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: Viel Schulden und kaum Sühne

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Der Titel klingt, als handelte es sich um einen Kriminalfall. "Die Akte Schwarzgelb" erzählt die Geschichte einer in der Fußballbundesliga beispiellosen Kapitalvernichtung, an deren Ende ein Schuldenstand von fast 120 Millionen Euro stand. Eine Kriminalgeschichte im eigentlichen Sinne konnte daraus ...

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          Der Titel klingt, als handelte es sich um einen Kriminalfall. "Die Akte Schwarzgelb" erzählt die Geschichte einer in der Fußballbundesliga beispiellosen Kapitalvernichtung, an deren Ende ein Schuldenstand von fast 120 Millionen Euro stand. Eine Kriminalgeschichte im eigentlichen Sinne konnte daraus jedoch nicht werden, weil es zwar Schuldige gibt, nach allen vorliegenden Erkenntnissen aber keine Straftäter. Das Buch beschreibt und erläutert, wie die Manager Gerd Niebaum und Michael Meier den börsennotierten Bundesligaklub Borussia Dortmund an den Rand des Ruins getrieben haben. Beklemmend ist, daß die Handlung nicht frei erfunden, sondern von den Autoren Frank und Sascha Fligge sorgfältig dokumentiert ist.

          Die beiden Redakteure der Dortmunder Tageszeitung "Ruhr-Nachrichten" fassen die Ergebnisse einer langen Recherche-Arbeit zusammen - ohne sich mit fremden Federn zu schmücken: Sie verweisen des öfteren darauf, daß die Grundlagenarbeit für die Akte von den Journalisten Thomas Hennecke (Kicker Sportmagazin) und Freddie Röckenhaus (Süddeutsche Zeitung) geleistet wurde. Die Enthüllungen dieser inzwischen mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichneten Rechercheure haben Fligge und Fligge animiert, eigene Nachforschungen anzustellen und eigene Informationsquellen zu erschließen. Ihre Arbeit ist um so verdienstvoller, weil die "Ruhr-Nachrichten" schon zu jener Zeit Medienpartner von Borussia Dortmund waren. Unter Realitätsverlust leidend, hatte Niebaum angenommen, von diesem Umstand profitieren zu können. So grotesk es klingen mag, fragte der BVB-Präsident einen der beiden Autoren, wie er dazu komme, Erkundigungen bei der Deutschen Fußball-Liga einzuziehen. Dies gehöre nicht zu den Aufgaben eines Lokalredakteurs.

          Die Zeitungsberichterstattung, auf der "Die Akte Schwarzgelb" aufbaut, ist ein Beleg für investigativen Sport-Journalismus, wie er in dieser Zunft nicht üblich ist. Nebenbei erläutern die Autoren das Gewirr von Gremien und Räten, das die Geschäftsführer sich zunutze machten. Abgerundet wird die "Akte" durch eine gelungene Ansammlung von Zitaten der Protagonisten, die sich auf jeder Seite in der Aufmachung von Fußnoten finden. Die Grenze zwischen Gut und Böse in dieser wahren Geschichte ist leicht zu ziehen. Das hat es den Autoren in gewisser Weise leichtgemacht.

          RICHARD LEIPOLD

          Besprochenes Buch: Frank und Sascha Fligge, Die Akte Schwarzgelb, Verlag Lensing-Wolff, Dortmund 2005, Preis: 14,80 Euro, www.akte-schwarzgelb.de

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