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: Viele Hasardeure und Aufschneider

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Die Geringschätzung demokratischer Staatsmänner gegenüber ihren Geheimdiensten ist vielfach dokumentiert. Über die häufigen Ausfälle von Helmut Kohl ärgern sich die Mitarbeiter des BND wohl noch heute. Der damalige Bundeskanzler erzählte jedem, der es hören wollte, dass die Geheimdienstberichte sowohl ...

          Die Geringschätzung demokratischer Staatsmänner gegenüber ihren Geheimdiensten ist vielfach dokumentiert. Über die häufigen Ausfälle von Helmut Kohl ärgern sich die Mitarbeiter des BND wohl noch heute. Der damalige Bundeskanzler erzählte jedem, der es hören wollte, dass die Geheimdienstberichte sowohl in Aktualität als auch in Qualität regelmäßig hinter der Berichterstattung der NZZ zurückgeblieben seien. Diese abschätzige Haltung legte in den vergangenen 60 Jahren auch die überwiegende Mehrzahl der amerikanischen Präsidenten an den Tag. Und wer mag es ihnen verdenken? Die Fehlschläge der "Central Intelligence Agency" - kurz CIA - sind Legion. Niemand innerhalb der Behörde sah den Kollaps der Sowjetunion und das Ende des Kalten Krieges voraus, niemand warnte ausdrücklich vor den Angriffen des 11. Septembers 2001, und niemand bezweifelte die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak.

          Allein die Fehler der jüngsten Vergangenheit könnten den unvoreingenommenen Betrachter zu dem Schluss kommen lassen, dass die amerikanische Demokratie nicht in der Lage ist, einen effizienten und leistungsfähigen Geheimdienst aufzubauen und mit Erfolg einzusetzen. Dieser Eindruck wird durch das Buch von Tim Weiner - Experte der New York Times für Nachrichtendienste - in seiner Bestandsaufnahme der Geschichte der CIA nachhaltig untermauert. "Dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen", ist Thema dieses Buches. Auf breiter Materialbasis und mit großem Einfühlungsvermögen schildert er die Entstehung und die Arbeit der CIA seit ihren Anfängen im Jahr 1947. Im Gegensatz zu früheren Kritikern der CIA, welche die schiere Existenzberechtigung einer derartigen Institution massiv bezweifelten, plädiert der Autor nicht für eine wie auch immer geartete Auflösung oder Beschneidung des amerikanischen Geheimdiensts, sondern hebt vielmehr hervor, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine verlässliche und vertrauenswürdige Organisation für die Sammlung von "sensitiven" Informationen benötigen.

          Kenntnisreich beschreibt der Autor die grundsätzlichen Probleme, mit denen ein Geheimdienst in einer offenen Gesellschaft konfrontiert ist. Dabei thematisiert er die Frage nach der demokratischen Kontrolle ebenso wie grundlegende Aspekte der Moralität. Denn es war den Planern schon im Gründungsmonat der CIA klar, dass Washington sowjetisches "Feuer mit Feuer" - so George F. Kennan im September 1947 - würde bekämpfen müssen. Diese Ausrichtung stellte die Mitarbeiter des Geheimdienstes immer wieder vor schwierige Entscheidungen: so zum Beispiel bei Tötungsaktionen gegen ausländische Staatenlenker - stichhaltig belegt Weiner die Initiative der Kennedy-Brüder zur Liquidierung von Fidel Castro und lässt an der Verantwortung des Präsidenten nicht den geringsten Zweifel - oder bei dem flächendeckenden und gesetzeswidrigen Einsatz der CIA im Inland in den 1960er und 1970er Jahren. Dass sich die amerikanischen Geheimdienstler gegen keine dieser Aktionen zur Wehr gesetzt haben, sondern im Gegenteil stets vorangeprescht sind, beschreibt einen Regelfall in der Geschichte von Spionageorganisationen. Der ausgeprägte Korpsgeist innerhalb des Nachrichtendiensts, der politische Druck auf vorzeigbare Ergebnisse und die schleichende Verrohung angesichts eines skrupellosen Gegners sind wichtige Faktoren für diese gefährlichen Entwicklungen.

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