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Bücher über Donald Trump : Seine Wähler sind keine Spinner

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Donald Trump Bild: Reuters

Das Evangelium des Wohlstands: Drei Bücher fragen nach der Rolle Donald Trumps für die Polarisierung von Gesellschaft und Politik in den Vereinigten Staaten.

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          Je näher der amerikanische Wahltermin rückt, umso intensiver wird das Interesse daran, zu ergründen, was in den vergangenen vier Jahren unter Donald Trump geschehen ist. Es dürfte kein Zufall sein, dass sich neben Politikwissenschaftlern insbesondere Journalisten dieser Reflexion widmen und dabei die mediale Mitverantwortung an dem einräumen, was den Vereinigten Staaten unter Trump, aber auch schon zuvor zugestoßen ist.

          Ohne die medial konstruierten und selbstreferentiellen Resonanzräume, so eine von allen Autoren der drei vorliegenden Bücher mehr oder minder geteilte These, wäre es kaum zu der Polarisierung von Politik und Gesellschaft in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus gekommen. Jedoch sind die Bücher mehr als bloßer Ausdruck einer déformation professionelle, sich am liebsten mit der eigenen Bedeutung zu beschäftigen. Sie bieten tiefe Einblicke in die aktuellen Geschicke Amerikas, mitunter sogar profunde Analysen der Ursachen gegenwärtiger Problemlagen.

          Großartige Einblicke in die Medienwelt der Vereinigten Staaten

          Elmar Theveßens gut lesbare und höchst informative Darstellung profitiert von seinen langen Reisen durch die amerikanische Provinz, in das „Herzland“ der Vereinigten Staaten. So gelingt es ihm, Verständnis für die Nöte jener Amerikaner zu entwickeln, die aus unterschiedlichen Gründen – nicht zuletzt aus Furcht vor Bevormundung durch ungeliebte akademische Eliten – Donald Trump vor vier Jahren ihre Stimme gegeben haben. Der ZDF-Journalist verzichtet auf eine übereilte moralische Bewertung. Bei ihm sind die Trump-Wähler nicht schon vorab rassistische, waffenstarrende Spinner. Sie gehören zu einer pluralistischen Gesellschaft ebenso unabdingbar wie ihre Widerparts in den bürgerlichen Vierteln der Universitätsstädte an der Ostküste oder die ethnischen Minderheiten in den Quartieren der zerfallenden Großstädte.

          Theveßen macht aus seiner tiefen Verachtung für Präsident Trump kein Hehl, bleibt sprachlich aber stets dezent und soliden Fakten verpflichtet. Das ist womöglich die größte Errungenschaft dieses schmalen Bandes: Schritt um Schritt zerlegt er Trumps Phrasen und demontiert seinen Anspruch, in allem der Größte und Beste gewesen zu sein.

          Im Vergleich zu Theveßens systematischer und präziser Herangehensweise ist das Buch der beiden „Zeit“-Journalisten Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby flotter geschrieben, aber auch sprunghafter und weniger durchdacht in der Entwicklung der Argumentation. Der eher indirekte Vergleich Trumps mit Richard Nixon etwa wirkt deplaziert und wenig fruchtbar, unter anderem weil Henry Kissingers Rolle dabei viel zu positiv ausfällt. Dafür bieten die Autoren großartige Einblicke in die Medienwelt der Vereinigten Staaten. Dies gelingt ihnen, weil sie amerikanische Kollegen als Zeitzeugen ausführlich zu Wort kommen lassen, unter anderem Mitarbeiter von Fox News und den rechtskonservativen Radiomoderator Sebastian Gorka. Deren Fanatismus kommt gut zur Geltung, weil man ihre Worte meist kommentarlos für sich sprechen lässt. Wer über einen längeren Zeitraum verfolgte, wie sensationalistisch CNN bereits über den Trump-Wahlkampf von 2016 berichtet hatte, wo belanglose Auftritte des damaligen Kandidaten aufgeregt zu Breaking News hochstilisiert wurden, weiß, was gemeint ist.

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