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: Verhaltenes Lachen in der Herkuleskeule

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Stadtgeschichte - das hat leicht die trockene Anmutung des Archivalischen. Das "Dresdner Geschichtsbuch", von dem jetzt die zehnte Folge vorliegt, sucht das zu vermeiden. Es wird herausgegeben von dem Dresdner Stadtmuseum im "Landhaus" in der Wilsdruffer Straße, bei dem sich seit der Entideologisierung nach 1990 ein Besuch allemal lohnt.

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          Stadtgeschichte - das hat leicht die trockene Anmutung des Archivalischen. Das "Dresdner Geschichtsbuch", von dem jetzt die zehnte Folge vorliegt, sucht das zu vermeiden. Es wird herausgegeben von dem Dresdner Stadtmuseum im "Landhaus" in der Wilsdruffer Straße, bei dem sich seit der Entideologisierung nach 1990 ein Besuch allemal lohnt. Zur Zeit ist es geschlossen, weil das "Landhaus" renoviert wird, ein im Stil des Übergangs vom Barock zum Klassizismus von dem Baumeister Krubsacius für die Landstände und die Steuerämter errichtetes Gebäude. Die DDR hatte die ausgebrannte Ruine des Landhauses nicht abräumen lassen, wie sie es sonst mit der Innenstadt tat. Es wurde wieder aufgebaut und Anfang 1966 als - entsprechend eingefärbtes - Stadtmuseum eröffnet.

          Das Lektorat auch des zehnten Bandes - die Reihe bietet auf insgesamt rund 2500 Seiten eine eingängig präsentierte Stadtgeschichte - hat Matthias Griebel besorgt. Er ist Sohn des in den zwanziger Jahren bekannten Dresdner Malers Otto Griebel. Er wurde nach der Wende Direktor des zu erneuernden Stadtmuseums. Er brachte eine profunde Kenntnis von Dresden mit, die er sich selbst erarbeitet hatte, und einen Sinn für das Anschauliche, den ein solches Museum braucht. Der Baugeschichte des Landhauses ist ein Kapitel des zehnten Bandes gewidmet.

          Er folgt, wie seine Vorgänger, dem Prinzip der Einteilung nach Sachgebieten. Regelmäßig wird die Geschichte eines Dresdner Stadtteils erzählt. Diesmal ist Kleinzschachwitz an der Reihe, 1921 eingemeindet, am Elbufer gegenüber dem berühmten Schloß Pillnitz gelegen, eine Mischung aus ehemaligem Dorf und später entstandenem Villenvorort. Er wurde geprägt unter anderem durch den russischen Fürsten Putjatin, der 1749 in Kiew geboren wurde und sich später in Kleinzschachwitz ansiedelte. Dort ließ er nach seinen Plänen ein Haus bauen. Wegen der Anekdoten, die sich um seine Person ranken, aber auch wegen seiner zahlreichen Stiftungen (darunter die eines Schulhauses für den Ort) ist Putjatin bis heute unvergessen. Ein 1997 errichtetes Denkmal erinnert an ihn.

          Auf Dresden als Wirtschaftsstandort macht diesmal ein Blick auf die dort zu hohem Rang entwickelte Verpackungsindustrie aufmerksam. Die Lektüre läßt einen fast bedauern, so viele Verpackungen achtlos dem Müll überantwortet zu haben. Ein ernstes Stück Alltagsgeschichte der DDR wird am Beispiel der Machtübernahme der Kommunisten in Dresden anschaulich gemacht. Bei den Kommunalwahlen vom 1. September 1946 gewannen die Liberalen (LDP) und die CDU zusammen eine knappe Mehrheit, was ihnen angesichts des tatsächlichen Machtmonopols der kommunistischen SED, hinter der die Besatzungsmacht stand, nicht viel nützte. Die Reproduktion eines Wahlplakats belegt, daß Größen des Kulturlebens sich der SED als Wahlhelfer zur Verfügung stellten: Ein Plakat der SED nennt in größerer Schrift, als dem Parteikürzel gegönnt wird, "Palucca", die berühmte Tänzerin, als ihre Kandidatin.

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