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Carola Racketes neues Buch : Zeit für zivilen Ungehorsam

  • -Aktualisiert am

Carola Rackete posiert bei einer Blockade der Umweltschutzbewegung „Extinction Rebellion“ vor der Berliner Siegessäule. Bild: dpa

Heldin, Unruhestifterin und jetzt Autorin: Carola Rackete macht sich in ihrem Buch für eine bessere Welt stark. Müssen wir deshalb die Demokratie abschaffen?

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          Carola Rackete hat es in nur vier Monaten geschafft, sich von einer umjubelten Leitfigur zur verdächtigen Unruhestifterin zu mausern. Während die Kapitänin der Sea-Watch 3 im Sommer noch von vielen dafür bewundert wurde, ein Verbot des damaligen italienischen Innenministers Matteo Salvini ignoriert und 53 Flüchtlinge in den Hafen von Lampedusa gebracht zu haben, wird ihr heute mitunter vorgeworfen, sie spalte die Gesellschaft. Schuld daran sind zugespitzte Äußerungen in Interviews und in ihrer gerade veröffentlichten Streitschrift. Sie trägt den Titel „Handeln statt hoffen“ (Droemer/Knaur) und kreist um die Rettung der Welt. Wer sich ein solches Projekt vornimmt, unser Wirtschaftssystem auf links drehen möchte und den zugehörigen Masterplan auf gerade mal 170 Seiten ausbreitet, wirft sich den Kritikern gleichsam zum Fraß vor. Und die lassen sich nicht lange bitten. Vielmehr geben sie einem Beißreflex nach, der so aggressiv ausfällt, als hätten sie die wahre Bedrohung der Menschheit erkannt: Carola Rackete.

          Kai Spanke

          Redakteur im Feuilleton.

          Eine derartige Verfallskurve ist symptomatisch und lässt sich momentan besonders gut bei Greta Thunberg beobachten. Einst war sie jene Galionsfigur, die das Establishment nötig hatte, um in mehreren Wellen der Selbsterkenntnis einen umweltfreundlicheren Lebenswandel anzupeilen. Ihre Auftritte muteten magisch an, die von ihr initiierte Bewegung „Fridays for Future“ wirkte „larger than life“ – und ihre Verehrung erinnerte an einen Heldenkult ideologischer Couleur, wie man ihn eigentlich nur noch in augenzwinkernder Form von Che-Guevara-T-Shirts kannte. Dann kam der UN-Klimagipfel, und aus der Lichtgestalt wurde für viele eine nervtötende Göre. Im Fall von Carola Rackete regten sich erste Zweifel, als sie Anfang Oktober an der Berliner Siegessäule eine Rede für die Umweltschutzinitiative „Extinction Rebellion“ hielt. Die Gruppe ruft zu zivilem Ungehorsam auf und markiert sogar der ehemaligen Radikalökologin Jutta Ditfurth zufolge eine gefährliche Entwicklung: „XR, diese Weltuntergangssekte, macht das Anliegen eines rationalen … Widerstands gegen die Klimakatastrophe lächerlich und schadet sehr.“

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