https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/wissenschaftsgeschichte-vater-der-quanten-1550221.html

Wissenschaftsgeschichte : Vater der Quanten

Max Planck in seiner Bibliothek, am 15. April 1933 Bild: AP

Der Wissenschaftshistoriker Dieter Hoffmann hat zum 150. Geburtstag Max Plancks eine vorzügliche knappe Darstellung des physikalischen „Revolutionärs wider Willen“ vorgelegt.

          1 Min.

          Zwei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wurde dem damals bereits zweiundsechzigjährigen Max Planck der Nobelpreis für Physik zugesprochen. Die Begründung führte das Verdienst an, das Planck sich durch die Entdeckung der "Elementarquanta" um die Entwicklung der Physik erworben habe. Die Einsicht in die Unausweichlichkeit der Quantisierung physikalischer Messgrößen hatte sich unter Physikern erst langsam etabliert, und noch war eine konsistente Theorie dieses Vorgehens gar nicht gefunden. Planck selbst ist für die Skepsis gegenüber den von ihm auf den Weg gebrachten Quanten ein gutes Beispiel. Zwanzig Jahre zuvor hatte er das Wirkungsquantum ins Spiel gebracht. Aus seiner "glücklich erratenen Interpolationsformel" machte Einstein dann 1905 mit den Lichtquanten physikalischen Ernst. Planck allerdings bemühte sich noch lange, klassische Vorstellungen in die neuen Verhältnisse hinüberzuretten. Bewährte Bestände waren für ihn möglichst zu bewahren. Darauf hat man das Wort von Planck als "Revolutionär wider Willen" gemünzt.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Wie es zu verstehen ist, kann man in der vorzüglichen Darstellung Dieter Hoffmanns nachlesen. Er skizziert Plancks Beiträge zur modernen Physik und führt den prominenten Wissenschaftsmanager und akademischen Repräsentanten vor Augen, der die Tugenden genauso wie die politischen Beschränkungen der wissenschaftlich-kulturellen Elite seiner Generation verkörperte. Zu retten, was für die Wissenschaft zu retten war, blieb die Maxime des ordnungsbewussten und staatstreuen Wissenschaftsfunktionärs nach 1933. Sie führte zur reibungslosen Gleichschaltung der Akademie der Wissenschaften und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die Planck nach 1945 noch einmal kurze Zeit leitete. 1949, zwei Jahre nach seinem Tod, erhielt sie den Namen Max-Planck-Gesellschaft.

          Dieter Hoffmann: "Max Planck". Die Entstehung der modernen Physik. Verlag C. H. Beck, München 2008. 128 S., br., 8,20 Euro

          Weitere Themen

          Skulpturen auf Bleistiftspitzen Video-Seite öffnen

          Kunstwerke in XXS : Skulpturen auf Bleistiftspitzen

          Der bosnische Künstler und Bildhauer Jasenko Đorđević schafft es, unglaublich winzige und dennoch detailreiche Skulpturen aus Bleistiftminen zu erschaffen. Seine Miniaturkunst zeigt er in Ausstellungen in ganz Europa.

          Topmeldungen

          Hamburg: Ein Airbus-Transportflugzeug vom Typ Beluga fliegt im Landeanflug auf das Werksgelände in Finkenwerder über ein riesiges Containerschiff.

          Milliardär Gianluigi Aponte : Das Meer ist nicht genug

          Gianluigi Aponte, Gründer des Weltmarktführers MSC, greift mit der Lufthansa nach dem Nachfolger der Airline Alitalia. Nicht nur in der Seefahrt hat er seine Finger im Spiel. Wer ist der diskrete Milliardär?