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Schule und Integration : Die Grenzen der Zumutung

Die Al-Nur-Moschee ist immer wieder Anlaufstelle für radikale Priester und Salafisten. Kann man mit ihr zusammenarbeiten?

Eine Referentin für ein Elternseminar von Schiffauers „Brücke“-Projekt in der Al-Nur-Moschee sagte dann doch ab. Sie hatte sich, wie Schiffauer tadelnd schreibt, bei Neuköllner Migrationsarbeitsgruppen erkundigt, die ihr dringend und begründet abrieten. Nur der Kulturanthropologe ist überzeugt, dass eine Gemeinde wie diese, der man von Seiten des Staates zu Recht und bestens belegt „parallelgesellschaftliche Tendenzen“ vorwirft, solche Seminare als Chance der Öffnung zur Gesellschaft nutzen will. Ihnen die Schulkinder auch noch zuzuführen wäre jedoch eine Katastrophe. Zwar gibt es längst viele Schulen, in denen türkische und arabische Migrantenkinder die deutliche Mehrheit stellen. Doch heißt das keinesfalls, dass deren Eltern sich gern und mehrheitlich in extremen Moscheegemeinden wie dieser organisieren.

Bittere Erfahrungen mit extremen Sittenwächtern

Die Aleviten Berlins wiederum zogen sich nach einigen Elternseminaren aus dem Projekt zurück. Schiffauer beschreibt gerade diese erfolgreiche, autarke und selbstbewusste Gemeinde als zu stark auf ihre furchtbaren Gewalterfahrungen in der Türkei fixiert. Aber das Problem sind eher die unbestraften Mörder, von denen einige mitten unter uns leben. Denn neun der frommen Attentäter des Pogroms von Sivas im Jahr 1978 erhielten in Deutschland politisches Asyl. Aleviten kennen die Täter und wissen auch, welchem Islamverband sie zuzurechnen sind. Trotzdem klagt Werner Schiffauer, der Allesversteher, es sei „lähmend“ gewesen, dass sie „im Kontakt zu den anderen Gemeinden sehr zurückhaltend sind“.

Er erwähnt auch nicht die anderen guten Gründe, die sie für ihre Zurückhaltung haben, nämlich ihr von den orthodoxen Verbänden mit Argwohn beobachtetes freiheitliches Verständnis von Zivilgesellschaft, Toleranz und Religion und ihre bitteren Erfahrungen in deutschen Schulen mit extremen muslimischen Sittenwächtern, deren bevorzugtes Mobbingziel etwa kopftuchlose alevitische Mädchen sind. Die Aleviten mit der islamischen Gemeinde Millî Göruş zusammenschweißen zu wollen, wie es das Projekt vorsah, ist absurd.

Die Aufsteiger und die Absteiger

Nicht verwunderlich ist dagegen, dass die Vertreter von Millî Göruş bei „Brücken im Kiez“ am besten abschneiden, hat doch Werner Schiffauer deren vermeintlicher Modernisierung ein ganzes Buch gewidmet. Auch wenn Millî Göruş nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gehört sie weder für Lehrer noch für die Mehrheit der Muslime in Deutschland zu den Verbänden, denen sie Reformen und Integrationshilfen zutrauen, im Gegenteil. Da auch in diesem Buch keinerlei Aufklärung über die klandestine Organisationsstruktur und ökonomische Potenz dieser religionspolitischen Bewegung zu finden ist, muss sich der Leser auch hier mit den Früchten von Schiffauers „beobachtender Teilnahme“ begnügen: Man redet miteinander und glaubt einander alles, es sei denn, es handelt sich um einen Lehrer.

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