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Wolfgang Sofsky: Todesarten : Untröstlichkeit ist seine Pflicht

Bild: Verlag

Hart der Stil, präzise die Beobachtungen und noch angesichts des Ärgsten ohne Erbaulichkeit: Wolfgang Sofsky beschreibt mit großer Genauigkeit Bilder von Gewalt und Tod.

          Wüsste man es nicht, man würde es kaum glauben, dass Wolfgang Sofsky als Soziologe und politischer Theoretiker begonnen hat. Denn so konzentriert kann er über Bilder sprechen, so nah an den technischen Prozeduren der Malerei, der Komposition, dem Kolorit und am spezifischen Licht, das auf den Bildern liegt, an den Unterschieden der Bearbeitung eines Motivs bei diesem und bei jenem Maler, im frühen und im späten Werk eines und desselben, dass man über die Sachlichkeit staunt, die man nur einem eminenten Kenner oder einem Kunsthistoriker vom Fach zugetraut hätte. Man könnte von einem „iconic turn“ der Kulturwissenschaften reden, aber Sofsky lässt diese Phrase weit hinter sich. Man glaubt, die Bilder mit ihm zum ersten Mal zu sehen.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Und doch ist diese Schicht der Analyse kein Selbstzweck. Es geht wirklich um das, was der Titel dieses Buches sagt: um die Gedanken über den Tod, die sich in der Betrachtung dieser Bilder erschließen lassen. Diese Konzentration auf Gewalt und Tod ist neu. Sicher hat sie etwas mit den Kriegen zu tun, in die westliche Gesellschaften, auch Deutschland, seit anderthalb Jahrzehnten wieder verwickelt sind, ohne dass sie sich für längere Zeit einen Reim darauf machen konnten. Also gibt es auch einen „violent turn“, der dem offiziellen Meiden des Wortes „Krieg“, mit dem wir lange leben mussten, gar kein Argument mehr, sondern nur die Kraft der Tatsachen entgegenstellt, auch wenn Sofsky nicht auf die spezifisch deutschen Beiträge etwa in Afghanistan eingeht.

          Die Sache ist ganz schön verstörend

          Aber Vorsicht: Dieses Meisterwerk ist kein Geschenkbuch für die besinnlichen Tage des Jahres. Man ist es als Leser nicht mehr gewohnt, erstens, Texten von einer solchen Dichte zu begegnen und zweitens, mit einem solchen Gegenstand konfrontiert zu werden. Sofsky erspart dem Leser nichts von den Grausamkeiten. So viel Mühe, wie die Maler sich bei den anatomischen Details gegeben haben, verdient einen näheren Blick. Und dass die Gewalt nun in den Kontext künstlerischer Virtuosität und artistischen Kalküls tritt - vorzüglich herausgearbeitet an Hans Baldung Griens „Herkules und Antäus“ -, macht die Sache nicht leichter, sondern verstörender.

          Der Stil dieses Buches ist hart und von äußerster Präzision. Die Genauigkeit in der Sache, möchte man vermuten, ist die einzige, und zwar unausgesprochene Moralität, die sich der ausdrückliche Text eher versagt. Die Lehre der Geschichten wird nicht als solche affichiert, sondern geht aus der Darstellung, aus dem Ton selbst hervor. Was die literarische Meisterschaft betrifft und das Finden eines Stils, einer ausgekühlten und dennoch bebenden Sprachgewalt, so könnte man Sofskys Buch am ehesten vergleichen mit Jörg Friedrichs Bombenkriegs-Monographie „Der Brand“ - es gab diesen Stil nicht, bevor diese Gehalte analysiert wurden.

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