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: Wer den Blutzoll gezahlt hat, ist deshalb noch nicht gerechtfertigt

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Seit langem ist das Völkerrecht beziehungsweise Internationale Recht eine Domäne der Juristen. Seine moderne Form, im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert entstanden, wird aber zunächst von philosophisch gebildeten Moraltheologen entwickelt, von den Spaniern Bartolomé de Las Casas über Francisco de Vitoria bis Francisco Suárez.

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          Seit langem ist das Völkerrecht beziehungsweise Internationale Recht eine Domäne der Juristen. Seine moderne Form, im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert entstanden, wird aber zunächst von philosophisch gebildeten Moraltheologen entwickelt, von den Spaniern Bartolomé de Las Casas über Francisco de Vitoria bis Francisco Suárez. Obwohl es mit und seit Hugo Grotius in die Kompetenz der Juristen wandert, bleibt es wegen naturrechtlicher Komponenten im Einflußbereich von Philosophen, beispielsweise von Christian Wolff und - mit seiner Friedenstheorie - von Immanuel Kant. In dieser Tradition eines philosophischen Völkerrechts steht die zu einem Buch überarbeitete Oxforder Amnesty-Vorlesung von John Rawls.

          Als Philosoph leistet Rawls "natürlich" keinen Beitrag zum positiven Völkerrecht, wohl aber zu dessen rechtsmoralischer Begründung und Ausgestaltung. Auf die Kernfrage, unter welchen Bedingungen das Zusammenleben von Völkern friedlich und gerecht ist, einschließlich der aktuellen Frage, unter welchen Umständen Kriege gerechtfertigt sind, antwortet er mit einer "realistischen Utopie", bestehend aus acht Grundsätzen, die bewußt nicht neu, sondern allvertraut sind. Die Liste beginnt mit der Freiheit und Unabhängigkeit der Völker und der Pflicht, Verträge zu erfüllen, und reicht über das Recht, an bindenden Übereinkünften beteiligt zu sein, die Pflicht der Nichteinmischung, das Recht auf Selbstverteidigung, aber keines anderen Rechts, Kriege zu führen, bis zur Pflicht, die Menschenrechte zu achten und anzuerkennen, Kriege unter Beachtung bestimmter Einschränkungen zu führen, und der Pflicht, Völkern zu helfen, die unter ungünstigen Bedingungen leben, welche eine gerechte oder achtbare politische und soziale Ordnung verhindern.

          Mit dem zunächst erstaunlichen Ausdruck "Völker" (peoples) entscheidet sich Rawls gegen die im Englischen üblichen Bezeichnungen "nations" oder "states". Denn damit verbänden sich zwei Souveränitätsbefugnisse, die einer liberalen Gerechtigkeitskonzeption widersprächen: das Recht, als Mittel staatlicher Politik Krieg zu führen, und die Autonomie hinsichtlich der Art, wie man das eigene Volk behandelt.

          Weil das Recht der Völker je nach deren politischer Grundstruktur unterschiedlich ausfallen könnte, beginnt Rawls mit einer klärenden Unterscheidung, der Aufzählung von fünf Arten heimischer Gesellschaften. Die vernünftigen liberalen und die nichtliberalen, aber wegen ihrer Konsultationshierarchie achtbaren Völker bilden zusammen die wohlgeordneten Völker. Ihnen stehen Staaten gegenüber, die sich einem vernünftigen Recht der Völker verweigern, also "Schurkenstaaten". Die Übersetzung ist jedoch mißverständlich, da das Original nicht den berühmten umgangssprachlichen Ausdruck "rogue states" verwendet, sondern stärker fachsprachlich von "outlaw regimes", von zu ächtenden Regimen, spricht. Neben den durch ungünstige Umstände belasteten Gesellschaften stehen jene wohlwollenden absolutistischen Gesellschaften, in denen die Menschenrechte geachtet werden, den Mitgliedern aber eine Rolle bei der Entscheidungsfindung verweigert wird.

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