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: Wiedersehen in Trent Park

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LONDON, 21. NovemberNichts auf der Website der Middlesex University weist auf die Geschichte des herrschaftlichen Anwesens Trent Park hin, wo die über verschiedene Gelände verteilte Hochschule nun mit einigen ihrer Fakultäten angesiedelt ist. Dort steht lediglich, das Herrenhaus inmitten eines malerischen Landschaftsparks sei "Teil einer Mischung aus alten und neuen Gebäuden".

          LONDON, 21. November

          Nichts auf der Website der Middlesex University weist auf die Geschichte des herrschaftlichen Anwesens Trent Park hin, wo die über verschiedene Gelände verteilte Hochschule nun mit einigen ihrer Fakultäten angesiedelt ist. Dort steht lediglich, das Herrenhaus inmitten eines malerischen Landschaftsparks sei "Teil einer Mischung aus alten und neuen Gebäuden". Kein Wort über die Monarchen, die hier am nördlichen Rand der Hauptstadt dem Jagdvergnügen frönten, oder über den in der Gesellschaft hochangesehenen Arzt Richard Jebb, dem Georg III. ein Stück des königlichen Jagdgebietes übergab aus Dankbarkeit für die Heilung seines jüngeren Bruders. Der war in Trient (Trento) erkrankt, daher der um das "o" beraubte Name des Hauses, das Jebb im späteren achtzehnten Jahrhundert dort errichtete.

          Auch die Ära der Sassoons, jener aus Bagdad stammenden jüdischen Kaufmannsfamilie, die als die Rothschilds des Ostens bezeichnet worden sind, findet keine Erwähnung. Dabei erwachte Trent Park in den Zwischenkriegsjahren, als Sir Philip Sassoon, Vetter des Dichters Siegfried Sassoon, hier nach den Worten eines Historikers "ein vergoldetes Scheinbild des englischen Landlebens" schuf. Der konservative Politiker "Chips" Channon beschrieb Trent als "Traumhaus, perfekt, luxuriös, gekennzeichnet von dem exotischen Geschmack, der von jedem Sassoon-Schloss zu erwarten ist". Hier spielte der Herzog von York, später Georg VI., Golf, während seine Frau in Sassoons Privatflugzeug eine Runde über dem Park drehte; hier stritt sich Winston Churchill beim Tee mit George Bernard Shaw; hier schlummerte der greise Tory-Politiker Arthur Balfour in einem Sessel. Selbst wenn die Anekdote erfunden ist, dass der Gastgeber befohlen habe, den Union Jack einzuholen, weil er nicht mit dem Sonnenuntergang harmoniere, zeugt sie von dem aufwendig verfeinerten Lebensstil der neureichen Hautevolee, die in Trent Park verkehrte, bevor der Backsteinbau während des Zweiten Weltkrieges einem ganz anderen Zweck übergeben wurde: als Sonderlager für hochrangige Kriegsgefangene. In dieser angenehmen Umgebung hoffte der britische Geheimdienst den Wehrmachtsoffizieren die Zunge zu lockern und aus ihren abgehörten Gespräche wertvolle Informationen zu gewinnen.

          Zwischen 1942 und 1945 wurden knapp neunzig Generäle nach Trent Park verbracht und in den verwanzten Räumen belauscht, wie sie Erfahrungen austauschten, die Lage in Deutschland debattierten, über Schuld und Mittäterschaft reflektierten und erschütternde Bekenntnisse über Verbrechen an Juden und Partisanen abgaben, die belegen, dass die Generalität über das Ausmaß der Unrechtstaten bestens informiert war. Der Mainzer Zeithistoriker Sönke Neitzel, dessen im Jahr 2005 veröffentlichte Edition der derzeit im ZDF laufenden Dokumentationsserie "Die Wehrmacht - Eine Bilanz" als Grundlage diente (F.A.Z. vom 13. November), ging bei seinen Forschungen für eine Arbeit über die Kriegsmarine einem vagen Hinweis nach, als er im britischen Staatsarchiv auf eine bis dahin nie ausgewertete Akte mit den Wortprotokollen stieß. An jenem verregneten Novembertag 2001, an dem seine Spurensuche begann, dürfte Neitzel sich wohl nicht erträumt haben, eines Tages als Redner in dem ehemaligen Salon Sir Philip Sassoons die englische Ausgabe des Buches "Abgehört" vorzustellen, die jetzt mit einem Vorwort des Hitler-Biographen Sir Ian Kershaw unter dem Titel "Tapping Hitler's Generals" erschienen ist.

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