der Anfänge der Französischen Revolution, die er in Paris erlebt hatte.

          So schrieb er in seiner südamerikanischen Reise: „Die Menschenliebe besteht nicht darin, ,ein wenig Stockfisch mehr und ein paar Peitschenhiebe weniger' zu geben. Eine wahre Hebung der geknechteten Klasse muss sich auf die ganze moralische und physische Stellung des Menschen erstrecken.“Weniger pathosgeladen, aber doch nicht weniger deutlich hat Humboldt zu einer Zeit, als er damit allein stand, Gefahren und Risiken bemerkt und beschworen, die wir heute als ökologische bezeichnen. Der Raubbau an der unberührten Natur stand ihm ebenso vor Augen wie die Klimaänderungen durch menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt der Natur.

          Die unselige Folge der Übersetzungen

          Manche der Gedanken, die uns heute gleichsam unmittelbar anspringen, sind in seinem monumentalen Lebenswerk eher verborgen geblieben, als dass sie die Leser auf neue Wege gelockt hätten. Dem Echo bei seinen deutschen Bewunderern hat er durch seinen wissenschaftlichen Ehrgeiz und seine Großzügigkeit in gewisser Weise selbst im Wege gestanden. Wie er die große Expedition „in die Äquinoktialgegenden“ aus seinem eigenen Vermögen finanziert hatte, so auch ihre Auswertung in dreißig Bänden.

          Die Ausgabe war, vor allem durch die aufwendigen Abbildungswerke, für bürgerliche Budgets unerschwinglich. Dass Humboldt sie in der Wissenschaftsmetropole Paris erscheinen ließ, natürlich auf Französisch, hing zweifellos mit der Erwartung zusammen, dass sie sich nur hier und für ein Weltpublikum „rechnen“ würde.

          Der Zug ins Große, der den meisten wissenschaftlichen Unternehmungen Humboldts eigen ist, stellte sich ihrer populären Wirkung entgegen. So begann die unselige Folge der Übersetzungen, Bearbeitungen und Auszüge, die weit bis ins zwanzigste Jahrhundert das Bild des Schriftstellers in ein ungewisses Licht rückte, überhaupt den Zugang zum authentischen Humboldt verstellte. Es ist eine traurige Chronik bis in die jüngste Zeit, die der Potsdamer Romanist Ottmar Ette detailliert nachzeichnet, wobei sich nach seinen Ermittlungen noch bis in die jüngste Zeit handwerkliche Mängel der Übersetzungen mit absichtlichen inhaltlichen Entstellungen verbinden.

          Darwins Leitfaden war strikter

          In seinem abschließenden, großen Werk „Kosmos“ hat Humboldt in seinen späten Lebensjahren für diese Kommunikationsmängel Abhilfe zu schaffen gesucht, indem er in seinen immens erfolgreichen Berliner Vorträgen und Vorlesungen den direkten Zugang zum Publikum suchte und offenbar in einer damals beispiellosen Weise auch fand. Bei Erscheinen des ersten der fünf Bände dieses „Entwurfs einer physischen Weltbeschreibung“ war der Autor fünfundsiebzig Jahre alt. Er erlebte den Abschluss der Publikation seiner Summa (1845 bis 1862) nicht mehr.

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