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Vom Instinkt des Tötens : Morden lohnt sich, flüstern die Gene

  • -Aktualisiert am

Töten muss evolutionsbiologisch sinnvoll gewesen sein, meint der Evolutionspsychologe David Buss in seinem Buch „Der Mörder in uns“. Denn warum wäre es sonst so weit verbreitet?

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          Reduziert man das Weltgeschehen auf das egoistische Gen, wird alles recht einfach. Was auch immer wir tun: Wir tun es, um unsere Gene weiterzugeben oder um dafür zu sorgen, dass die bereits in neuen Körpern befindlichen Gene abermals in neuen Körpern auferstehen. Das Ganze ist gut verträglich mit dem Freudschen Sexualtrieb, der überall lauert, aber vielleicht auch mit buddhistischen Gedanken des ewigen Recyclings. Nicht nur die Rituale menschlichen Balzverhaltens, die David Buss in einer früheren Arbeit beschrieben hat, sondern auch dass Frauen schlecht einparken und Männer nicht zuhören, muss - soziobiologisch gesehen - Vorteile haben, die der Fortpflanzung dienen, genauer gesagt der Weitergabe der Gene ebenjener Frauen, die am schlechtesten einparken, und der Männer, die am schlechtesten zuhören.

          David Buss geht in seinem Buch „Der Mörder in uns“ von der aparten These aus, dass Morden etwas evolutionsbiologisch gesehen Vernünftiges sein muss, weil es sonst nicht so verbreitet wäre - zumindest in jedermanns Bewusstsein.

          „Gute Gründe“ fürs Töten

          Dies führt dann in der Tat zu einer Reihe von erfrischenden Einsichten, wenn Buss unbekümmert um politische Korrektheit und moralische Bedenken diverse Typen von Tötungsdelikten (Tötung der Frau, des eigenen Kindes, von Vater oder Mutter, des Rivalen) daraufhin untersucht, ob der Täter nicht ganz normale, nachvollziehbare, „gute Gründe“ für sein Töten gehabt hat. Und ein „guter Grund“ ist alles, was den Fortpflanzungserfolg des Täters erhöht, was also (wenn er ein Mann ist) seinen Zugang zu guten Frauen erhöht und soziale Ressourcen beschafft (welche seinen Erfolg bei Frauen abermals verbessern). Es geht um den „Paarungsvorteil“ in der Konkurrenz um Fortpflanzungschancen. Das Grundmuster ist auch aus anderen Studien klar: Bei Frauen kommt es auf Gesundheit, Schönheit, Treue an, also auf ihre direkte biologische Kapazität, Kinder zu bekommen und aufzuziehen. Bei Männern kommt es auf soziale Potenz an, Geld und materielle Ressourcen, soziale Macht und Stärke, um die Nachkommenschaft zu sichern und sich, Frau und Kinder gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

          Das Modell wirkt altertümlich und soll es auch sein: So, sagen die Soziobiologen, haben basale menschliche Verkehrsformen jahrtausendelang funktioniert, so sah das Erfolgsmodell des Überlebens aus in einer archaischen Gesellschaft ohne Staat, ohne Polizeischutz, wo die Ahndung von Totschlag zwangsläufig Privatsache blieb. Manche Wildwestfilme veranschaulichen solche Zustände und vermitteln, wie „rational“ Tötungen eingesetzt wurden etwa im Konflikt zwischen Ackerbauern und den Besitzern großer Viehherden, zum Eigentumsschutz, aber auch bei der Etablierung von Banden (Schutzgeld) und schließlich in der Konkurrenz um Frauen. Und David Buss ist Professor für evolutionäre Psychologie in Austin/Texas, wo die Evolution inzwischen dafür gesorgt hat, dass nur eine Minderzahl der Konflikte gewaltsam gelöst wird.

          Meist gibt es bessere Lösungen

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