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Trump und die Verwaltung : Ignoranz mit fatalen Folgen

Donald Trump Bild: EPA

Unwissenheit, Ignoranz und Hass: Der amerikanische Autor Michael Lewis zeigt in seinem neuen Buch, wie sehr Donald Trump den Verwaltungsapparat verachtet.

          Als Donald Trump im November 2016 die amerikanische Präsidentschaftswahl gewann, war er selbst womöglich am meisten geschockt. Ausgerechnet er, der mit der Zurschaustellung seines Ekels vor dem „Sumpf“ in Washington bei seinen Anhängern gepunktet hatte, sollte nun als Präsident der wichtigste Teil des verhassten „Systems“ werden. Und schon in der Wahlnacht dürfte mancher Beamte des amerikanischen Regierungsapparats, der allein auf Bundesebene zwei Millionen Menschen beschäftigt, ein Stoßgebet gen Himmel geschickt haben: Wie würde ein Präsident, der als Kandidat vor allem durch seine Ignoranz aufgefallen war, mit einem Apparat zusammenarbeiten, den er offenkundig zutiefst verachtete?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          In den Wochen nach der Wahl gab Trumps Team eine unmissverständliche Antwort auf diese Frage, wie Michael Lewis in seinem Buch „Erhöhtes Risiko“ nachzeichnet – am liebsten gar nicht. Normalerweise werden nach einer Wahl die künftigen Minister oder ihr Stab so schnell wie möglich in ihren Ministerien vorstellig, um sich in die Materie einarbeiten und notwendige Personalentscheidungen treffen zu können. Doch darauf hatte Trumps Stab offenkundig keine Lust. Tausende Stellen bis hinauf ins State Department blieben vakant, weil Trumps Team sich entweder nicht auf entsprechende Kandidaten festlegen konnte oder dem künftigen Präsidenten die Angelegenheit zwischen Golfen in Mar-a-Lago und Fox-News-Twitter-Beschimpfungen egal war.

          „Trumps Leute zeigten sich in keinem Ministerium und in keiner Behörde. An den wenigen Orten, an denen sie sich blicken ließen, wirkten sie verwirrt und unvorbereitet“, zitiert Lewis die damalige stellvertretende Energieministerin unter Obama, Elizabeth Sherwood-Randall. Anhand dreier Ministerien, des Energie-, des Handels- und des Landwirtschaftsministeriums, zeigt Lewis auf, wie unvorbereitet und desinteressiert die Trump-Regierung in ihre Amtszeit stolperte. Lewis führte dafür zahlreiche Gespräche mit langjährigen Mitarbeitern in den Ministerien. Bei diesem Einblick in den „Maschinenraum“ der amerikanischen Verwaltung wird deutlich, wie verheerend die Verachtung Trumps nicht nur für Fakten und Wissenschaft, sondern auch für langfristige politische Risikoabschätzungen ist.

          Ignoranz für Amerika

          Es ist eine Stärke von Lewis’ Buch, dass es anhand zahlreicher Beispiele plastisch zeigt, wie gefährlich diese Ignoranz für Amerika werden kann – und wie wichtig es ist, den Blick abseits der großen, medienwirksamen Entscheidungen von Klimaabkommen bis INF-Vertrag auf das weithin unbemerkte Ausbluten des amerikanischen Verwaltungsapparats unter Trump zu lenken. Das amerikanische Energieministerium etwa hat einen Jahresetat von dreißig Milliarden Dollar und mehr als 110.000 Mitarbeiter; es kümmert sich um die Energieversorgung, verwendet nach Lewis aber fast die Hälfte seines gewaltigen Budgets auf die Instandhaltung und Bewachung des Atomwaffenarsenals der Vereinigten Staaten.

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