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: Woher hat er das bloß?

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Was ist der Unterschied zwischen einem Videoband und dem Kampf der Kulturen? Auf die Frage "Läuft das Band?" ist die Antwort "Ja doch" statthaft, weil Surren und Blinken der Kamera beglaubigen, daß tatsächlich fürs Familiengedächtnis auf Band gebannt wird, wie das von der Mutter jenseits des Atlantiks gestiftete Klavier im deutschen Familienkreis ankommt.

          Was ist der Unterschied zwischen einem Videoband und dem Kampf der Kulturen? Auf die Frage "Läuft das Band?" ist die Antwort "Ja doch" statthaft, weil Surren und Blinken der Kamera beglaubigen, daß tatsächlich fürs Familiengedächtnis auf Band gebannt wird, wie das von der Mutter jenseits des Atlantiks gestiftete Klavier im deutschen Familienkreis ankommt. Um zu entscheiden, ob der Kampf der Kulturen läuft, reicht Hingucken und -hören nicht aus. Man muß Bücher studieren und vor allem Videobänder, die etwa das Verbrennen von Strohpuppen in Papstgewändern zeigen und den Kampf angeblich dokumentieren, jedenfalls aber anheizen. Wo der Heimfilmer nur dann als Schauspieler auf dem Band erscheint, wenn dieses unabhängig von seinen An- und Absichten tatsächlich läuft, da macht sich der Beobachter, indem er erklärt, daß er einen Kampf der Kulturen ablaufen sieht, zum Mitkämpfer. Auf diesem Feld kann es nur die mehr oder minder gut begründete Meinung geben, wie sie ausdrücklich auch Hans-Ulrich Wehler im Gespräch mit einem Schüler und einem Enkelschüler vorbringt: "Ich bin der Meinung, daß der ,Kampf der Kulturen' schon läuft und nicht erst zu befürchten ist."

          Der Bielefelder Emeritus verbürgt sich für die Autorität des Autors, der die Nachricht von diesem Kampf in die Welt gesetzt hat. "Huntington, den ich 1972 kennengelernt habe, ist ein wise old bird." Als ein solcher Schlauvogel möchte auch Wehler erscheinen, der im Alter von fünfundsiebzig Jahren auf seine Wirksamkeit als Historiker zurückblickt. Für seine "Generation, die den Krieg noch zu spüren bekommen hatte", die ein wenig älteren Flakhelfer wie die im Schnitt ein paar Jahre jüngeren Kollegen, mit denen er eine Schule unter dem Firmenschild einer "Historischen Sozialwissenschaft" gründete, nimmt Wehler ein Losungswort in Anspruch, hinter dem sich jüngst noch Günter Grass verschanzte: Es war "klar, daß sie den Mund aufmachten, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab". Die "kritischen" Historiker mußten sich an die deutsche Tradition der politischen Professoren gar nicht erinnern. Man hat "in dem Beruf" eben "so viele Gelegenheiten". Als Abfolge mit Entschiedenheit ergriffener Gelegenheiten erzählt Wehler die Geschichte seiner Berufstätigkeit. Was seiner "Generation sehr entgegenkam, war die Veränderung in den Medien, daß allmählich eine linksliberale Öffentlichkeit entstand, die es am Anfang nicht gab". Ursprünglich wollte er selbst "zur Zeitung" gehen. Der Vormarsch der weißen Jahrgänge wird in militärischem Vokabular geschildert: In die Redaktionen "rückten überall Studienfreunde oder Bekannte ein, so daß man in einem ganz ungewöhnlichen Maße - wenn ich das im Vergleich mit anderen Länder sehe - schnell Zugang zu Medien hatte, wenn man es wollte".

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